Schullandheim Sassen: Synode besiegelt das Aus für 2028
Schullandheim Sassen: Synode besiegelt das Aus

Das Schullandheim Sassen wird voraussichtlich Anfang 2028 schließen. Die Synode des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises hat am Wochenende in Züssow beschlossen, die überregionale Arbeit mit Jugendlichen und Konfirmanden nach Weitenhagen bei Greifswald ins „Haus der Stille“ zu verlegen. Vorangegangen waren Jahre andauernde Diskussionen über die Zukunftsfähigkeit des bisherigen Standortes.

Gründe für die Entscheidung

„Zu den Hintergründen der Entscheidung zählen ein jährliches strukturelles Defizit des Kirchenkreises in siebenstelliger Höhe sowie der Sanierungsstau und die geringe Auslastung des Schullandheimes“, informierte Sebastian Kühl von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises (PEK). Der ist Träger der Einrichtung, das Grundstück gehört der örtlichen Kirchengemeinde.

An Ausrichtung und Umfang der Jugendarbeit solle der Umzug nichts ändern, eine Dezentralisierung sei verworfen. „Das bewährte Profil und das Veranstaltungsangebot bleiben dabei nicht nur in vollem Umfang erhalten, sondern werden konzeptionell weiterentwickelt.“

Kernkompetenz und Zukunftsperspektive

Der Stralsunder Propst Tobias Sarx betonte, dass der Kirchenkreis mit diesem Beschluss einer bewährten Linie treu bleibe: „Seit vielen Jahren verfolgt der Pommersche Evangelische Kirchenkreis bei sinkenden Einnahmen die Strategie, die vorhandenen Mittel in erster Linie in Menschen zu investieren und eher bei der Investition in Gebäude oder Strukturen zu sparen, als den direkten Kontakt von Mensch zu Mensch aufzugeben. Notwendige Einsparungen werden daher nicht im Bereich des Personals im Verkündigungsdienst vorgenommen.“

Die Verlagerung nach Weitenhagen stehe auch im Zusammenhang mit der massiven Krise auf dem Jugendherbergsmarkt, erklärte er verbunden mit dieser Klarstellung: „Das Betreiben eines Schullandheimes gehört nicht zur Kernkompetenz eines Kirchenkreises.“ Es erscheine mehr als fraglich, dass der PEK Herausforderungen, die selbst professionelle Betreiber in eine existenzielle Krise treiben, mit überschaubarem finanziellem Risiko bewältigen kann. Da die kirchliche Jugendarbeit in Sassen lediglich rund zehn Prozent der Bettenkapazitäten benötige, sei ein Weiterbetrieb wirtschaftlich und aufgrund fehlender personeller Vertretungsregelungen nicht mehr sinnvoll.

Ein Ort mit langer Geschichte

„Die Verlagerung ist zunächst ein Verlust, weil Sassen weit über die Grenzen des PEK hinaus eine hochgeschätzte Marke ist. Aktuelle Studien belegen den Wert eines Identifikationsortes für Jugendliche“, äußerte Tobias Sarx. Das idyllisch im Schwingetal zwischen Demmin und Greifswald gelegene Anwesen gehörte einst einem erfolgreichen Bauern, der ohne Nachkommen verstarb. Zu DDR-Zeiten übernahm der Staat die Hofstelle und nutzte sie anfangs als Ausbildungseinrichtung für Lehrlinge der Landwirtschaft. 1973 entstand daraus als Schulprojekt eine Freizeitstätte für Kinder und Jugendliche. Sie befand sich nach der Wende noch mehrere Jahre in Trägerschaft des damaligen Landkreises Demmin, bevor Mitte der 1990er die Übernahme durch die Kirche folgte.

Kritiker von inner- und außerhalb werfen dem Kirchenkreis vor, für die heutige Situation mitverantwortlich zu sein, Sassen lange wie eine Art Stiefkind behandelt zu haben. Richtig öffentlich wurden die Probleme während der Corona-Pandemie, als die Buchungszahlen einbrachen. Trotzdem bekannte sich der Kirchenkreisrat noch im Mai 2023 zum Standort. Das Heim sei Tür und Schaufenster des PEK und nach innen und außen gleichermaßen geöffnet, erklärte er. Vom „Herz unserer Jugendarbeit“ war die Rede. Es stelle sich daher nicht die Frage, ob, sondern nur wie saniert wird, ließ Tobias Sarx verlauten.

Proteste und Alternativen

Im Herbst 2025 gab es völlig andere Nachrichten aus dem Gremium. Nämlich, dass ernsthaft über den Erhalt oder eher Nichterhalt nachgedacht wird. Woraufhin sich breiter Protest regte, untermauert von einer tausendfach unterzeichneten Online-Petition und unter anderem in eine Zukunftswerkstatt mündend. Diese Bemühungen sind keineswegs einfach vom Tisch gefegt worden, versuchte Pressesprecher Kühl zu vermitteln. Vor dem Beschluss zur Verlegung der zentralen Jugendarbeit habe die Synode intensiv den möglichen Erhalt analysiert und diskutiert, einen alternativen Vorschlag geprüft, zahlreiche Wortmeldungen und Redebeiträge angehört - sich schlussendlich jedoch dagegen entschieden.

Der Blick richte sich nun auf die Potenziale des Einkehrhauses in Weitenhagen, dessen Außenanlagen mit drei Hektar fast doppelt so groß seien wie Sassen. „Vorteile bietet Weitenhagen zum einen durch die größere Fläche, zum anderen durch das große Waldgebiet, das für Geländespiele ideal ist, und zum dritten durch die auf dem Gelände stehende Kirche. Viertens ist Weitenhagen durch die ÖPNV-Anbindung und die Nähe zu Greifswald wesentlich besser erreichbar“, beschreibt Tobias Sarx die Vorteile. Dem Votum der Synode folgend soll unter Einbeziehung aller Beteiligten ein Konzept für die Raumnutzung in Weitenhagen erarbeitet und der Synode voraussichtlich im Frühjahr 2027 ein Vorschlag für die Umbenennung des „Hauses der Stille“ vorgelegt werden.