Villa Heyden-Linden in Demmin: Versteigerung am 6. November
Villa Heyden-Linden: Versteigerung am 6. November

Die Villa Heyden-Linden in Demmin wird am 6. November um 9.30 Uhr im Amtsgericht Neubrandenburg versteigert. Das Startgebot liegt bei 19.300 Euro. Eigentümer Christian Hill beendet damit seine Aktivitäten zur Rettung des einst prächtigen Stadthauses.

Einstiges Schmuckstück verfällt seit Jahren

Der in Hessen geborene Hamburger hatte die Immobilie 2018 gekauft. Trotz aller Schäden hatte er sich vorgenommen, das Gebäude zu retten, bestätigt Demmins Bürgermeister Thomas Witkowski (CDU). „Herr Hill hat schon lange nichts an dem Gebäude gemacht“, kritisiert Witkowski. „Er hat das Blaue vom Himmel erzählt. Aber gehalten davon hat er nichts.“

Das Grundstück ist weitgehend zugewachsen, vor allem wuchern Brombeeren im Hofeingangsbereich meterhoch. Dahinter sieht man den Stall, dessen Dach eingestürzt ist. Dieses grenzt an einen frisch sanierten Altbau. Wie eine dortige Mieterin schildert, krachte das Dach im vergangenen Herbst ein. Den Villenbesitzer habe sie seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen.

Dach mit Planen gesichert

Bei der Villa Heyden-Linden wird seit mehr als drei Jahren die linke Giebelwand abgestützt. Noch länger dauern die Dacharbeiten auf der anderen Hausseite an. Dort wurden vor einigen Jahren Dachziegel entfernt, aber die Bereiche nicht neu gedeckt, sondern mit Plastikplanen abgedeckt. Zugleich ist die Villa seit Jahren entkernt und die Zwischendecke so gut wie nicht mehr vorhanden.

Auslöser für seinen Rückzug soll das Verhalten der Denkmalschutzbehörde sein, sagt der Eigentümer. „Diese hat Forderungen gestellt, die die hohen Kosten immer weiter in die Höhe getrieben haben“, kritisiert Christian Hill. „Am Ende war das nicht mehr bezahlbar. Da habe ich dann aufgegeben.“

Streit um die Statik mit dem Landkreis

Konkret gehe es um das Zwerchhaus, so der Fachbegriff, während der Volksmund von Gaube spricht. Diese sollte abgenommen werden, habe die Denkmalbehörde gefordert. Er hingegen habe sie erhalten wollen. „Das Maß voll machte dann der Streit um die Statik“, schildert Christian Hill. „Ich hatte durch einen Statiker die Villa überprüft. Nun wollte die Denkmalschutzbehörde einen weiteren Statiker beauftragen, den ich bezahlen sollte.“

Laut Landkreis Mecklenburgische Seenplatte hatte Hill Ende 2021 eine Baugenehmigung für die Bestandssicherung der Villa Heyden-Linden erhalten. Wie ein Sprecher des Landkreises berichtet, waren einige Nebenbestimmungen Bestandteil der Genehmigung, die „dem Erhalt der Denkmalsubstanz adäquat Rechnung tragen sollten“. „Von der Baugenehmigung hat Herr Hill jedoch keinen Gebrauch gemacht“, heißt es vom Landkreis. „Hinsichtlich weiterer angekündigter Baumaßnahmen beziehungsweise einer möglichen Nutzung des Gebäudes wurden keine konkreten Unterlagen eingereicht.“

Laut dem Sprecher wurden bis auf die Sicherung des Daches im Dezember 2024 keinerlei Maßnahmen zur Rettung der denkmalgeschützten Villa durchgeführt. „Infolgedessen hat sich der Zustand des Gebäudes zwischenzeitlich deutlich verschlechtert. Es befindet sich nach vielen Jahren der Vernachlässigung in einem desolaten Zustand.“

Weiteren Hill-Häusern droht der Verfall

Neben der Villa besitzt Hill unter anderem in Demmin das Kaiserliche Postamt und die leer stehende ehemalige Fleischerei am Marktplatz. Auch dort wird laut Bürgermeister nichts getan, um die Gebäude zu retten. Nicht anders sieht es in Medrow aus, wo Hill das Gutshaus gehört. Der dortige Bürgermeister Carsten Tietböhl (WG ländlicher Raum) vertritt die gleiche Meinung wie sein Demminer Amtskollege. Eine Rettung aller vier Gebäude würde nicht nur eine straffe Organisation erfordern, sondern auch mehrere Millionen Euro kosten.

Hill sagte, er sehe ein, dass er von Hamburg aus die Villenrettung nicht vollziehen kann, sondern derjenige müsse ständig vor Ort sein. Mit der Villa verbinde er viele Emotionen. Deshalb tue es ihm sehr leid, sich von dem Projekt zu verabschieden. „Bei der Versteigerung geht es mir nicht ums Geld“, so Christian Hill, „sondern darum, dass jemand die Villa Heyden-Linden ersteigert und wieder denkmalgerecht saniert.“

Demmins Bürgermeister schätzt, dass es so jemanden aber nicht geben wird. Vielmehr sieht er die große Gefahr, dass das einstige Schmuckstück der Hansestadt einstürzt oder abgerissen wird. Dennoch hat er die Hoffnung nicht aufgegeben. „Wir können leider keine Fördermittel bereitstellen. Aber wir werden den Käufer in jeder weiteren Hinsicht voll unterstützen und werden alle unsere Kontakte nutzen, damit die Villa Heyden-Linden gerettet werden kann.“