Am Anklamer Bahnhof ist am Sonnabend eine neue Stolperschwelle verlegt worden. Sie erinnert an 13 jüdische Bürger, die im Februar 1940 die Stadt verlassen mussten und nie zurückkehrten. Die Männer, Frauen und Kinder gehörten zu den über tausend jüdischen Menschen aus Pommern, die bei eisiger Kälte in Viehwagons in die Region Lublin deportiert wurden.
Feierstunde am Bahnhof
Bei der Feierstunde verlegte Michael Rohrmann die Stolperschwelle in Vertretung des Künstlers Gunther Demning. Die stellvertretende Bürgermeisterin Beatrix Wittmann-Stifft erklärte, die Schwelle sei ein Zeichen, dass die deportierten Anklamer Juden immer noch zur Stadt gehörten.
Eva Dinse vom Historischen Verein Anklam und Umgebung informierte über die Vorgänge im Februar 1940. Der Verein hatte das Projekt gemeinsam mit der Stadt Anklam auf den Weg gebracht, finanziert über das Förderprogramm „Demokratie leben“.
Projektgruppe der Europaschule beteiligt
Praktische Unterstützung kam von der Projektgruppe „Kriegsgräber“ der Europaschule Rövershagen unter der Leitung von Petra Klawitter. Die Gruppe klärte bei der Feierstunde über die Schicksale der einzelnen Menschen auf und erarbeitete die Ausstellung „Ich hoffe, dass dieser Gruß Sie erreicht...“, die ebenfalls am Sonnabend im ehemaligen Wehrmachtsgefängnis eröffnet wurde. Kernstück sind Postkarten, die die Projektgruppe an die Anklamer Adressen der Deportierten schickte – die aber nicht ankamen.
Infotafel und weitere Erinnerungsorte
In der Nähe der Stolperschwelle informiert nun eine Infotafel über die Ereignisse am 12. und 13. Februar 1940. Darauf wird auch darauf hingewiesen, dass die Deportation der pommerschen Juden der Auftakt zur systematischen Verschleppung und Ermordung der deutschen Juden war.
Bereits 14 Stolpersteine erinnern im Stadtgebiet an die Schicksale der Anklamer Juden. Erst vor einem Jahr wurden in der Baustraße vier Stolpersteine für die Familie Grüneberg enthüllt. Bei dieser Gelegenheit wurde Petra Klawitter mit der Ehrennadel der Stadt Anklam ausgezeichnet.