Tierschutzverein Neubrandenburg: Kadow bleibt Vorsitzender
Kadow bleibt Vorsitzender des Tierschutzvereins

Kurt Kadow bleibt Vorsitzender des Tierschutzvereins Neubrandenburg. Die außerordentliche Versammlung, die auf Antrag Dutzender Mitglieder zur Abwahl des gesamten Vorstandes einberufen worden war, hat dem seit mehr als 20 Jahren amtierenden Vereinschef ein deutliches neues Mandat verschafft. In geheimer Wahl setzte sich Kadow am Sonnabend mit 36 zu 13 Stimmen gegen die bisherige Schriftführerin Jennifer Deparade durch.

Mehr als zwei Stunden Streit um Formalien

Bis zu dieser Entscheidung wurde mehr als zwei Stunden lang gestritten. Knapp 50 stimmberechtigte Mitglieder waren am Sonnabend (19. September) zeitweise im Raum der Bürgerinitiative am Reitbahnweg versammelt. Schon über Einladung, Tagesordnung und Vorstandssitzungen herrschte Uneinigkeit. Deparade warf Kadow vor, gemeinsame Sitzungen blockiert zu haben. Kadow hielt dagegen, nur er als Vorsitzender habe dazu einladen dürfen.

Zum Versammlungsleiter hatten die Mitglieder den Greifswalder Rechtsprofessor Ralph Weber bestimmt. Der mahnte sogleich: Oberstes Prinzip müsse das Tierwohl sein, persönliche Befindlichkeiten sollten dahinter zurückstehen.

Kassenbericht mit Auffälligkeiten

Dass es aber längst um mehr geht, zeigt der Kassenbericht für 2025. Eine Rechnungsprüferin hatte keine Beanstandungen, die zweite berichtete dagegen von erheblichen Auffälligkeiten bei der Handkasse. Sie nannte fehlende oder nicht eindeutig zuzuordnende Belege, mehrfach verwendete Belegnummern und mehrere für sie nicht nachvollziehbare Entnahmen in vierstelliger Höhe. Sie empfahl eine unabhängige Prüfung und riet davon ab, den Vorstand zu entlasten. Kadow verwies dagegen auf das vom Verein beauftragte Steuerbüro, das nichts beanstandet habe.

Auch Tankkosten und ein fehlendes Fahrtenbuch wurden diskutiert. Kadow erklärte, sein privates Auto häufig für Tierarztfahrten zu nutzen. Ein Fahrtenbuch lehne er angesichts seines Arbeitspensums ab. „Ich lehne das ab und fertig“, sagte er, räumte aber ein: „Es ist nicht ganz richtig, das weiß ich.“ Die Mitglieder entlasteten den bisherigen Vorstand dennoch mehrheitlich, 13 stimmten dagegen. Anschließend beschlossen sie ebenfalls mehrheitlich dessen Abwahl und damit Neuwahlen.

Engagement und Vertrauensverlust

Wie viel praktische Arbeit hinter dem Streit steht, wurde in mehreren Wortmeldungen deutlich. Martina Schumann ist nach eigenen Angaben seit 38 Jahren im Verein. Aktuell seien gerade mal zehn Mitglieder wirklich aktiv. „Wir rackern wirklich sehr viel“, sagte sie, allein in den vergangenen acht Wochen habe sie 20 wilde Katzen vermittelt. Tierschutz bestehe nicht nur darin, bei Versammlungen zu sitzen und zu reden. „Wenn es nicht um die Tiere ginge, ich wäre schon zehnmal weg.“ Dafür erhielt sie viel Applaus.

Andere Mitglieder machten deutlich, dass Engagement allein nicht reicht. „Ich brauche auch Vertrauen in die Führungsspitze, und die habe ich nicht“, hieß es in einer Wortmeldung. Immer wieder hätten Vorstände gewechselt. Ehemalige Vorstandsmitglieder berichteten von einer hohen persönlichen und mentalen Belastung der Zusammenarbeit.

Konflikte reichen Jahre zurück

Neu ist dieses Problem nicht, bereits im März war der Konflikt offen ausgebrochen. Nach dem Rücktritt der übrigen vier Vorstandsmitglieder war Kadow zeitweise allein im Vorstand. Mitglieder forderten seine Abwahl und mehr Transparenz bei den Finanzen. Kadow blieb, vier Posten wurden neu besetzt. Ein halbes Jahr später ist auch dieser Vorstand Geschichte.

Konflikte um Geld und Führung reichen noch weiter zurück. 2016 eskalierte eine Finanzkrise, als Kadow Mitarbeitern kündigte und demonstrativ die Tierheimschlüssel im Rathaus abgab. Die Kündigungen wurden zurückgenommen, doch die Stadt sprach von einem Vertrauensverlust. 2017 verlor der Verein nach fast zwei Jahrzehnten die Trägerschaft des Tierheims. Schon damals wurde öffentlich nach den Gründen für häufige Vorstandswechsel gefragt, während Unterstützer Kadows großen persönlichen Einsatz hervorhoben.

Neben Kadow gehören zunächst Martina Schumann als erste Stellvertreterin und Jeannette Salow als zweite Stellvertreterin zur neuen Führung. Schumann setzte sich mit 27 zu 16 Stimmen gegen die bisherige erste Stellvertreterin Katja Görner durch, Salow anschließend mit 28 zu 18 Stimmen ebenfalls gegen Görner. Zum neuen Kassenwart wählten die Mitglieder Dietrich Schacht mit 28 Ja-Stimmen, sieben Nein-Stimmen und drei Enthaltungen.

Auf den neuen Vorstand wartet damit mehr als die übliche Vereinsverwaltung. Er muss offene Fragen zur Kassenführung klären, verlorenes Vertrauen zurückgewinnen und einen Vorsitzenden einbinden, dessen enormes persönliches Engagement für den Tierschutz ebenso unbestritten ist wie die Konflikte, die sich seit Jahren an seiner Art der Vereinsführung entzünden.