Stille, Frieden, nur Vogelgezwitscher. Der Blick von Christina Innemann wandert hinauf zu den Baumwipfeln. „Wir sind hier mitten im Grünen“, sagt die 45-jährige Seelsorgerin. Sie sitzt auf einer einfachen Bank in Sichtweite der Feierhalle auf dem Neuen Friedhof Rostock. Diese Bank wird demnächst zur „Trauerbank“.
Ein Ort für Gespräche in schweren Zeiten
An ausgewählten Tagen können Trauernde und Friedhofsbesucher hier zwanglos mit Christina Innemann ins Gespräch kommen. Unter dem Motto „reden, zuhören, schweigen“ will sie Menschen in schweren Lebenslagen beistehen. Diese Trauerbank ist bisher einmalig in Rostock.
„Ich schenke den Menschen, die einen Verlust erlitten haben, Zeit und Verständnis“, so die Mutter von drei Kindern, die seit 2011 Seelsorgerin in der katholischen Pfarrei Herz-Jesu Rostock ist. „Ich gehe auf ihre Fragen ein und bewerte nicht“, ergänzt sie. Trauerbegleitung brauche „eine hohe Sensibilität und die Fähigkeit, sich selbst als Seelsorgerin zurückzunehmen“.
Erfahrung mit Tod und Trauer
Christina Innemann hat katholische Theologie studiert, war unter anderem Religionslehrerin und bis 2022 Hochschulseelsorgerin in Rostock. Seit 2022 ist sie zudem Polizeiseelsorgerin der Landespolizei und hier „häufig mit den Themen Tod, Leid und Trauer konfrontiert“, wie sie sagt.
In der Pfarrei koordiniert sie den Beerdigungsdienst und übernimmt regelmäßig selbst Trauerfeiern auf Friedhöfen, im Ruheforst oder zur See. Mit der Trauerbank geht es ihr auch darum, „inwiefern wir als Katholische Pfarrei hier in Rostock Begleitung von trauernden Menschen jenseits der bloßen Vorbereitung und Durchführung von Trauerfeiern und Beisetzungen anbieten können“.
Ein Angebot für alle
„Ich erlebe es in meiner Arbeit als Seelsorgerin, dass Trauer immer noch zu wenig Platz in unserer Gesellschaft hat.“ Dabei handle es sich um einen natürlichen Prozess. „Er braucht jedoch Zeit. Manche fühlen sich, besonders nach dem Termin der Beisetzung, dabei mitunter allein gelassen“, hat sie festgestellt.
Auf der Trauerbank sind alle willkommen, unabhängig von der eigenen Religionszugehörigkeit oder Weltanschauung. „Es trauern ja nicht nur Christen“, unterstreicht Christina Innemann. „Da ich in MV aufgewachsen bin und überwiegend mit Menschen ohne christlichen Hintergrund arbeite, ist das für mich vertrautes Terrain.“ Das Angebot sei auch offen für Menschen, deren Verwandte oder Freunde auf anderen Friedhöfen beigesetzt wurden.
Erster Termin am 19. August
Die Trauerbank auf dem Neuen Friedhof Rostock kann demnächst besucht werden. Christina Innemann ist zunächst einmal im Monat „als Zuhörerin und Gesprächspartnerin für Trauernde“ für zirka zwei Stunden an der Bank links vom Hauptweg in der zweiten Reihe gegenüber der großen Feierhalle anzutreffen. „Ich habe noch einen Flaggenaufsteller als Wegweiser und auch eine rote Decke auf der Bank“, sagt sie. Auch Kaffee und Wasser bietet sie an.
Der erste Termin ist am Mittwoch, 19. August, von 10 bis 12 Uhr geplant. Weitere Termine sind am 23. September, 12. Oktober und 4. November, jeweils 10 bis 12 Uhr.