Die Stadtvertretung von Jarmen hat den Weg für eine Nutzungsänderung des ehemaligen Küchentrakts des Kulturzentrums an der Rosenstraße freigemacht. Der Anbau, der seit Jahrzehnten weitgehend ungenutzt ist, soll künftig dem neu gegründeten Braukultur-Verein als Standort für Gärtanks dienen. Zudem ist ein Leader-Projekt mit einem überdachten Backofen und einer Outdoor-Küche auf dem Freigelände geplant.
Kellerräume werden hergerichtet
Der Braukultur-Verein möchte im Untergeschoss des Anbaus seine Gärtanks aufstellen, die über eine mobile Brauerei im Freien befüllt werden sollen. Vorher sind jedoch Herrichtungsarbeiten in den Kellerräumen notwendig. Geplant sind eine punktuelle Ausbesserung des Putzes, ein Anstrich der Wände, eine einfache Aufarbeitung der Böden und die Herrichtung der Türen.
Die Stadtvertretung hat bei ihrer ersten Sitzung nach der Sommerpause einhellig grünes Licht für die Pläne gegeben, bei einer Stimmenthaltung. Die Mitglieder des Braukultur-Vereins haben zugesagt, einen Teil der Arbeiten in Eigenleistung zu erledigen.
Räume für Vereine und Veranstaltungen
Der ehemalige Küchentrakt soll jedoch nicht ausschließlich dem Braukultur-Verein vorbehalten bleiben. In der Beschlussvorlage heißt es: „Ziel der Nutzungsänderung ist es, im Kulturzentrum künftig zum einen vielfältige Veranstaltungen durchzuführen, aber auch den Vereinen Räumlichkeiten zur Verfügung stellen zu können.“
Zusätzlich segneten die Abgeordneten einen finanziellen Zuschuss für ein Leader-Projekt ab, das auf dem Freigelände der Einrichtung entstehen soll. Geplant ist der Bau eines überdachten Backofens und einer Outdoor-Küche, die von Vereinen, Schulen und der Kindertagesstätte genutzt werden können. „Neben der Förderung des sozialen Engagements und des Zusammenhaltes soll das Traditionshandwerk des Brotbackens erhalten werden“, so die Intention. Damit verbunden ist die Hoffnung, einen neuen Treffpunkt der Generationen zu schaffen.
Von der HO bis zu den Zeugen Jehovas
Das Gebäude wurde 1970/71 errichtet, um die Bedingungen für die Schulspeisung zu verbessern. Eltern, Schüler, Lehrer, Betriebe und die Kommune packten damals gemeinsam beim Bau an. Das Material stammte unter anderem vom Abriss des baufälligen Speichers am Neuen Markt. Das Objekt bot rund 300 Plätze und diente auch als Aula sowie für gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen. Betreiberin war die staatliche Handelsorganisation (HO), die nach der Wende unter die Fittiche der Treuhandanstalt kam.
Jarmen lehnte den Kauf zunächst ab, weil der Preis zu hoch erschien und man keine weitere sanierungsbedürftige Immobilie übernehmen wollte. Ende der 1990er kauften die Zeugen Jehovas das Gebäude und nutzten es als Königreichssaal. 2013 entschied sich die Religionsgemeinschaft, den Standort aufzugeben und an die Stadt zu verkaufen. Diese brachte zwischenzeitlich Hortkinder dort unter und ließ 2018 eine umfangreiche energetische Außensanierung durchführen, bei der auch der Küchenanbau Isolierglasfenster erhielt. Das Innere blieb jedoch unangetastet – bis jetzt.