Lubmin: Betreiber begrüßt Drohnen-Sensoren für Zwischenlager
Lubmin: Betreiber begrüßt Drohnen-Sensoren

Der Betreiber des atomaren Zwischenlagers in Lubmin begrüßt die Pläne, Drohnen über kritischer Infrastruktur künftig in Echtzeit zu erkennen. Ein solches Sensorsystem könne die Maßnahmen sinnvoll ergänzen, die am Standort ohnehin schon getroffen wurden, sagte Ingo Neuhaus, Chef des Entsorgungswerks für Nuklearanlagen (EWN).

Land plant 150 Sensoren

Innenminister Christian Pegel (SPD) hatte Anfang Oktober angekündigt, 150 Sensoren anzuschaffen und zu installieren. Sie sollen Einrichtungen der kritischen Infrastruktur entlang der Ostseeküste besser vor Drohnenüberflügen schützen.

Das Innenministerium verzeichnet allein im ersten Halbjahr 16 Vorfälle im Umfeld von Militärarealen und 19 über kritischer Infrastruktur – mehr als im gesamten Vorjahr.

Flugverbotszone zeigt Wirkung

Seit März dieses Jahres gilt über dem Atommüll-Zwischenlager in Lubmin, in dem 74 Castorbehälter mit hochradioaktiven Abfällen lagern, bereits eine Flugverbotszone für Drohnen. Das für nukleare Sicherheit zuständige Bundesumweltministerium hatte die Einrichtung dieser Flugbeschränkungsgebiete über den drei zentralen Zwischenlagern Lubmin, Gorleben und Ahaus mit den „aktuellen technischen Entwicklungen im Bereich der Drohnen und der sich hieraus ergebenden potenziell geänderten Bedrohungslage“ begründet.

Dennoch war nach der Einrichtung der Zone im Frühjahr nach Angaben der bundeseigenen EWN GmbH eine Drohne über dem Gelände gesichtet worden. Der Pilot sei identifiziert und der Sachverhalt aufgeklärt worden. Eine Gefahr habe nicht bestanden. Im Vergleich zum Vorjahr mit insgesamt vier Drohnenüberflügen sei die Zahl deutlich zurückgegangen. Ein Indiz für EWN-Chef Neuhaus, dass allein die Einrichtung der Zone Wirkung zeige.

„Das heißt, jede Drohne, die wir sichten, ist ein Ereignis, was wir zu bearbeiten haben – entsprechend unseren Regelungen und eng eben verzahnt mit den zuständigen Sicherheitsbehörden“, so Neuhaus. Die Zone erleichtere das Erkennen und Verfolgen von Verstößen.

Neubau: 98 Prozent der Unterlagen eingereicht

Weil das bestehende Zwischenlager in Lubmin in baulicher Hinsicht nicht mehr die erhöhten Anforderungen an den Terrorschutz erfüllt, ist der Bau eines neuen Lagers für den hochradioaktiven Abfall vorgesehen. Die Planungen für das Lager mit dem Namen Estral hatten sich immer wieder verzögert. Inzwischen seien aber rund 98 Prozent der Genehmigungsunterlagen beim zuständigen Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) eingereicht worden, so Neuhaus.

Entstehen soll ein monolithisches Gebäude mit 1,8 Meter dicken Betonwänden und einer ebenso dicken Betondecke. Die EWN GmbH rechnet eigenen Angaben zufolge Ende 2027/Anfang 2028 mit einer Genehmigung. Die Umlagerung der Atommüllbehälter in das neue Lager solle Mitte der 2030er-Jahre starten. Heute informiert das Unternehmen auf einem sogenannten Nachbarschaftstag Anwohner über den Fortschritt der Planungen.

Grund seien laut des Betreibers die langwierigen Genehmigungsverfahren. Die Kosten für das Lager werden inzwischen auf 220 Millionen Euro geschätzt.

Behörde sieht Sicherheit gegeben

Nach Einschätzung des BASE sind die Castoren auch in dem bestehenden Gebäude sicher aufbewahrt. „Die Auslegung des Neubaus sorgt dafür, dass bestimmte Sicherungsmaßnahmen, die bisher durch eine Kombination von baulicher Auslegung mit anderen Maßnahmen umgesetzt wurden, stärker durch die baulichen Anlagen selbst übernommen werden“, heißt es vom Bundesamt.

Der Umweltverband BUND dringt weiterhin auf den Einbau einer „Heißen Zelle“ für sichere Reparaturen an den Castordeckeln, aber auch für Inspektionsmöglichkeiten. Diese Heiße Zelle sollte nicht erst später teuer nachgerüstet werden, so BUND-Landesgeschäftsführerin Corinna Cwielag. In den Plänen für das neue Zwischenlager ist eine solche Heiße Zelle bislang nicht vorgesehen.