Weiße Hemden mit „Das letzte Hemd“ an Ortseingängen in MV
Weiße Hemden „Das letzte Hemd“ an Ortseingängen in MV

In Plate, Kirch Stück und Schwerin sind an Ortseingangsschildern weiße T-Shirts mit der Aufschrift „Das letzte Hemd“ aufgetaucht. Die Aktion erinnert an die Gummistiefel-Proteste von vor zwei Jahren, als Stiefel an Ortsschildern auf das Höfesterben aufmerksam machten. Wer die Hemden aufgehängt hat, ist unbekannt. Die Polizei sieht derzeit keinen strafrechtlich relevanten Verstoß.

Ein stiller Protest kehrt zurück

Vor gut zwei Jahren hingen Gummistiefel an Ortsschildern, manchmal mit einem Kreuz darauf. Die Botschaft war damals: Wenn immer mehr Bauern ihre Höfe aufgeben müssen, hängen irgendwann auch die Stiefel am Nagel. Eine stille Warnung vor dem Höfesterben und ein Protest gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. Die Aktion war bundesweit zu sehen.

Jetzt sind weiße T-Shirts an die Ortsschilder zurückgekehrt. In Plate, Kirch Stück und Schwerin flattern sie im Wind. Kein Parteizeichen, kein Logo, kein Name – nur die Worte „Das letzte Hemd“. Die Redewendung „Das letzte Hemd hat keine Taschen“ bedeutet, dass man am Ende nichts mitnehmen kann. „Sein letztes Hemd hergeben“ wiederum heißt, alles zu opfern.

Polizei beobachtet, aber ermittelt nicht

Die Polizei kennt die Aktion. Auch aus dem Raum Güstrow wurden bereits Hemden an Ortsschildern gemeldet. „Der Staatsschutz hat die Aktion im Blick. Es gibt aber aktuell keine Ermittlungen“, sagt Sophie Pawelke, Sprecherin des Polizeipräsidiums Rostock. Die Polizei werde prüfen, ob Verkehrszeichen verdeckt oder in ihrer Wirkung beeinträchtigt werden. Einen entsprechenden Hinweis habe es bislang nicht gegeben.

Solange die Hemden keine Verkehrszeichen verdecken, beschädigen oder deren Wirkung beeinträchtigen, sieht die Polizei keinen strafrechtlich relevanten Verstoß. Auch die Straßenverkehrsordnung setzt Grenzen: Einrichtungen dürfen Verkehrszeichen nicht gleichen, mit ihnen verwechselt werden können oder ihre Wirkung beeinträchtigen.

Bedeutung bleibt offen

Was die unbekannten Urheber mit den Hemden sagen wollen, bleibt in Mecklenburg-Vorpommern offen. Die Aktion ist bundesweit zu beobachten. In anderen Regionen wurden die Shirts teilweise dem rechten politischen Spektrum zugeordnet. Für MV gibt es dafür bislang keinen belastbaren Beleg. Weder eine Organisation noch eine Privatperson hat sich öffentlich bekannt. Auch in Social-Media-Gruppen mit Bezug zu MV findet sich kein Hinweis auf einen Urheber.

In Schleswig-Holstein ist die politische Spur deutlicher. Dort wird die Aktion dem Umfeld von „Schleswig-Holstein steht auf“ zugerechnet. Die Gruppe bezeichnet sich als überparteilich, ihre Forderungen und personellen Verbindungen sind allerdings Gegenstand politischer Einordnungen und Kritik. Für MV gilt vorerst: Das Hemd hängt und der Absender fehlt.