In der Mosterei im Landkombinat Gatschow, südlich von Demmin, läuft der Apfelsaft wie flüssiges Gold durch die Maschine in die Flasche. Die Presse rattert im Hintergrund, Äpfel rollen über den Sortiertisch. Die Maschinen stehen nicht still, obwohl die Ausbeute in diesem Jahr eher unterdurchschnittlich ist, berichtet Stefan Raabe.
Vom selbst geschweißten Start zur Profi-Mosterei
Stefan Raabe hat die Mosterei gemeinsam mit Freunden aufgebaut. „Wir hatten damals im Freundeskreis überlegt, wie wir das ganze Obst verarbeiten können. Es ist doch schade, dass so viel im Straßengraben liegt. Und auch hier auf dem Hof haben wir so viel Obst“, sagt Stefan Raabe. Die Idee, das Obst zu Saft zu pressen, war schnell geboren. „Wir haben alles selbst zusammengesucht über Kleinanzeigen und dann die erste Saftpresse selbst zusammengeschweißt“, erzählt er.
Anfangs wurde das Obst in einer Kartoffelwaschanlage gewaschen, die auch heute noch auf dem Hof genutzt wird. Inzwischen sind es Kinder, die dort Äpfel waschen. Die Mosterei hat in den vergangenen Jahren immer weiter aufgerüstet, sodass seit einigen Jahren auch andere Projekte im Verein unterstützt werden können. Zum Anfang wurden in der Stunde rund 50 Liter produziert, jetzt sind es etwa 300 Liter, sagt Stefan Raabe. In einem richtig guten Jahr schafft die Mosterei 30 Tonnen Obst, das sind etwa 20.000 Liter.
Kinder lernen bei der Mosterei den Saftprozess
„Wir haben Projekte mit Kindergärten und Schulen, wo Kinder selbst Saft pressen können“, ergänzt Wibke Seifarth. Auf der Streuobstwiese sammeln die Jungen und Mädchen zunächst die Äpfel und lernen dabei, dass nicht jeder Apfel gleich ist. „Sie bekommen natürlich Kostproben und bemerken dann den unterschiedlichen Geschmack“, erklärt Seifarth. Danach werden die Früchte von den Kindern gewaschen, gepresst und der Saft abgefüllt, den sie dann mit in die Schule nehmen.
„Da entsteht auch mal der ein oder andere Berufswunsch“, erzählt Stefan Raabe. Dass die Kinder an manchen Tagen bis zu zwölf Stunden in der Mosterei stehen müssten, wissen sie natürlich nicht. Denn das Obst muss zeitnah verarbeitet werden. „Wenn die Leute ihr Obst bringen, dann müssen die Maschinen auch laufen“, erklärt er.
Jedes Obst wird zu Saft – Qualität liegt beim Zulieferer
Grundsätzlich lasse sich jedes Obst zu Saft verarbeiten, was sich schreddern und pressen lässt. In der Mosterei kommen Äpfel aller Sorten, Birnen, Quitten und Trauben in die Presse. „Jeder, der sein Obst vorbeibringt, bekommt auch genau den Saft daraus“, verspricht Stefan Raabe. „Wir mischen da nix zu, keinen Zucker oder anderes Obst“, erklärt er.
In einen Pressdurchgang passen 100 Kilo Obst, dann entstehen etwa 65 bis 70 Liter Saft, erläutert Stefan Raabe. Durch die Verpackung in Flaschen oder speziellen Saftkartons sei das Getränk bis zu zwei Jahre haltbar. Die meisten Kunden kommen einmal im Jahr mit ihrem Obst vorbei. Auch kleinere Mengen werden angenommen, allerdings mit einem Aufpreis, erklärt Stefan Raabe.
Saison läuft noch bis Ende Oktober
Jedes Jahr von September bis Ende Oktober läuft die Presse. Wer frischen Saft aus den Früchten des eigenen Gartens möchte, kann sich noch bei der Mosterei melden. Dann gibt es einen Termin, wann das Obst gebracht und gepresst werden kann. Stefan Raabe hat dafür einige Tipps: „Man sollte nur Äpfel vorbeibringen, in die man auch gerne hineinbeißt“, sagt er.
Die Verantwortung für die Qualität des Saftes liegt hauptsächlich bei den Zulieferern. Fauliges oder schimmliges Obst sollte vorher aussortiert werden. Doch auch die Landkombinat-Leute werfen meist noch einen Blick darauf. „Wir haben einen Sortiertisch, und die Äpfel werden auch noch einmal ordentlich gewaschen, bevor sie gepresst werden“, sagt Stefan Raabe. In diesem Jahr kostet der Liter Saft einen Euro, dazu kommt ein Aufpreis für Flaschen oder Saftkartons.