Schülerprojekt: Museumshafen Greifswald digital entdecken
Schülerprojekt: Museumshafen Greifswald digital entdecken

Sieben Schülerinnen und Schüler des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Greifswald vermessen an einem sonnigen Morgen die Ruderboote beim Ruderclub Hilda. „16,80 Meter!“, ruft Sofie mit einem Zollstock in der Hand. Die erste Aufgabe ist erledigt: Sie sollten herausfinden, wie lang das größte Boot, der Ruderachter, ist.

Die Siebtklässler nehmen am Projekt „Greifswald – Hansestadt am Meer“ teil. Ziel ist es, das maritime Leben und Handwerk rund um den Museumshafen für die Öffentlichkeit zu präsentieren. Viele Greifswalder kennen den Hafen, aber nur wenige wissen um seine historische Bedeutung und die Vereine und Unternehmen, die dazu gehören.

Eine digitale Schnitzeljagd für den Museumshafen

Die zwölfjährige Hanna will das in Form eines sogenannten Actionbounds machen, einer Art digitaler Schnitzeljagd. „Da haben wir uns verschiedene Stationen ausgedacht, wo es viel zu entdecken gibt, damit die Leute, die das später machen – Teenager, Erwachsene und Kinder – dass die den Museumshafen ein bisschen erkunden. Und durch Quizfragen können sie ein bisschen was über den Museumshafen lernen.“

Dafür müssen die Jugendlichen den Hafen erst einmal selbst erkunden. Der Ruderclub Hilda gibt es seit 1892. Er ist für Hanna und Sofie die erste von vier Stationen. Hier können sie sich auch selbst in ein Ruderboot setzen und die Trainingsgeräte ausprobieren. „Das ist ganz schön anstrengend für die Beine“, stöhnt Hanna. „Gut erkannt“, meint Kindertrainerin Ute Kölbel. „Beim Rudern wird zu 80 Prozent das Bein, die Beinmuskulatur benutzt, das Treten. Da kommt eigentlich die Geschwindigkeit im Boot beim Ruderer her.“

Knotenkunde auf der „Vorpommern“

Für die zweite Station geht es über die Brücke auf das andere Ryckufer. Dort liegt die „Vorpommern“, ein Schoner, der 1950 als Fischkutter gebaut und später umgebaut wurde. Ralf Michaelis kümmert sich mit seinem Verein um das Schiff. Heute erklärt er den Schülerinnen und Schülern die vier Segel: „Einmal vorne der Klüver, die Fock, der Schoner in der Mitte und hinten das Großsegel.“

Nach einer Tour durch das Schiffsinnere und einen Blick in die Kajüte geht es weiter mit Knotenkunde. „Ich zeige euch einmal den Kreuzknoten. Und das hier ist der sogenannte Webleinstek in der Seefahrt. Bei der Feuerwehr sagen wir Mastwurf dazu.“

Mit der „Ellen“ den Ryck entlang

Auf der „Ellen“ dürfen auch die Schülerinnen und Schüler wie Hanna ans Steuer. Zur nächsten Station sind es nur ein paar Meter, denn gegenüber vom Fangenturm liegt die „Ellen“. „Unsere ‚Ellen‘ ist gut 90 Jahre alt. Wir betreiben sie seit anderthalb Jahren als Verein. Und wir haben uns das Kinder- und Jugendsegeln auf die Fahnen geschrieben“, erzählt Skipper Perry Schongalla zu Beginn. Dann geht es los – eine kurze Tour über den Ryck. Jeder darf einmal ans Steuer. „Man sieht kaum, wo man lang fährt. Deshalb ist es ein bisschen schwierig“, sagt Sofie. „Da muss man auch ein Gefühl für entwickeln“, bleibt Skipper Perry entspannt. „Das dauert eine Zeit. Das Schiff wiegt 30 Tonnen. Und bis die sich so langsam in Bewegung setzen, das dauert. Ist halt nicht so agil wie ein Auto.“

Wer nicht am Steuer ist, macht sich auf die Suche nach dem Wappen, das groß auf dem Segel prangt: Eine Elchschaufel. Wie viele davon gibt es auf dem Schiff? Und was bedeutet das Wappen? Antwort: Es sind insgesamt fünf und das Geweih ist das Wappen Ostpreußens. Dort wurde die „Ellen“ einst gebaut. „Und da wir ja auch ganz viel Traditionspflege mit diesen Schiffen betreiben, haben wir gesagt, dieses Wappen bleibt auf jeden Fall erhalten“, erklärt Perry Schongalla. Nach einer halben Stunde legt das Schiff an der Museumswerft an, der letzten Station.

Anpacken in der Museumswerft

Das Nageln gehört zu den Dingen, die den Jugendlichen am besten gefallen haben. Hier empfängt Jan Hierkamp die Schüler. Auch die Werft gibt es seit mehr als 100 Jahren. Die Vereine restaurieren hier ihre Traditionsschiffe, aber auch private Segler dürfen auf das Know-how der Bootsbauer zugreifen. „Die allermeisten Sachen an alten Booten oder Schiffen kann man nicht kaufen, die muss man selber machen. Einen Mast oder einen Rumpf oder ein Segel. Manchmal muss man sich auch vorher überlegen, wie die werden sollen und die erst konstruieren und dann bauen lassen.“ Die Jugendlichen müssen heute nichts bauen, aber sie bekommen Hämmer und Nägel und dürfen die ins Holz schlagen.

Für Hanna war das eine ganze Menge an Informationen, aber für die digitale Schnitzeljagd war das wichtig: „Wir konnten Bilder machen und wir haben uns auch einige Infotafeln angeguckt, damit man halt auch weiß, ob die Leute unsere Fragen und Aufgaben auch mit den Informationen lösen können, die es hier im Museumshafen gibt.“ Und Sofie ergänzt: „Viele wissen gar nicht wie wichtig der Hafen als Stadthafen früher war. Besonders cool fand ich die alten Schiffe. Und es war auch hilfreich, dass man das alles mal aus eigener Sicht sieht und nicht nur durch die Informationen aus dem Internet.“

Die Schüler können statt der Schnitzeljagd auch Plakate und Flyer produzieren. Die Vereine und Unternehmen sind schon gespannt, was alles entsteht, um den Museumshafen mehr ins Bewusstsein der Greifswalder zu bringen.