In Laage, einer Kleinstadt südlich von Rostock, haben die FDP-Spitzenkandidaten zur Landtagswahl, Jakob Schirmer und Jessica Mendle, am Nachmittag auf dem Marktplatz das Gespräch mit Wählern gesucht. Vor einer Torwand mit Partei-Schriftzug, aufgestellt vor dem Rathaus, kamen nur wenige Interessierte vorbei. Der Wind wehte die FDP-Luftballons davon, Trubel gab es erst, als ein kleiner Hund sein Frauchen zum Stand zog.
FDP in Umfragen bei drei Prozent
Schirmer zeigte sich dennoch zufrieden mit den Besuchern: „Wir wollen Präsenz zeigen.“ Die Reaktion der Passanten lautete oft: „Ach, euch gibt es ja noch!“ Die Partei hat schwere Zeiten hinter sich. Nach dem Bruch der Ampel in der Bundesregierung folgte ein Abwärtstrend auch im Land, die kleine Fraktion im Landtag zerbrach. Aktuell liegt die FDP in Umfragen bei drei Prozent – zu wenig für den Wiedereinzug.
„Wir müssen den Staat auf Diät setzen“
Schirmer, Jurist und Professor für Verwaltungsrecht, seit einigen Monaten FDP-Spitzenmann im Land, sprach Passanten offen an. Ein älterer Herr meinte, er habe „eigentlich keine“ Probleme, griff aber nach einem Werbeartikel – es gab Kulis, Flaschenöffner und Kochlöffel.
Die FDP werde gebraucht, erklärte Schirmer. Die Botschaft des Liberalismus sei schwer zu vermitteln, doch die Partei setze auf den Leistungsgedanken: „Wir sprechen die Leistungsbereiten an.“ Themen sind Bildung, Bürokratieabbau und weniger Regelungswut gegenüber Unternehmen. Zum Geld sagte Schirmer: „Wir müssen den Staat auf Diät setzen“ und „Der Finanzminister ist nackt“.
Kita-Gebühren: nicht für alle kostenlos
Mendle, Inhaberin von Pflege-Unternehmen, sagte: „Die SPD ist die unsozialste Partei, die es gibt.“ Schirmer ergänzte, Reformen gaukelten Handeln vor, vieles gehe zulasten kommender Generationen oder sei „Gießkannenprinzip“. Zur gebührenfreien Kita, einem Vorhaben von SPD-Regierungschefin Manuela Schwesig, sagte Schirmer: „Kita muss für jedes Kind drin sein“ – aber nicht kostenlos für alle. „Warum finanziert die Krankenschwester den Kita-Platz für den Chefarzt?“
Hoffnung auf fünf Prozent und Regierungsbeteiligung
Beide Spitzenkandidaten sind voll berufstätig, Wahlkampf könne erst nach dem Business erfolgen. Dennoch glauben sie an fünf Prozent für die FDP am 20. September. Eine Regierungsbeteiligung sei dann möglich – nicht mit AfD, BSW oder Linken, stellte Schirmer klar. „Es geht um unvereinbare Politik-Grundlinien“, sagte er. Man werde bei anderen Parteien auch nicht „Steigbügelhalter für ein weiter so“ sein.
Schirmer verwies auf eine neue Umfrage: Allensbach sieht die FDP bundesweit bei sechs Prozent. Das liege auch am neuen Chef der Bundespartei, Wolfgang Kubicki, 74 Jahre alt, als Hoffnungsträger. Kubicki kommt dreimal nach MV: am 28. August nach Rostock, am 3. September nach Rostock und am 18. September nach Schwerin. In Wismar soll er lächelnd gelbe Rosen verteilen.