Die Landtagswahl 2026 ist ausgezählt. Ein zweiter Blick auf die Zahlen aus dem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte zeigt: Die Region hat in Teilen ganz anders abgestimmt als der Rest von Mecklenburg-Vorpommern. Wäre der Landtag allein aus der Seenplatte heraus gewählt worden, säßen in Schwerin andere Parteien. Das BSW kam im Landkreis auf 5,7 Prozent und hätte damit die Fünfprozenthürde genommen – landesweit blieb die Partei mit 4,8 Prozent darunter.
BSW im Kreis stark, Grüne schwach
„Das sind gute Ergebnisse, die zeigen, dass wir in der Seenplatte unsere Arbeit stärker fortsetzen müssen“, sagte BSW-Kreistags-Fraktionschef Maik Michalek am Montag. Bei den Grünen ist es umgekehrt: 5,7 Prozent bekam die Umweltpartei landesweit und ist damit im Landtag, aber nur 3,5 Prozent der Wähler in der Seenplatte stimmten für sie. Die Linke wäre in beiden Rechnungen dabei, die CDU in keiner.
Wie knapp es für das BSW war, zeigt der Blick auf die Ämter: In 16 der 20 Ämter und amtsfreien Städte des Kreises lag es über 5 Prozent, im Amt Neverin bei 6,6. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, sagt Michalek. „Anhand der Stimmungslage war ich davon ausgegangen, dass wir es in den Landtag schaffen.“ Aus dem Ergebnis vor Ort zieht er trotzdem Mut für seine Arbeit im Kreistag: „Die Leute werden sehen, dass es auch Kräfte gibt, die vermitteln.“
FDP stürzt ab, CDU verliert Mandate
Wie weit eine Partei abwärts rauschen kann, führt die FDP vor: landesweit 1,0 Prozent nach 5,8 vor fünf Jahren. Im ganzen Landkreis gibt es keinen einzigen Ort, in dem sie über 1,6 Prozent kam. AfD-Kreis-Fraktionschef Robert Schnell hat den Vergleich zur Lage der Landes-CDU gezogen: „Wie weit diese Talfahrt noch gehen kann, haben wir bei der FDP gesehen.“
Die CDU hat im Kreis immerhin drei Ämter, in denen sie über 5 Prozent kam: Malchin am Kummerower See mit 6,4 Prozent, Demmin-Land und Neverin mit je 5,1. Ihr bester Ort ist Neukalen mit 12,7 Prozent an der Urne, fast dreimal so viel wie im Kreisschnitt. Dort wohnt Marc Reinhardt, einer der beiden CDU-Abgeordneten der Region. Sein Mandat ist trotzdem weg: Ohne 5 Prozent im Land gibt es keine Listenplätze, über die er oder sein Kollege Franz-Robert Liskow zurückkommen könnten.
Doppelte Brandmauer und Stadt-Land-Gefälle
„Ich hatte angenommen, dass wir im Landtag bleiben“, sagt Frank Benischke, CDU-Fraktionsvorsitzender im Kreistag. „Vielleicht ist uns die doppelte Brandmauer zum Verhängnis geworden.“ Tiefer könne es kaum noch gehen: „Im Kreistag kann ich mir sicherlich einige spöttische Kommentare anhören.“
Für andere ging der Abend glimpflicher aus. Vier Abgeordnete des alten Landtags traten in den sieben Wahlkreisen des Kreises direkt an – nur Enrico Schult von der AfD gewann seinen. Über die Landeslisten kommen Nadine Julitz und Thomas Krüger (beide SPD) zurück, außerdem Jutta Wegner (Grüne), Thomas De Jesus Fernandes (AfD) und Torsten Koplin (Die Linke). Koplin sitzt seit Oktober 1998 im Landtag; läuft die neue Wahlperiode durch, sind es am Ende 33 Jahre.
Am deutlichsten trennt die Ergebnisse nicht die Partei, sondern die Ortsgröße. In den elf Städten des Kreises kam die AfD an der Urne auf 40,5 Prozent, in den 135 übrigen Orten auf 50,0. Die Spannweite reicht von einem Wahlbezirk in Woldegk mit 68,2 Prozent bis zu einem in Neustrelitz mit 31,3. Nadine Julitz, die ihren Wahlkreis verloren hat, nimmt genau das mit: „Das Stadt-Land-Gefälle wird für unsere zukünftige Arbeit vor allem im Kreistag noch wichtiger, zum Beispiel beim Nahverkehr.“
Neustrelitz auf Landeswelle, Ämter mit großer Abweichung
Eine Stadt im Kreis hat fast genau so gewählt wie ganz Mecklenburg-Vorpommern: Neustrelitz. Zählt man die Abweichungen aller Parteien zusammen, liegt die Residenzstadt nur 6,2 Punkte vom Landesergebnis entfernt. Am weitesten davon weg ist das Amt Friedland mit 32,0 Punkten.
Zwei Zahlen zum Schluss, die zeigen, wie verschieden im Kreis gewählt wird: Im Amt Neverin gingen 87,3 Prozent der Wahlberechtigten zur Wahl, in der Hansestadt Demmin 68,9 – der Kreisschnitt liegt bei 77,5. Und in Neubrandenburg wählte jeder dritte Wähler per Brief, im Amt Demmin-Land nicht einmal jeder fünfte.