In Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch 3.000 freie Ausbildungsplätze, aber nur rund 2.400 Jugendliche, die überhaupt eine Lehrstelle suchen. Diese Zahlen zeigen ein bekanntes Problem, das jedoch komplexer ist, als es auf den ersten Blick erscheint.
Scheinbar gute Zahlen, wahre Herausforderungen
Auf den ersten Blick scheint Mecklenburg-Vorpommern nicht mehr so schlecht dazustehen. 2024 sind 47.514 Menschen nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen, während 36.809 das Land verlassen haben. Unterm Strich bleibt ein Wanderungsgewinn von 10.705 Menschen – eine scheinbar gute Nachricht.
Doch wer genauer hinschaut, erkennt das eigentliche Problem. Das Statistische Amt stellt fest, dass vor allem Rostock bei den 18- bis unter 25-Jährigen Wanderungsgewinne erzielt. Viele ländliche Regionen kämpfen dagegen seit Jahren mit dem Verlust junger Menschen. Wer für Studium oder Ausbildung weggeht, kehrt häufig nicht mehr zurück.
Der Trend der Abwanderung
Dieser Trend begleitet Ostdeutschland seit Jahrzehnten. Seit der Wiedervereinigung sind 1,2 Millionen Menschen netto Richtung Westdeutschland abgewandert, besonders junge Erwachsene. Seit 2023 ist dieser Trend bei der Binnenwanderung sogar wieder ins Minus gekippt.
Besonders auffällig ist, welche Berufe jetzt händeringend Nachwuchs suchen: Einzelhandel, Verkäufer, Gastronomie und Hotellerie. Ausgerechnet Branchen, in denen die Löhne häufig vergleichsweise niedrig sind. Mecklenburg-Vorpommern gehört bei den Verdiensten seit Jahren zu den Schlusslichtern unter den Flächenländern Deutschlands, zuletzt gab es zumindest die rote Laterne an den Nachbarn ab.
Die Frage nach der Zukunft
Natürlich haben sich die Ausbildungsvergütungen verbessert. Aber welcher 16-Jährige entscheidet seine Zukunft nach dem Gehalt im ersten Lehrjahr? Entscheidend ist doch die Frage: Was verdiene ich mit 22 oder 25? Und genau da gehört Mecklenburg-Vorpommern seit Jahren zu den Schlusslichtern in Deutschland.
Viele junge Menschen sehen sich deshalb auch anderswo um. Wer jung ist, möchte sich irgendwann eine Wohnung leisten können, vielleicht ein Haus, eine Familie gründen – und nicht jeden Euro dreimal umdrehen. So kommt jedes Jahr die gleiche Meldung: viele freie Lehrstellen, zu wenige junge Menschen, die sie besetzen, und junge Menschen, die aus den meisten Regionen abhauen. Aber dann liegt das Problem nicht bei der Jugend, sondern bei uns.
Heimat und Selbstbild
Von „attraktiven Möglichkeiten“ spricht der Chef der Regionaldirektion Nord Markus Biercher mit Blick auf die berufliche Ausbildung. Die gibt es sicher. Aber vielleicht liegt das Problem nicht nur bei den Löhnen und fehlenden Branchen, sondern auch darin, wie wir selbst über Mecklenburg-Vorpommern sprechen. Viel zu oft erzählen wir, was hier alles nicht geht, wer wieder weggezogen ist und was andere Bundesländer besser können. Dabei leben wir dort, wo Millionen Menschen jedes Jahr Urlaub machen – Ostsee, Seenplatte, Nationalparks, kurze Wege und eine Lebensqualität, um die uns viele beneiden.
Vielleicht müssen wir endlich wieder selbst daran glauben, dass Mecklenburg-Vorpommern mehr ist als ein Bundesland, aus dem man weggeht. Ein bisschen mehr Bayern wagen, täte uns gut – die feiern ihr Land stetig und ständig. Denn wer seine Heimat ständig klein redet oder alles als gegeben hinnimmt, darf sich nicht wundern, wenn junge Menschen ihr irgendwann den Rücken kehren. Wer sich aber stark macht, schafft Identität, Schaffenskraft – und noch mehr Heimatverbundenheit.