Wenn es im Wald nach Moschus riecht, sollten Spaziergänger vorsichtig sein. Im Peenetalmoor bei Anklam verteidigen derzeit zehn Platzhirsche ihre Vorrangstellung – ein eindrucksvolles Schauspiel, das jedes Jahr aufs Neue zu beobachten ist.
Hormongesteuerte Drüsen auf Hochtouren
Am Körper des Hirsches laufen die hormongesteuerten Drüsen bei der Brunft auf Hochtouren. Besonders aus der Voraugendrüse sondert er ein extrem penetrantes, scharf nach Moschus weithin riechendes Sekret ab. Um noch mehr Gefallen bei der Damenwelt zu finden, verspritzt er vom Bauch zum Rücken bis zu den Geweihspitzen den Urin.
Dieses hoch konzentrierte, zähflüssige Geschlechtspheromon Androsteron fördert die Paarungsbereitschaft der Tiere. So werden die weiblichen Stücke jägersprachlich genannt. Erreicht wirklich einmal ein Rothirsch das Höchstalter von 20 Jahren, so kann er jedoch kein Geweih mehr aufbauen, sondern der einstige Schönling mutiert zum „Plattkopf“ und trägt eine Glatze.
Das Geweih – ein Knochengebilde
Der Kopfschmuck der Hirsche ist kein Elfenbein, sondern ein Knochengebilde, das auf den Rosenstöcken geschoben und vom Geschlechtshormon Testosteron gesteuert wird. Es ist von einer samtigen, stark durchbluteten Basthaut umschlossen, in der die Aufbaustoffe transportiert werden. Jetzt sind die Hirsche besonders vorsichtig, denn Verletzungen zu dieser Zeit führen zu Geweihmissbildungen. Das Wachstum dauert bis zu 150 Tage, also fünf Monate.
In der Regel ist es zwischen dem zehnten bis zwölften Lebensjahr am stärksten. Im 15. Lebensjahr wird schon mächtig zurückgesetzt. Immer wieder treten auch Rothirsche durch einen Gendefekt ohne Geweihbildung auf, die der Fachmann als Mönche bezeichnet.
Wetteifer bis zur völligen Erschöpfung
Im Sommer kommt die Feistzeit und da frisst ein Rothirsch die unglaubliche Menge von bis zu 41 Kilogramm Grünfutter am Tag, um für die Brunftzeit eine Fettreserve zu speichern. Zur Hochbrunft nimmt er nahezu keine Nahrung auf und kann dann vor Erschöpfung auch einmal zusammenbrechen. Dann muss der Macho mehrere Stunden ruhen, nimmt aber danach wieder am Brunftgeschehen teil.
So müssen auch im Peenetalmoor vom Abschnitt Rothen Meer, drei Kilometer östlich von Anklam, verursacht durch die rotbraune Färbung des Sumpfbodens mit Raseneisenerz, bis hin zur Redoute die zehn Platzhirsche ihre Vorrangstellung ständig verteidigen. An den Brunftplätzen sind die Hirsche hormongetriebene Muskelprotze. Alle paar Minuten hört man das Röhren, was so viel für die Tiere bedeutet, wie „Ich liebe dich“. Für den Nebenbuhler ist es eine Kampfansage.
Mörderhirsche seltene Ausnahme
Bevor Hochzeit gemacht wird, müssen die Recken um die Rangfolge kämpfen. Solch einen Kampf darf man sich nicht so vorstellen, dass sie laufend mit dem Geweih aneinanderschlagen, sondern es erfolgt eine Parade, wobei sich die Rivalen hin- und herschieben. Dabei werden die Kräfte gemessen und die Rangfolge ausgemacht. Der schwächere der Giganten wählt einen günstigen Zeitpunkt und flieht. Dieser wird nicht verfolgt, da der Gewinner innehält und seinen Siegesruf durch das Moor schreit. Es gibt hin und wieder auch Mörderhirsche, die sehr lange und spitze Augsprossen besitzen und durch das Geweih des Gegners stechen. Dies wird auch forkeln genannt.
Wer dem wundervollen Klang der Umwelt und beim Anblick von Wildsäugern, Adlern und Silberreihern Stress abbauen möchte, kann bei einer geführten Naturwanderung Kraft tanken. Anmeldung bitte unter 015156074311.