Am Heeres-Stützpunkt in Neubrandenburg-Fünfeichen hat der Rüstungskonzern General Dynamics European Land Systems (GDELS) mit Hauptsitz in Madrid (Spanien) am Dienstag sein Systemunterstützungszentrum Piranha 5 eröffnet. In einer Bauzeit von zwölf Monaten seit der Grundsteinlegung entstanden auf dem ehemaligen Kasernengelände Werkstätten, Schulungsräume, ein Verwaltungssitz, ein Zentrallager und eine Lackiererei. 200 Soldaten sollen dort jedes Jahr lernen, wie der Kommunikationspanzer Piranha bedient wird.
Zukunftsschmiede und Investition
„Damit wird Neubrandenburg zur Zukunftsschmiede für Soldaten und Soldatinnen“, sagte Jens Plötner, Staatssekretär im Bundes-Verteidigungsministerium, bei der feierlichen Eröffnung. In das Zentrum sei ein zweistelliger Millionenbetrag investiert worden, nähere Angaben zur Höhe gab es nicht.
Oberbürgermeister Nico Klose (parteilos) bezeichnete die Ansiedlung als „ein klares Bekenntnis zum Wirtschaftsstandort Neubrandenburg“. Es gehe um „hochwertige Arbeitsplätze“ und zusätzlich um Aufträge für regionale Handwerksbetriebe, Dienstleister und Zulieferer, was für die ganze Mecklenburgische Seenplatte und darüber hinaus von Bedeutung sei. „Man hat sich bewusst entschieden, hier zu investieren. Das zeigt, wie viel Vertrauen in die Menschen, die hier leben und arbeiten, und in deren Kompetenzen gesetzt wird.“
Arbeitsplätze und Ausbildung
Die Ansiedlung sei „eine Perspektive für junge Menschen“ und „ein Grund, zu bleiben oder wiederzukommen“. Sie werde „die Kaufkraft in der Region und den Ausbildungsstandort stärken“ und auch „vorhandene Betriebe unterstützen“, so Klose weiter.
Aktuell arbeiten 210 Männer und Frauen in dem Zentrum, erklärte Nico Danneberg, Geschäftsführer des europäischen GDELS-Ablegers in Neubrandenburg. Perspektivisch werde sich die Zahl verdoppeln.
Technik und Aufgaben des Piranha
Das Zentrum gehört zum Bundeswehr-Vorhaben Tactical Wide Area Network. Es soll die Truppe auch dann verbinden, wenn Satelliten ausfallen, und arbeitet deshalb mit Richtfunk. Der Radpanzer Piranha 5 kann einen 15 Meter hohen Teleskopmast ausfahren und dient als fahrender Knotenpunkt – wie ein Router auf Rädern. Kampfpanzer sind diese Fahrzeuge in der Normalausstattung nicht.
Zur Wartung kommt jeder Piranha des Typs 5 der Bundeswehr nach Fünfeichen. Gebaut werden die Radpanzer dagegen im Süden: General Dynamics errichtet parallel zu Neubrandenburg zwei Werke im Münchner Umland und im südlichen Baden-Württemberg.
Kritik und Bedeutung
Die Erweiterung des Bundeswehr-Standorts ausgerechnet in Fünfeichen stößt auch auf Kritik. 5500 sowjetische Kriegsgefangene sollen dort nach Angaben der Partei Die Linke begraben sein. Deshalb bezeichneten sie den Bau in der Vergangenheit als „Tabubruch“. Die Gräberfelder liegen aber laut Stadthistorikern neben dem Werksgelände, nicht darunter.
Durch das Zentrum ist die Stadt am Tollensesee eine wichtige Schnittstelle zwischen Ausbildung, Logistik, Wartung und Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Es ist das erste Unterstützungszentrum für ein Landfahrzeug, bislang hatte nur die Luftwaffe solche Einrichtungen.