Bio-Landpartie 2026: 57 Höfe öffnen ihre Türen in MV
Bio-Landpartie 2026: 57 Höfe laden in MV ein

Am 19. September ist es wieder so weit: Die Bio-Landpartie lädt zum Bio-Höfe-Hüpfen in Mecklenburg-Vorpommern ein. 57 Höfe öffnen ihre Türen. Burkhard Roloff vom BUND MV, der die Veranstaltung vor 19 Jahren mitentwickelt hat und bis heute organisiert, gibt Einblicke in das Konzept.

Ein Hof mit besonderer Entwicklung

Sieben Bio-Höfe sind in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. Besonders gespannt ist Roloff auf den Landwirtschaftsbetrieb Dudziak in Neustrelitz, wo Landwirtschaftsminister Till Backhaus die diesjährige Bio-Landpartie eröffnet. Der Hof habe eine spannende Entwicklung hingelegt: von einem mittleren Ackerbaubetrieb mit Freilandschweinen zu einem breit aufgestellten Hof, der seine Bio-Produkte inzwischen selbst im Hofladen und in der Region vermarktet. Mit einem eigenen Wagen wird das Frischfleisch auf umliegenden Märkten angeboten.

Von 2000 auf über 15.000 Besucher

Die Besucherzahl ist von ursprünglich 2000 auf mehr als 15.000 im vergangenen Jahr gestiegen. „Früher kamen die Besucher, um zu schauen, was das überhaupt für ‚Typen‘ sind, diese Biobauern und was die da eigentlich machen. Heute genießen die Gäste ihre Zeit auf dem Hof“, sagt Roloff. Gäste, die zum ersten Mal kommen, seien überrascht von der entspannten Atmosphäre auf den Höfen. Bei gutem Wetter blieben sie von Jahr zu Jahr länger. Auf manchen Höfen seien regelrechte Volksfeste mit hunderten Besuchern entstanden.

Vielfalt und moderne Technik

Die Besucher können in Ställe schauen, aufs Feld und in Gewächshäuser gehen und direkt mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen. Man kann Bio-Produkte probieren und kaufen und sich für den Herbst und Winter eindecken, zum Beispiel mit Kartoffeln, Äpfeln und Kürbissen. Jeder Hof ist anders: Auf dem einen grasen Angus-Rinder auf der Weide, ein anderer zeigt die Bio-Legehennenhaltung. Viele Höfe laden zu Aktionen ein. Eine Woche vorher steht auf der Seite des BUND MV, womit die einzelnen Höfe locken.

Spannend ist auch, welche moderne Technik im Ökolandbau mittlerweile Einzug gehalten hat. Bei manchen Höfen läuft die Unkrautbekämpfung schon mit Robotern und Laser-Weedern. Auch Mobilställe für Legehennen und Mastgeflügel, handwerklich betriebene Ölmühlen, neue Initiativen der Solidarischen Landwirtschaft und die Agroforstwirtschaft im Land sind für Roloff interessant.

Ökolandbau in MV: Spitzenreiter mit Hindernissen

MV liegt mit einem Anteil von etwa 16 Prozent an der landwirtschaftlichen Fläche bundesweit vorn beim ökologischen Landbau. Trotzdem stagniert die Umstellung. Das liegt vor allem an den Flächen: Der Zugriff wird immer schwieriger, Neueinsteiger bekommen kaum neue Flächen, und selbst erfolgreiche Bio-Betriebe können angebotene Flächen oft nicht pachten oder kaufen. Dazu kommt Konkurrenz durch Biogas- und Photovoltaikanlagen-Betreiber. Was in MV zusätzlich fehlt, sind regionale Verarbeitungsstrukturen wie Brotgetreidemühlen, regionale Schlacht- und Zerlegungsbetriebe und dezentrale Lagerkapazitäten.

Ein wichtiger Treiber könnte die Gemeinschaftsverpflegung sein. Auf Landes- und kommunaler Ebene bräuchte es klare Vorgaben für den Bio-Anteil zum Beispiel in öffentlichen Kantinen. Dänemark hat das schon 1996 eingeführt und liegt inzwischen bei einem Bio-Anteil in der Gemeinschaftsverpflegung von 85 Prozent.

Warum sich ein Besuch lohnt

Auf den Höfen erlebt man den Ökolandbau unmittelbar, kann mit den Menschen vor Ort sprechen und sich selbst ein Bild machen, wie rücksichtsvoll mit den Böden, Tieren und Pflanzen umgegangen wird. „In der Bio-Landwirtschaft sagen wir nicht ‚hinter die Kulissen schauen‘, denn es gibt bei uns keine Kulissen, alles ist offen und transparent“, betont Roloff. Jeder sieht, wie Lebensmittel angebaut und Tiere gehalten werden.