Die Burg Stargarder Kommunalpolitiker wollen verhindern, dass das ehemalige Hotel „Zur Burg“ zu einem Kinderheim umfunktioniert wird. Die Fraktion Die Stargarder hat einen Antrag auf „Verwehrung einer Nutzungsänderung am zentralen Marktplatz“ vorgelegt, über den die Stadtvertreter bei ihrer nächsten Sitzung abstimmen wollen.
Sanierungsrechtliche Genehmigung soll versagt werden
„Die Stadtvertretung beschließt, den Antrag des Eigentümers auf Erteilung einer sanierungsrechtlichen Genehmigung für die Nutzungsänderung in eine Anlage für soziale Zwecke sowie für den Abschluss eines entsprechenden mehrjährigen Mietvertrages zu versagen“, heißt es in der Beschlussvorlage. Die Immobilie liege „innerhalb des im Jahr 2001 förmlich festgelegten Sanierungsgebiets Altstadt“. Daher bedürfe das Vorhaben, 17 Kinder und Jugendliche einzuquartieren, „der sanierungsrechtlichen Genehmigung“. Diese sei zu verwehren, weil „die geplante Umnutzung und die vertragliche Bindung die Sanierung erschweren und den Zielen der Sanierung im Kernbereich der Stadt zuwiderlaufen“, heißt es in der Begründung der Kommunalpolitiker.
Marktplatz als Herzstück der Stadt
Sie sehen „den zentralen Versorgungsbereich und die Zentrenfunktion“ gefährdet. „Der Marktplatz stellt das städtebauliche, funktionale und touristische Herzstück des Sanierungsgebiets dar. Das leitende Sanierungsziel für diesen Mikrobereich ist die Behebung städtebaulicher Missstände durch die Erhaltung und Stärkung der Zentralität, der wirtschaftlichen Vitalität und der touristischen Attraktivität“, führt die Fraktion aus. Das erst seit Mitte September geschlossene Hotel habe „an diesem sensiblen Standort eine tragende Funktion für die Belebung des Marktplatzes, die Laufkundschaft für den örtlichen Einzelhandel und die Gastronomie“.
Der geplante Einzug von 17 Sechs- bis Zwölfjährigen führe „an diesem exponierten Standort zu einer Funktionsverschiebung, die dem Sanierungszweck widerspricht“. „Eine solche Einrichtung weist naturgemäß einen privaten, nach innen gerichteten Charakter auf. Sie generiert keinen Publikumsverkehr oder eine städtebauliche Relevanz für den zentralen Versorgungsbereich“, erläutert die Fraktion.
Wohngebiet als Alternative vorgeschlagen
„Durch den dauerhaften Wegfall der hoteltypischen Synergieeffekte und die Unterbrechung der Publikums-intensiveren Nutzungsachse am Marktplatz wird die Funktion unseres Zentrums nachhaltig geschwächt“, argumentieren die Politiker und führen einen „Trading-Down-Effekt“ an, den schleichenden Niedergang eines Stadtzentrums. „Dies konterkariert die mit erheblichem Mitteleinsatz vorangetriebene Revitalisierung unserer historischen Altstadt mit ihrem Stadtkern.“
Keinesfalls, so heißt es in der Beschlussvorlage, hätten sie grundsätzlich etwas gegen ein Kinderheim in der Kleinstadt, wohl aber gegen diesen Standort: „Anlagen für soziale Zwecke dieser Art sind städtebaulich sinnvoll und in unserer Stadt erwünscht, jedoch nicht auf den Marktplatz angewiesen. Ihre Ansiedlung ist in Wohn- oder Mischgebieten abseits der zentralen Versorgungsbereiche verträglicher.“
Das Fazit ihrer Argumentationskette: „Die Blockierung einer Schlüsselimmobilie am Marktplatz durch eine nicht standortgebundene Nutzung stellt eine städtebauliche Fehlallokation dar, welche die Stadt im Sanierungsgebiet nicht zulassen kann. Das öffentliche Interesse an der Sicherung der Funktionsfähigkeit des Marktplatzes und dem Schutz des historischen Altstadtkerns vor funktionaler Entleerung überwiegt das private Interesse des Eigentümers an der gewählten spezifischen Umnutzung.“
Appell an Sozialbehörden
Doch damit enden die Überlegungen der Fraktion Die Stargarder nicht. Sie sehen sich in einer gesellschaftlichen Verantwortung für die Kinder ohne Eltern und setzen dabei auf die Hilfe von Sozialbehörden. In einem „Appell an die Fachämter – das Landesamt für Gesundheit und Soziales sowie das Dezernat III des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte“ fordern sie Unterstützung ein.
Den Entwurf eines entsprechenden Schreibens an beide Ämter legen sie den Stadtvertretern ebenfalls zur Abstimmung vor. Darin heißt es: „Ziel sollte sein, gemeinsam eine Lösung zu entwickeln, die dem Kindeswohl ebenso gerecht wird wie der Verantwortung der Stadt für ihren zentralen öffentlichen Raum.“ Burg Stargards Politiker bitten beide Ämter um einen gemeinsamen Gesprächstermin. Fraktionsvorsitzende von Den Stargardern ist Stadtpräsidentin Katja Sievert.
Der Intensivpflegedienst Kleiner Prinz mit Hauptsitz in Hohenmin nördlich von Neubrandenburg betreut die betroffenen Kinder derzeit in Quadenschönfeld südlich von Burg Stargard. Weil dem Unternehmen der Mietvertrag gekündigt wurde, müssen die Mädchen und Jungen ausziehen. Nach Angaben des Betreibers ist es äußerst schwierig, ein geeignetes Gebäude zu finden. Nach einem Vergleich der wenigen Optionen sei das ausgediente Hotel in Burg Stargard als die beste befunden worden.
Das Gebäude gehört der Hotel-Zur-Burg-Gesellschaft mit Geschäftsführer Erik Lange aus Burg Stargard. Er hat auch Anteile an dem Unternehmen Werbelicht Jahn in Neubrandenburg, am Hotel Horizont in Weitin und am Restaurant Frühstücksmanufaktur in Neubrandenburg.
Das Vorhaben war schon in den jüngsten Sitzungen des Stadtentwicklungsausschusses und des Sozialausschusses im September kontrovers diskutiert worden. Die nächste Sitzung der Burg Stargarder Stadtvertreter findet am Mittwoch, dem 14. Oktober, in der örtlichen Schul-Mensa statt. Sie beginnt um 19 Uhr und ist öffentlich.