An der Universität Greifswald ist das Pommersche Wörterbuch vollendet worden – rund 100 Jahre, nachdem die Arbeit daran begonnen wurde. Das Werk umfasst gut 65.000 Wörter und dokumentiert den dialektischen Wortschatz der ehemaligen preußischen Provinz Pommern.
Ein Jahrhundert Projektgeschichte
Das Projekt hat nach Angaben der Universität eine wechselhafte Geschichte. Wolfgang Stammler begann bereits 1925 die Wörterbuchstelle an der Universität Greifswald. 1945 fielen jedoch fast alle gesammelten Daten dem Krieg zum Opfer. 1947 nahm Hans-Friedrich Rosenfeld die Arbeit wieder auf – nun koordiniert von der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin.
Ende der 1960er Jahre umfasste das Archiv rund 1,2 Millionen Belegzettel. Diese Zettel dokumentieren auf Grundlage der Angaben von Sprechern und Sprecherinnen des pommerschen Plattdeutsch Bedeutung, geografische Verbreitung eines Wortes sowie die sprachlichen Kontexte, in denen es bezeugt ist. Sie dienen als Gerüst für das eigentliche Wörterbuch.
Unterbrechung und Neustart
Das Vorhaben wurde 1969 aus politischen Gründen noch vor einer Publikation eingestellt. Pommern als Begriff sei zu DDR-Zeiten tabuisiert worden, erklärte Matthias Vollmer, Leiter der Arbeitsstelle Pommersches Wörterbuch. Das Archiv mit seinen 526 Zettelkästen blieb jedoch in Greifswald erhalten.
Erst nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Projekt neu gestartet. Auf Initiative von Renate Herrmann-Winter, die das Wörterbuch bis zur Einstellung geleitet hatte, richtete die Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig die Arbeitsstelle 1992 wieder ein. 1999 übernahm das Land Mecklenburg-Vorpommern die alleinige Finanzierung, und die Zuständigkeit kehrte an die Universität Greifswald zurück.
Abschluss und Bedeutung
Nachdem der erste Teil mit den Buchstaben A bis K bereits gebunden vorliegt, wurden die 13 Lieferungen für die übrigen Buchstaben Stück für Stück publiziert – bislang nicht als ein Band. Das fertige Wörterbuch schließt einen der letzten weißen Flecken auf der Landkarte der Dialektwörterbücher im deutschen Sprachraum.
Vollmer sagt, das Wörterbuch eröffne einen Zugang zur regionalen Kulturgeschichte und zu den Lebenswelten der Menschen, die diese Mundarten gesprochen hätten – und auch heute noch sprächen. „Die Einträge lassen Rückschlüsse darauf zu, wie sie gearbeitet, ihre Umwelt wahrgenommen und ihren Alltag beschrieben haben.“ Es leiste einen wichtigen Beitrag dazu, das kulturelle Gedächtnis Pommerns zu bewahren und für die Forschung zugänglich zu machen.