Die geplante Zuckersteuer könnte die letzte verbliebene Zuckerfabrik in Mecklenburg-Vorpommern in Anklam bedrohen. Das Unternehmen Cosun Beet Company, das den Standort in der Peenestadt betreibt, warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen. Bereits eine Einsparung von 15 Prozent beim Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken würde etwa 85.000 Tonnen pro Jahr ausmachen, rechnet Geschäftsführer Michael Engel vor.
Rekordstart der Rübenkampagne
In Anklam riecht es wieder nach Zuckerrübe. Die diesjährige Kampagne startete so früh wie noch nie – bereits nach einer Woche lief sie auf Hochtouren. Rund 800 Lkw rollen pro Tag im etwa Vier-Minuten-Takt auf das Fabrikgelände. Bis Anfang Januar sollen weit über eine Million Rüben verarbeitet werden.
Für rund 300 Landwirte, die zu den Rübenanbauern des Werks zählen, bleibt die Fabrik ein wichtiger Partner, trotz zuletzt harter Verhandlungen mit dem Anbauverband. Der Standort ist die letzte Zuckerfabrik in Mecklenburg-Vorpommern und steht unter der Führung der niederländischen Cosun Beet Company.
Investitionen in die Zukunft
Neben der Zuckerherstellung hat sich das Werk mit dem Bioethanolzweig bereits vor rund 20 Jahren ein zweites Standbein geschaffen. Dieser Umstand habe der Fabrik auch in schwierigen Zeiten das Überleben gesichert, heißt es rückblickend. Aktuell investiert das Unternehmen 100 Millionen Euro in Anklam, um eine der effizientesten und modernsten Fabriken Europas zu werden.
Die Zeiten in der Zuckerindustrie sind jedoch nicht rosig. Fortwährend niedrige Weltmarktpreise und steigende Energie- und Kraftstoffkosten machen es immer schwerer, gewinnbringend für Bauern und Fabrik zu arbeiten. Die Debatte um eine Zuckersteuer, die die Bevölkerung laut Politik gesünder machen soll, verfolgt man in Anklam mit Sorge.
Zahlen belegen die Bedeutung der Süßgetränke
Engel rechnet dabei Wein, Sekt, Bier und Spirituosen mit ein. „Das ist in etwa die Kapazität einer kleineren Fabrik“, bringt er es auf den Punkt. Diese Rechnung deckt sich mit Daten der Vereinigung der Zuchtverbände in Deutschland. Demnach wurden 2024/25 insgesamt 2.858.436 Tonnen Zucker im Inland abgesetzt. Davon gingen etwa 354.246 Tonnen als Weißzucker an die Haushalte.
Bei der industriellen Verarbeitung lagen die Süßgetränke mit 512.801 Tonnen deutlich vorn, gefolgt von Süßwaren mit 495.114 Tonnen und Backwaren mit 393.335 Tonnen.
Minister setzt auf Ernährungsstrategie
Landwirtschaftsminister Till Backhaus nimmt die Sorgen des Anklamer Fabrikchefs ernst. Er sprach sich nicht für eine Zuckersteuer aus, sondern setzt auf einen breiteren Ansatz: „Wir wollen eine Ernährungsstrategie und nicht nur auf eine bloße Zuckerreduzierung“, macht Backhaus klar.
Die Entwicklungen aus England hätten gezeigt, dass eine bloße Zuckersteuer nicht das Allheilmittel sei. Backhaus verweist auf den Bewegungsmangel in breiten Teilen der Bevölkerung, der Fettleibigkeit und damit verbundene Krankheiten fördere. Ein Ernährungsprogramm verbunden mit Bewegung vom Kindesalter an sieht er als zielführender an.