Ex-CDU-Politiker Diener: Kritik an Partei und Blick zur AfD
Diener: Kritik an CDU und Blick zur AfD

Thomas Diener, bis Ende Juni CDU-Landtagsabgeordneter und Agrarsprecher, ist zur AfD-Fraktion gewechselt. Im Interview spricht er über die historische Niederlage seiner früheren Partei, seine Beweggründe und mögliche weitere Schritte.

Diener: „Sabotage an der eigenen Partei“

Diener, der seit Oktober 2021 für die CDU im Schweriner Landtag saß, verließ die Partei Ende Juni und schloss sich den Abgeordneten der AfD an. Bei der Landtagswahl am 20. September kam die CDU auf 4,9 Prozent und verfehlte den Einzug in den Landtag. Erstmals seit 1949 scheiterte die CDU bei einer Landtagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde. Diener, der nicht mehr antrat, zeigt sich betroffen: „Leidgetan hat es mir. 40 Jahre war ich für diese Partei unterwegs, und gebraucht wird die CDU ja nach wie vor.“

Auf die Frage, ob er mit seiner Kritik an der Parteistrategie recht behalten habe, antwortet er: „Leider hatte ich recht. Absehbar war das seit Jahren, und dass trotzdem niemand gegensteuert, habe ich als Sabotage an der eigenen Partei empfunden.“ Er habe nicht schaden, sondern wachrütteln wollen, so Diener.

Kritik an Wahlkampf und Programmatik

Dieners frühere Partei habe im Wahlkampf zu stark auf Symbolik gesetzt, etwa mit der Fischbrötchen-Kampagne und dem Slogan „Die Mitte ist das Beste“. Das Wahlprogramm sei dünn gewesen, der ländliche Raum und die Landwirtschaft hätten keine Rolle gespielt. Die Kampagne sei „in einigen Bereichen als Sonderschulniveau diskutiert“ worden, so Diener.

In Möllenhagen, wo Diener zehn Jahre Bürgermeister war, holte die CDU diesmal nur 2,8 Prozent der Erststimmen, nach 30,5 Prozent im Jahr 2021. Bei den Zweitstimmen fiel die CDU von 20,0 auf 1,5 Prozent, während die AfD von 25,1 auf 55,9 Prozent stieg. Diener, selbst Landwirt, vergleicht die Lage mit einem Unternehmen: „Jeder Betrieb weiß doch: Wenn mein Produkt nicht mehr geht und mein Marktsegment wegbricht, steuere ich direkt auf die Insolvenz zu, sofern ich nicht rechtzeitig gegenhalte.“

AfD-Mitgliedschaft und Zukunft

Diener ist weiterhin kein Mitglied der AfD. Auf die Frage, ob er Mitglied werden wolle, sagt er: „Ausschließen kann ich es nicht.“ Er habe die AfD im Wahlkampf beraten, etwa auf der Mela mit AfD-Fraktionschef Enrico Schult und Leif-Erik Holm. Er wolle an der „Brandmauer“ rütteln, sagte Diener.

Den Vorwurf der CDU-Generalsekretärin Katy Hoffmeister, sein Austritt sei Rache an der Partei, weist er zurück: „Das ist ihre Bewertung, ich sehe das anders.“ Er habe seine Ämter niedergelegt und ein Signal senden wollen. Einen Fehler räumt er ein: „Ich habe mich zu spät entschieden.“

Diener bleibt Kreistagspräsident der Mecklenburgischen Seenplatte. Trotz Abwahlforderungen von CDU, SPD und Linken sieht er sich am 5. Oktober noch im Amt. Von der Politik will er sich nicht zurückziehen. Ob er weiterhin Videos im Tierkostüm drehen wird, lässt er offen: „Fest geplant ist es nicht, aber ich denke schon.“