Ein Urlauber, der jahrelang Usedom besuchte, zieht Konsequenzen aus dem AfD-Wahlergebnis: Thomas Groß (Name geändert) will nicht mehr nach Mecklenburg-Vorpommern reisen. „Wir möchten uns selbst kein Sprechverbot auflegen“, sagt er. Künftig macht er Urlaub auf Sylt.
62 Prozent der Usedomer Wähler wählten AfD
Bei der Landtagswahl am 20. September kreuzten 62 Prozent der Wähler auf Usedom die AfD an. Damit stieg der Anteil um 30 Prozentpunkte im Vergleich zu vor fünf Jahren. Groß: „Das bedeutet, dass über 50 Prozent der dortigen Wähler hinter der Ideologie einer rechtsextremen Partei stehen oder es ihnen zumindest egal ist.“
Schon vor zwei Jahren bekam er „ein bisschen Bauchschmerzen wegen der großen AfD-Population“. Auch ein Jahr später verbrachte er auf Usedom einen „herrlichen Urlaub“, den er gern wiederholt hätte. Doch mit dem Wahlergebnis findet er sich nicht ab.
„Seit die AfD erstarkt ist, verlieren viele Deutsche ihre Hemmungen“
Thomas Groß arbeitet in einem internationalen Unternehmen mit vielen Nationalitäten. „Auch mein Freundeskreis ist sehr international. Seit die AfD erstarkt ist, verlieren viele Deutsche ihre Hemmungen. Einige Leute drangsalierten Freunde von mir wegen ihrer Herkunft, das kann und will ich nicht tolerieren“, erklärt er.
Er selbst hat keine schlechten Erfahrungen auf Usedom gemacht: „Wir sehen aus wie Deutsche. Niemand diskriminiert uns, außer jemand hat eine Abneigung gegen Westdeutsche.“ Für ihn ist es unverständlich, warum Menschen in einer Gegend Fremde hassen, in der es kaum Fremde gibt.
„Die AfD verkauft vermeintlich einfache Lösungen“
Auch wenn er das Wählervotum nicht nachvollziehen kann, sagt er: „Das sind persönliche Entscheidungen. Ich respektiere, was die Menschen in MV wählen und für notwendig halten. Die AfD verkauft vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme.“
Deswegen macht er nun Urlaub auf Sylt. „Wir haben hier ein tolles Hotel, einen wunderbaren langen Strand und fühlen uns sehr wohl. Und einen Direktflug gab es auch“, erzählt er. „Ich treffe eine rein persönliche Entscheidung und meide Gebiete mit einem starken AFD-Anteil. Die Menschen dort dürfen wählen, wie sie wollen. Sie müssen dann allerdings mit den Folgen klarkommen.“
Seinen richtigen Namen mochte Thomas Groß nicht in der Zeitung sehen, denn schon unter Posts zu diesem Thema auf Facebook wurde er massiv beschimpft. „Urlaub mit einem unguten Gefühl im Bauch und einem selbst auferlegten Sprechverbot ist nicht erstrebenswert“, sagt er.