Die „Loth Loriën“ hat eine neue Kapitänin: Marieke van der Rest führt den Traditionssegler erstmals bei der 35. Rostocker Hanse Sail. Die junge Mutter übernahm im Januar das Familiengeschäft und bringt frische Ideen an Bord – inklusive kurzer Mitmach-Törns.
Familiengeschichte auf See
Die Geschichte der Familie van der Rest ist eng mit dem Schiff verbunden: Auf der „Loth Loriën“ lernten sich ihre Eltern Jaap und Anna kennen. Marieke selbst verbrachte ihre ersten Lebensjahre an Bord und fast alle Ferien auf dem Segler. Nun ist es ihre Tochter Maila, die das Leben auf dem Traditionssegler entdeckt, bevor sie richtig laufen konnte.
Ihr Vater Jaap baute den ehemaligen Fischkutter zum Segler um. „Er hat binnen kürzester Zeit viermal den Weltrekord im Windsurfen gebrochen“, erzählt Marieke. Auf einem frühen Törn mit der „Loth Loriën“ lernte er dann Annas Mutter kennen – sie war Gast und blieb einfach an Bord.
Hanse Sail mit sechs Stammgästen
Bei der diesjährigen Hanse Sail zählen sechs Schiffe zu besonderen Stammgästen: „Albert Johannes“, „Loth Loriën“, „Swaenborgh“, „Regina Maris“, „Stettin“ und „Nobile“ haben jeweils mehr als 30 Mal Kurs auf Rostock genommen. Insgesamt werden rund 120 Schiffe aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Polen, Finnland, Schweden und Spanien erwartet. Für Mitfahrten stehen an allen vier Tagen etwa 15.000 Tickets zur Verfügung.
Die „Loth Loriën“ ist zum 33. Mal bei der Hanse Sail dabei. Vater Jaap erinnert sich an die ersten Besuche: „Rostock sah damals ganz anders aus. Wir sind über Bahnschienen und Kohleberge am Stadthafen gelaufen und viele der Häuser waren in einem schlechten Zustand.“ Die Entwicklung der Stadt nennt er „verrückt“.
Qualifikation als Schlüssel
Marieke van der Rest hat BWL studiert und eine Spezialausbildung an der Seefahrtschule gemacht. „Ich sammle gerade noch meine letzten Seetage, um die Unterschriften der Kapitäne zu bekommen“, sagt sie. Das Kapitänspatent ist ihr wichtig, auch wenn sie es für die Geschäftsführung nicht benötigt. Denn der Beruf des Seemanns sei nach wie vor männerdominiert – jede Qualifikation helfe.
Doch das Traditionssegler-Wissen gehe zunehmend verloren: „Gutes Personal zu finden, das ein Leben auf See wählt und gleichzeitig das Know-how mitbringt, ist sehr schwer geworden.“ Auch die Betriebskosten sind hoch: „Für die reine Werftphase im Herbst muss ich auf jeden Fall 30.000 bis 50.000 Euro beiseitelegen.“ Ein Autopilot koste an die 6000 Euro, der Einbau weitere 2000 Euro.
Neue Angebote für Gäste
Um den Segler wirtschaftlich zu halten, setzt Marieke auf Nähe zu den Gästen, exklusive Charterreisen und niedrigschwellige Erlebnisangebote. „Bei uns gilt: Jeder darf mitmachen, keiner muss“, erklärt sie. „Man kann mit dem Kapitän sprechen, das Schiff steuern oder die Segel hochziehen.“
Die Crew besteht aus langjährigen Stammkräften, Quereinsteigern und ehemaligen Gästen. „Einer unserer Kapitäne war mit 15 bei uns zu Gast und hat das Leben auf dem Schiff nie wieder losgelassen“, erzählt sie. Unterstützt wird sie zudem von ihrem Vater.
Bei der diesjährigen Hanse Sail bietet sie erstmals kürzere, etwa zweistündige Segeltörns zum Mitmachen an. Viele Neuerungen wie Weihnachts- und Firmenfeiern, Kurztrips und Ausbildungsangebote hat sie bereits in den vergangenen Jahren umgesetzt. „Es war ein schleichender Übergang“, sagt sie.
Die nächste Generation
Marieke wurde 2024 Mutter der kleinen Maila. „Vorletztes Jahr stand ich hier mit einer riesigen Babykugel auf der Sail“, erinnert sie sich. „Ein Jahr später war Maila ein Säugling, jetzt kann sie schon auf Deck herumlaufen.“ Wie ihre Mutter wird auch Maila das Segeln wohl „einfach im Blut haben“ – und vielleicht später selbst die „Loth Loriën“ steuern.