Jule, Hannes und ihre kleine Tochter Frieda wollten unweit von Wismar ein Zuhause bauen. Doch aus dem Traum wurde ein Albtraum: Schwerwiegende Baumängel, Verzögerungen und 200.000 Euro Kosten belasten die junge Familie. Inzwischen befassen sich Anwälte mit dem Fall.
Der Traum vom Eigenheim wird zum Horrortrip
Das Anwesen der Familie liegt leicht erhöht und bietet einen überwältigenden Blick auf die Skyline der Hansestadt. Jule hat dieses Bild seit gut 16 Jahren vor Augen, seit ihre Eltern dort hingezogen sind. Mit der Zeit wuchs die Familie, und der Wunsch nach den eigenen vier Wänden wurde immer stärker. Das Paar entschloss sich zum Bauen.
Der Ausbau der Scheune bei Jules Eltern sollte das Projekt werden. Über Kontakte kam die Familie an einen Bauunternehmer aus Hagenow, der auf der Insel Poel gute Arbeit abgeliefert hatte. Das Angebot passte, und im August 2024 startete die Baureise. Doch statt auf die Skyline von Wismar schauen die Bauherren nun auf Schutthaufen, halb verklinkerte Außenwände, wackelige Mauern und einen Dachstuhl, der nicht vertrauenerweckend wirkt.
Mängel, Verzögerungen und 200.000 Euro Kosten
„Der Abriss des Altbestands lief noch super“, berichten die frustrierten Bauherren. Doch schon bis zum Richtfest schlichen sich Verzögerungen ein, sodass dieses verschoben werden musste. Auf die Frage, warum sie damals nicht gehandelt haben, sagt Hannes: „Der Bauunternehmer hat uns immer wieder das Gelbe vom Ei erzählt.“ Er geht dabei auch mit sich selbst und seiner Geduld ins Gericht.
Ein Jahr später sind sie um 200.000 Euro ärmer und müssen Kredite bedienen, obwohl die Baustelle stillsteht. „Anwälte befassen sich nun damit“, erklären sie. Die Familie berichtet von Dachziegeln, die erneuert werden sollten, aber nur einmal von Wismar weg und wieder zurückgebracht wurden, bis die alten Ziegel wieder auf das nicht fachgerecht gerichtete Dach kamen. Fenster wurden nicht wie vereinbart geliefert, eine Wand ist nicht mit einer anderen verankert und wackelt. Das Dach wirkt wie ein Provisorium, das bereits der Witterung zum Opfer fällt. Klinker wurden nur in Etappen und in unzureichender Menge geliefert und verbaut.
Politik und Bau: Kritik am AfD-Landtagskandidaten
Abseits des Pfusches stößt dem Paar sauer auf, dass der Bauunternehmer während der Vertröstungen in den sozialen Medien für die AfD im Wahlkampf zu sehen ist. Er will selbst in den Landtag nach Schwerin einziehen. „Das geht doch nicht. Politiker sollten doch auch gewisse Werte vertreten“, lautet ihre Kritik. Auf dem Frustbau hat die AfD bereits Einzug gehalten: Ein altes Wahlplakat wurde zum Abdichten des Rohbaus verwendet.
Der Bauunternehmer weist die Vorwürfe zurück. Auf Nachfrage sagt er: „Ich bedauere ausdrücklich, dass es im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben zu unterschiedlichen Auffassungen und Schwierigkeiten gekommen ist. Die von Ihnen dargestellte Bewertung und insbesondere den Eindruck, unsere Firma habe eine Familie ‚um viel Geld gebracht', teile ich jedoch nicht. Im Verlauf des Bauvorhabens kam es zu Änderungen, zusätzlichen Leistungen und planerischen Abstimmungen, die sich teilweise auch auf den Bauablauf und einzelne Termine ausgewirkt haben.“ Zum Zusammenhang zwischen Bau und Politik erklärt er: „Ein Zusammenhang zwischen dieser geschäftlichen Angelegenheit und meinem politischen Engagement besteht nicht. Beide Bereiche sind strikt voneinander zu trennen.“
Zivilrechtlicher Streit: Gericht muss entscheiden
Es handelt sich um einen zivilrechtlichen Streit, den vermutlich ein Gericht klären muss. Vom Landgericht Schwerin heißt es: „Seit dem 1. Januar 2021 sind bis dato insgesamt 678 Zivilverfahren hier eingegangen, die dem Sachgebiet Bau – bzw. Architektensachen zuzuordnen sind.“
Wie sich die Parteien einigen können, bleibt abzuwarten. Solange stehen Aussage gegen Aussage und Vorwürfe im Raum, die noch nicht als Tatsache bewertet werden können. Die Namen der Familie wurden auf persönlichen Wunsch geändert, das Bauunternehmen nicht eindeutig genannt. Der Redaktion sind die Klarnamen bekannt.