In Neubrandenburg hat sich eine sechsköpfige Gruppe zusammengefunden, um ihrer Stadt einen neuen kreativen Impuls zu geben. Die Gruppe besteht aus Danilo Bandlow, Bianca Haisch, Heiko Kühl, Angela Kuboth, Simon Voigt und Caroline Wenndorff. Das Projekt trägt den Namen „Neue Auftraggeber“ und soll Menschen zusammenbringen.
Ein Projekt für die Stadt
„Das Projekt klang nach einer neuen Chance für Neubrandenburg“, sagt Bianca Haisch, die in diesem Jahr bereits mit dem Stadtgarten ein Projekt mit Bürgerbeteiligung in der Innenstadt angestoßen hat. Auch hier hatte sie Mitstreiter gefunden.
Caroline Wenndorff findet es schön, dass so ein besonderes Kunstprojekt nach Neubrandenburg kommt: „Gerade weil es darum geht, Menschen zusammenzubringen und unsere Stadt einmal aus einer ganz neuen Perspektive zu erleben. Und wenn das dann auch noch am Tollensesee passiert – einem Ort, mit dem hier wirklich fast jeder seine eigene Geschichte verbindet – bin ich sehr gespannt, was daraus entsteht.“ Sie freue sich, dass hier etwas Neues ausprobiert wird und die Gruppe Teil davon sein kann.
Die Idee dahinter
Die Ausgangsbeobachtung der Gruppe war folgendermaßen: Jahrzehntelang war die Stadt in der DDR durch politisch gesteuerten Zuzug stark gewachsen und ist nach der Wende fast genauso schnell wieder geschrumpft. Obwohl viele Familien bereits in der zweiten oder dritten Generation in Neubrandenburg leben, agieren die Altersgruppen heute oft eher nebeneinander als miteinander.
Die Stadt, die durch historische Umbrüche geprägt ist, hat nach Empfinden der Initiatoren an sichtbarer Lebendigkeit verloren. Daraus entstand ein klarer Auftrag: Gesucht wurde ein mutiges, leicht zugängliches Kunstwerk, das die Kreativität der Einwohner einbezieht. Es soll bewusst auf den Wert des Unfertigen und Nicht-Perfekten setzen. Ein besonderer Fokus liege dabei auf dem Areal um den Tollensesee und den Kulturpark, also jenen Orten, mit denen fast jeder in der Stadt persönliche Anekdoten verbindet.
„Wir wünschen uns ein mutiges Kunstwerk, das Menschen aller Generationen verbindet. Mit ihm wollen wir entdecken, wie wir von unserem gemeinsamen Morgen erzählen können. Es soll offen und leicht zugänglich sein, sodass sich möglichst viele Menschen beteiligen und wiederfinden können. Und es soll etwas Mutiges entstehen! Dafür wünschen wir uns eine künstlerische Arbeit, die die Kreativität der Menschen vor Ort einbezieht und auf den Wert des Unfertigen, des Nicht-Perfekten setzt – passend zum Charakter unserer Stadt. Denn Neubrandenburg hat viele Brüche erlebt und immer wieder Neuanfänge gemeistert“, heißt es in dem im September 2025 verfassten Auftrag.
Die Künstlerin Regina Rossi
Begleitet von den Mediatorinnen Alina Kokoschka und Anna Wiese von der Initiative „Die Neuen Auftraggeber“ fiel die Wahl auf die Choreografin Regina Rossi. Die gebürtige Brasilianerin lebt in Hamburg und wurde 2025 mit dem Hamburger Kindertheaterpreis ausgezeichnet. Sie ist dafür bekannt, Kunst nicht nur für, sondern gemeinsam mit dem Publikum zu entwickeln. Ihr Ansatz für Neubrandenburg zielt auf intensive Beziehungsarbeit ab: Sie will Reibungen und Meinungsverschiedenheiten im Entstehungsprozess nicht ausblenden, sondern als Motor für ihr Projekt nutzen.
In den vergangenen Monaten war Rossi bereits mehrfach in der Stadt, sprach mit Menschen und besuchte Orte wie die Tanzschule, die Kunstsammlung, aber auch den Aufladen-Spätkauf. „Viele Menschen engagieren sich stark in Vereinen und haben Lust auf Neues und auf Veränderung“, sagt sie. Sie habe dabei das Gefühl bekommen: „In Neubrandenburg ist Platz für viel mehr Menschen, als gerade hier leben.“ Nun freue sie sich auf den Austausch mit den Menschen und darauf, ein neues künstlerisches Projekt entstehen zu lassen.
Teil eines bundesweiten Projekts
Das Neubrandenburger Vorhaben ist Teil des Programms „Tanz und Performance im Bürgerauftrag“, das von der Kulturstiftung des Bundes bis 2028 mit fünf Millionen Euro gefördert wird. Ziel soll sein, in ganz Deutschland zukunftsfähige Formen von gesellschaftlicher Teilhabe zu etablieren. Daher kamen die Auftraggeber auf die Choreografin Rossi. Sie sagt: „Für mich geht es darum, etwas in der Stadt zu bewegen. Neue Begegnungen zu schaffen und vielleicht auch neue Sichtweisen darauf zu entwickeln, wie wir miteinander leben und zusammen sein können.“
In der näheren Region haben bereits Mitglieder des Vereins Dorfhaus in Wietstock, einem Ort zwischen Anklam und Pasewalk, mit den „Neuen Auftraggebern“ zusammengearbeitet. 2022 wurde dort ein Mosaik enthüllt, das Tiere und Pflanzen zeigt, die für die Menschen im Dorf wichtig sind.
Etwas Bleibendes für ihre Stadt hat auch die Gruppe der Neuen Auftraggeber in Neubrandenburg im Sinn. Was das genau werden kann, ist aber noch offen. „Der kreative Prozess geht nun weiter und wir suchen Verbündete“, sagen sie. Was am Ende genau entsteht – ob eine wiederkehrende Performance, ein Ritual oder ein völlig neues Format im Stadtraum – ist ergebnisoffen. Fest steht jedoch schon jetzt: Die Bürger der Stadt sollten sich das Wochenende vom 17. bis zum 19. September 2027 vormerken. Dann soll die Öffentlichkeit das Ergebnis zu sehen bekommen. Mehr Informationen zum Projekt gibt es auf der Internetseite neueauftraggeber.de.
Transparenzhinweis: Simon Voigt und Caroline Wenndorff arbeiten beide beim Nordkurier. Simon Voigt ist Redakteur in der Neubrandenburger Lokalredaktion, Caroline Wenndorff arbeitet im Social Media-Team.