Am Tag der Deutschen Einheit versammelten sich Anwohner und Motorradfahrer an einer Gedenkstätte in Pragsdorf, um an ein Verbrechen zu erinnern, das die Region und das ganze Land erschüttert hat. Es ist das Gedenken an den sechsjährigen Joel, der am 14. September 2023 auf grausame Weise sein Leben verlor.
Mahnmal als Ziel des Organisators
Initiiert und organisiert wird dieses jährliche Treffen am 3. Oktober von dem Neubrandenburger Klaus Gryzbeck. Sein erklärtes Ziel ist es, ein Mahnmal zu setzen, damit die Tat nicht in Vergessenheit gerät und das Schicksal des Jungen im öffentlichen Bewusstsein bleibt. An der Stelle des Verbrechens erinnert heute nur noch ein Gedenkstein an das Kind.
Die Familie des Jungen hat Pragsdorf inzwischen verlassen und ist weggezogen. Teilnehmer der Gedenkveranstaltungen verwiesen darauf, dass trotz der bundesweiten Bestürzung spürbare politische Konsequenzen bislang ausgeblieben seien, während die Schwere von Gewaltdelikten unter Kindern und Jugendlichen in der Wahrnehmung vieler stetig zunehme.
Die Tat und ihre Folgen
Die Ereignisse jenes Spätsommertages sind gerichtlich mittlerweile aufgearbeitet. Der kleine Joel wurde an jenem Nachmittag schwerst verletzt unweit eines Bolzplatzes in einem Gebüsch an einem See gefunden. Ein damals 14-jähriger Bekannter und Nachbarsjunge der Familie hatte das Kind zunächst geschlagen, dann niedergerungen und schließlich mit sieben Stichen aus einem 15 Zentimeter langen Messer getötet.
Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Pragsdorf, die an der Suche beteiligt waren, fanden den Jungen in einem Gebüsch am See. Trotz sofortiger Wiederbelebungsversuche verstarb der Sechsjährige noch am Tatort. Der Täter warf die Tatwaffe in das Unterholz, fuhr im Anschluss zum Einkaufen und beteiligte sich später am Abend sogar an der Suche nach dem vermissten Kind.
Urteil und Haft
Rund zwei Wochen nach dem Verbrechen klickten die Handschellen. Ermittler hatten den Jugendlichen überführt, nachdem er sich bei Befragungen in Widersprüche verstrickt hatte und DNA-Spuren sowohl von ihm als auch vom Opfer an der Klinge sowie am Griff des gesicherten Messers festgestellt worden waren.
Das Landgericht Neubrandenburg verurteilte den inzwischen 17-jährigen Täter am 2. Mai 2024 zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren und neun Monaten wegen Mordes. Zunächst lautete die Anklage auf Totschlag, doch ein überraschendes, umfassendes Geständnis des Täters kurz vor dem Ende des unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Prozesses führte schließlich zur Verurteilung wegen Mordes.
Da der Verurteilte zur Tatzeit 14 Jahre alt war, kam zwingend das Jugendstrafrecht zur Anwendung, welches für solche Taten eine Höchststrafe von zehn Jahren vorsieht. Der Jugendliche befindet sich seit seiner Festnahme Ende September 2023 ununterbrochen in Haft. Für die Familie und die Menschen in Pragsdorf bleibt am Ende lediglich das Gedenken an einen Jungen, dessen Leben auf unbegreifliche Weise endete.