Schwerer Unfall, starkes Comeback: OP-Pfleger Simon Schmidt siegt erneut
OP-Pfleger Simon Schmidt: Comeback nach schwerem Unfall

Simon Schmidt hat das Rennen beim Stoppelcross in Schmarsow sehr genossen. Der 31-Jährige vom MSV Wilhelmsburg kehrte 2022 nach einem schweren Unfall auf den Teterower Bergring zurück und stand 2023 dort wieder als Sieger fest.

Rückkehr nach schwerer Verletzung

Als Simon Schmidt 2022 zurück auf den Teterower Bergring kam, war die Frage: Macht der Kopf noch mit? Ein Jahr zuvor hatte er sich dort schwer verletzt – beide Schultern, mehrere Rippen, innere Verletzungen. Nun saß er wieder auf dem Motorrad und trainierte zunächst. Er habe sich langsam gefühlt, fast wie über die Strecke kriechen, erzählt er. Dann wurde er Trainingsschnellster und am Ende des Renntages 2023 Sieger.

Sein Körper kennt die Kehrseite des Motorsports nur zu gut. Vierzehnmal ist allein die linke Schulter ausgekugelt. Handgelenk, Sprunggelenk, Schulterblatt – auch die Liste der Brüche ist lang. Warum er trotzdem fährt? Die Antwort führt zurück zu einem kleinen Jungen, seinem jüngeren Bruder und einem Vater aus Teterow.

Beginn mit neun Jahren

Simon ist neun, als er mit dem Motocross beginnt. Sein vier Jahre jüngerer Bruder hat es zuerst ausprobiert. Der Große schaut zu und bekommt ebenfalls Lust. Die Begeisterung fällt in der Familie auf fruchtbaren Boden. Der Vater stammt aus Teterow, kennt den Bergring und nimmt seine Söhne mit zu den Rennen. Zunächst stehen die Jungen am Rand, später packt die Familie selbst für die Rennwochenenden. Mit Auto und Wohnwagen geht es durch Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

„Die ganze Familie muss mitziehen, sonst funktioniert das nicht“, sagt Schmidt. Motorsport kostet Geld, Zeit und manchen freien Sonntag. Ohne die Eltern wäre vieles nicht möglich gewesen. Mit 18 fährt Simon erstmals selbst auf dem Bergring. Beim Abgehen der Strecke erzählt ihm der Vater, wo er früher mit Seifenkisten heruntergesaust ist. Was das für ein Gefühl war? Schmidt braucht dafür nur ein Wort: „Gänsehaut.“ Ein Jahr später steht er dort erstmals auf dem Podium. Wilhelmsburg ist seine Heimstrecke, aber an Teterow hängt sein Herz.

Arbeit im OP und neue Prioritäten

Im Klinikum Pasewalk arbeitet Schmidt als OP-Pfleger. Seit 2015 ist er ausgebildeter Gesundheits- und Krankenpfleger, gelernt hat er in Wolgast. „Ich mag meinen Beruf wirklich sehr gerne“, sagt er. Das Team, die unterschiedlichen Aufgaben, die Anforderungen an den Kopf: Für ihn sind das gute Gründe, in Pasewalk zu bleiben. Er möchte gefordert werden und wird im OP gebraucht.

Zu den intensivsten Zeiten trainierte Schmidt sechs Tage in der Woche – nicht immer auf dem Motorrad. Krafttraining und Radfahren gehörten dazu, Ausdauer und Beweglichkeit. Schmidt wurde mehrfach Landesmeister in Sachsen-Anhalt, wo sein damaliges Team zu Hause war. Den Silbernen Helm des ADAC gewann er nach eigenen Angaben 2026 erneut. Dabei fährt er längst keine komplette Rennsaison mehr.

Während der Corona-Zeit kaufte Schmidt ein Haus und begann anders zu rechnen: Wie viel Geld soll weiter in den Sport fließen? Wie viel Zeit? Heute sucht er sich einzelne Rennen aus und bereitet sich gezielt vor, auch mit Mentaltraining. Schmidt ist Vater und möchte seine Zeit lieber mit seinem Sohn verbringen. „Zeit mit dem Kind ist mehr wert“, sagt er.

Bei einem 24-Stunden-Simson-Cross trat er mit einem Team auf einer umgebauten Maschine an. Freundin und Sohn waren dabei. Auch mit seinem Vater verbindet ihn der Sport weiterhin – die beiden schrauben gemeinsam. Inzwischen hat Simon zudem eine neue Leidenschaft entdeckt: ältere Crossmotorräder wieder aufbauen, Maschinen, die selbst schon rund 30 Jahre hinter sich haben.

Bewusster Start nach dem Unfall

Nach dem schweren Unfall 2022 wurde in der Familie über die Verletzungen, das Geschehene und darüber gesprochen, wie es weitergehen kann. Als er 2023 wieder in Teterow antritt, will er zunächst ausprobieren, ob er sich auf der Strecke noch wohlfühlt. Dass daraus gleich wieder ein Sieg wird, ist vorher nicht abzusehen.

Für Schmidt gehört zum Sport, mit Niederlagen umzugehen und nach Rückschlägen weiterzumachen. Nicht jeder werde Weltmeister, sagt er. Aber besser werden, an sich arbeiten – das könne jeder. Wie lange er noch Rennen fahren möchte? Solange er konkurrenzfähig ist. Die jüngeren Fahrer rücken nach, das weiß er. Noch aber fährt er mit und noch reicht es für Siege.

Vielleicht steht irgendwann sein Sohn am Start und Simon kümmert sich um dessen Motorrad. Vorstellbar ist das, beschlossen ist es nicht. Ein kleines Motorrad zum Geburtstag? Könnte passieren, sagt er. Wenn der Junge es möchte. Und wenn nicht? Dann sagt der Rennfahrer einen Satz, in dem der Vater das letzte Wort hat: „Dann machen wir was anderes.“