Ein 75-jähriger Urlauber aus Nordrhein-Westfalen will nicht mehr nach Mecklenburg-Vorpommern reisen. Udo Müller (Name von der Redaktion geändert) begründet das mit dem Wahlergebnis und seiner Haltung gegen Rassismus.
Jahrzehntelange Urlaubstradition beendet
26 Jahre lang verbrachte das Ehepaar aus den alten Bundesländern seinen Urlaub an der Ostsee – von der polnischen Grenze auf Usedom bis nach Kiel. „Wir waren oft in Zingst, in Kühlungsborn, in Rostock. Wir machten Stopps in Waren an der Müritz, in Potsdam, Dresden, Magdeburg oder Erfurt“, sagt Müller. Für die Anreise aus NRW legte er mehr als 650 Kilometer zurück. Einmal im Jahr fuhr das Paar drei Wochen mit dem Wohnmobil an die Küste. Damit ist jetzt Schluss.
Enttäuschung über politische Entwicklung
Bereits im vergangenen Jahr habe das Paar die neue politische Richtung in MV gespürt. Als dann ein Großteil der Menschen der AfD ihre Stimme gegeben hatte, zogen die beiden den Schluss: „Wir fahren nicht mehr nach MV.“ Müller betont, dass sich die Region baulich und kulturell positiv verändert habe: „Die Küste ist einfach wunderbar, besonders die Badestädte. Seit 2000 hat sich viel getan.“ Er versteht die Unzufriedenheit vieler Menschen in MV nicht und sagt: „Ich bin auch nicht immer zufrieden, besonders damit, wie unsere Regierung arbeitet. Aber deshalb die AfD wählen?“
Multikulturelle Familie als Beweggrund
Müller kann einen Urlaub in MV nicht mehr mit seiner Einstellung vereinbaren. „Rassismus geht für mich gar nicht. In den 1960er Jahren bin ich auf die Straße gegangen, um gegen NPD, später die AfD und auch gegen die CDU zu demonstrieren.“ Seine Familie ist multikulturell: „Meine Söhne haben in ausländische Familien eingeheiratet. Beim Sohn meines Jüngeren erkennt man die Abstammung an der Hautfarbe.“ Die junge Familie fahre nicht nach MV, obwohl früher viele gemeinsame Urlaube dort stattfanden. In einer westdeutschen Großstadt habe die Familie bereits schlechte Erfahrungen gemacht. Müller kritisiert auch ungesteuerte Entwicklungen in bestimmten Vierteln: „Bei uns gibt es Viertel, in die sich auch viele Deutsche nicht hineintrauen, weil Rumänen, Bulgaren und Türken dort rund 90 Prozent der Bevölkerung stellen.“
Neue Reiseziele gesucht
Statt an die Ostsee geht es für Müller künftig nach Frankreich, Spanien, Holland und in andere deutsche Regionen. Campen sei sein Leben: „Damit habe ich schon als Pfadfinder angefangen und bin dabeigeblieben.“ In den ersten zehn Jahren nach dem Hausbau 1982 drehte die Familie jeden Euro um, weil der Zinssatz bei zwölfeinhalb Prozent lag. Deshalb war nur einmal im Jahr ein Campingurlaub drin. Diese Tradition führt er nun woanders fort.