Die Insel Usedom verzeichnet die höchste E-Bike-Diebstahlrate in Mecklenburg-Vorpommern. Ein zweisprachig besetztes Polizeiteam aus Deutschland und Polen soll der hohen Fallrate im Grenzgebiet entgegenwirken. Das Team ist am Grenzübergang auf Usedom stationiert und seit zwei Jahren im Einsatz.
Streife zwischen Ahlbeck und Swinemünde
Polizeioberkommissar Max Will und sein polnischer Kollege Grzegorz Krajewski gehören zu einem sechsköpfigen deutsch-polnischen Einsatzteam. Zwei- bis fünfmal wöchentlich fahren immer zwei von ihnen auf Streife. Auf den Inseln Usedom und Wollin, besonders aber zwischen Ahlbeck und Swinemünde, schauen sie nach dem Rechten. Häufig parken sie ihr Einsatzfahrzeug in einem der Seebäder und laufen zu Fuß die Promenaden entlang.
Bei einer Begegnung mit Radtouristen aus Brandenburg erklärt Will: „Sie sitzen genau drei Meter von einer Ordnungswidrigkeit entfernt.“ Auf der polnischen Seite der Grenz-Steele sei es verboten, Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken. Eine Touristin bedankt sich erleichtert: „Da haben Sie uns jetzt vor 25 Euro Strafe bewahrt, vielen Dank!“
Hohe Falldichte in der Grenzregion
Die friedliche Atmosphäre steht in Kontrast zu den Zahlen der Kriminalstatistik. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald liegt bei den Diebstählen von Fahrrädern landesweit vorn. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 105 Fälle registriert. Zum Vergleich: Im Landkreis Ludwigslust-Parchim waren es nur 15. Allein auf Usedom wurden 81 Fälle verzeichnet. Landesweit entstehen durch Raddiebstähle jährlich 2,5 Millionen Euro Schaden.
Wie viele der gestohlenen Räder über die Grenze gebracht werden, ist nicht bekannt. Die Polizei gibt die Grenznähe jedoch als Faktor für die hohe Falldichte an: Viele Touristen bedeuten viele teure Räder auf engem Raum – und damit viele Tatgelegenheiten.
Kooperation seit 2001
Seit 2001 haben sich zwischen Mecklenburg-Vorpommern und dem polnischen Verwaltungsbezirk Pommern viele Kooperationen und Partnerschaften entwickelt. Auch Fälle von Autoreifen-, Kabel- und Düngemitteldiebstählen landen häufig auf den Schreibtischen der deutschen und polnischen Polizei. Einige konnten aufgeklärt werden, weil die Ermittler beider Länder inzwischen eng zusammenarbeiten.
Seit 2018 vernetzt eine Verbindungsstelle beim Polizeipräsidium Neubrandenburg deutsche und polnische Teams. Leiterin Agneska Lüdicke baut fehlende Strukturen auf. Sie organisiert Workshops, in denen Teams beider Seiten gemeinsam Fachwissen erwerben, etwa Kriminal- oder Sprengstoffermittler. Ihr sind die persönlichen Beziehungen zwischen den Kollegen wichtig: „Internationale Zusammenarbeit funktioniert nicht über E-Mails, sondern darüber, dass man sich kennt und weiß, wen man am besten anrufen kann.“
Das deutsch-polnische Streifenteam ist „ein Kind“ dieser Verbindungsstelle, sagt Lüdicke. Es ist die in Mecklenburg-Vorpommern noch einzige Einrichtung dieser Art. Bei einer Streife an einem Herbsttag profitiert ein Schwabe von der zweisprachigen Vermittlungsarbeit: Sein E-Bike wurde von der polnischen Polizei gefunden. Max Will und Grzegorz Krajewski helfen ihm beim Ausfüllen der Papiere. Der Mann ist begeistert und sicher: Nächstes Jahr kommt er wieder nach Usedom.