Extremsportler Ronny Rößler hat eine außergewöhnliche Sommertour absolviert: In drei Wochen radelte der gebürtige Woldegker 2836 Kilometer von Prag bis nach Heraklion auf Kreta. Dabei führte er zwölf Kilogramm Gepäck mit – für den 45-Jährigen ungewöhnlich viel, denn sonst reist er fast ohne Ausrüstung.
Herausforderung im griechischen Gebirge
Die Strecke verlangte dem trainierten Radfahrer alles ab, insbesondere im Pindos-Gebirgssystem in Griechenland. Die Steigungen waren so extrem, dass Rößler sein Rad schieben und regelmäßig Pausen einlegen musste. „An einem Tag habe ich nur 36,5 Kilometer in neun Stunden und zwanzig Minuten geschafft“, berichtet er. Normalerweise fährt er durchschnittlich 142 Kilometer pro Tag in weniger als neun Stunden.
Die sengende Sonne über Griechenland setzte ihm zu, und er war auf natürliche Wasserquellen angewiesen. Von früheren Touren wusste er, dass es im griechischen Gebirge zahlreiche Quellen und Flüsse gibt.
Umfangreiche Ausrüstung und tierische Begleiter
Für diese Tour wählte Rößler ein Gravelbike – ein Rennrad mit breiten Reifen – statt seines üblichen Rennrads. Mit dabei waren Zelt, Luftmatratze, Isomatte, zwei Powerbanks, kleines Kochgeschirr, zwei Handystative und ein großes Outdoormesser.
Statt Kälte und Nässe musste er diesmal der Hitze trotzen. „Die Sonne brannte erbarmungslos“, so Rößler. An jedem Gewässer legte er sich für mindestens zehn Minuten hinein: „Anders hätte ich es an manchen Tagen wohl nicht geschafft.“ Ein Unwetter im griechischen Gebirge überraschte ihn ohne Schutz – er wurde komplett nass, fand aber später eine Bushaltestelle zum Trocknen.
Freude an einfachen Dingen
Alle fünf Tage gönnte sich der Extremsportler ein Hotelzimmer. „Auf solchen Touren merke ich, mit wie wenig man auskommt und wie sehr man sich dann über Kleinigkeiten freuen kann“, sagt er. Seine Route führte durch die Slowakei, Ungarn, Serbien, den Kosovo, Nordmazedonien und Griechenland bis nach Heraklion.
Geschlafen hat Rößler meist unter freiem Himmel oder im Zelt. In Serbien übernachtete er in einem mittelalterlichen Wehrturm, in Athanasios Diakos in den Vardousia-Bergen vor einer Statue. Streunende Katzen und Hunde begleiteten ihn oft – er hat immer Futter für sie dabei. „Als würden sie auf mich aufpassen“, freute er sich. In Pristina tanzte er sogar zu Technomusik und absolvierte am nächsten Tag eine 198 Kilometer lange Strecke.
Für ihn ist es „dieses besondere Gefühl von Freiheit und Abenteuer“, das ihn immer wieder zu solchen Touren treibt. Die Schönheit und Ursprünglichkeit eines Landes finde man abseits der Städte, so Rößler.