Laut einer aktuellen ADAC-Studie fallen 62 Prozent der Autobahn-Toiletten in Mecklenburg-Vorpommern beim Sauberkeitstest durch. Nutzer klagen über beißenden Uringeruch, fehlendes Toilettenpapier und leere Seifenspender. Der Automobil-Club testete die unbewirtschafteten Rastplätze im März dieses Jahres.
Zustand der Toiletten an der A20
An den Rastplätzen der A20 herrscht am Samstag Hochbetrieb. Anja Hoops, die mit ihrer Familie nach Rügen will, hat den Rastplatz Brohmer Berge angesteuert. Ihre erste Begegnung mit der Infrastruktur in MV: „Eklig“, urteilt sie. Klopapier liegt auf dem Boden, dreckige Toilettenbürsten stehen neben dem Becken, Stockflecken an den Fugen. Sie mutmaßt: „Es wird zu wenig saubergemacht. Zu wenig Personal, denke ich. Und die, die auf Toilette gehen, achten nicht auf Sauberkeit.“
Am Rastplatz Vier-Tore-Stadt sind die Toiletten optisch in Ordnung, aber Franziska Borkmann und Ulrike Böhme aus Berlin bemängeln, dass es kein Wasser zum Händewaschen gibt. Als besonders störend empfinden sie den beißenden Uringeruch.
Autobahn GmbH: Herausforderungen durch unsachgemäße Nutzung
Betrieben werden die Autobahntoiletten von der bundeseigenen Autobahn GmbH. Laut einem Sprecher reinigt ein Fremdpersonal die Anlagen zweimal täglich, im Sommer bei stark frequentierten WCs sogar dreimal. „Die größten Herausforderungen resultieren im Wesentlichen aus der unsachgemäßen Nutzung der Anlagen durch einige wenige Verkehrsteilnehmer“, heißt es. Ein Reisebus könne eine gerade gereinigte Anlage so aussehen lassen, als wäre sie Tage nicht sauber gemacht worden.
Ronald Normann, Direktor der Autobahn GmbH Nordost, sieht Nachbesserungsbedarf. Die Reinigungsintervalle müssten verkürzt werden. „Das muss auch bezahlt werden. Und das Geld ist dafür nicht da“, sagt Normann. Das Geld komme aus dem Etat des Bundesverkehrsministeriums. Auch sei es schwer, Personal zu finden.
Zahlen und Fakten zu Rastplätzen in MV
38 unbewirtschaftete Rastplätze mit 90 Toiletten gibt es an den Autobahnabschnitten in Mecklenburg-Vorpommern. Dazu kommen elf von Unternehmen wie Tank&Rast betriebene Raststätten mit Toilettenanlagen, die zwar sauberer sind, aber nicht kostenlos genutzt werden können.
Laut ADAC-Studie hat sich der Zustand der WCs an Autobahn-Raststätten in den vergangenen vier Jahren bundesweit verschlimmert. Knapp zwei Drittel der Anlagen verschlechterten sich, nur acht Prozent verbesserten ihr Ergebnis. 92 Prozent der Befragten ist die Sauberkeit der Toiletten besonders wichtig. „62 Prozent der Anlagen fallen im Test in dieser Kategorie durch“, heißt es in der Studie.
Mecklenburg-Vorpommern schneidet zwar besser ab als der Bundesdurchschnitt, doch ein „sehr gut“ erhält hier keine Rastplatztoilette. „Oftmals fehlt es an funktionierenden Seifenspendern. Das Toilettenpapier ist gerne alle. Die Sachen sind kaputt oder funktionieren nicht. Da muss nachgearbeitet werden“, sagt Christof Tietgen vom ADAC.
Reisende im Vergleich: „In Polen ist es deutlich besser“
Beata kommt mit ihrer Familie aus Polen und will nach Dortmund. Ihre erste Pause in Deutschland legt sie am Rastplatz Peenetal Nord ein. „Es ging, aber es stinkt“, sagt sie. Im Vergleich zu ihrer früheren Heimat: „Wenn Sie ein paar Kilometer nach Polen fahren, ist es deutlich besser als hier. In Spanien, in Italien ist es schon deutlich besser.“
Ronald Normann sieht die Autofahrer in Mitverantwortung: „Ich glaube, keiner geht privat zu Hause so mit den Toiletten um wie mit unseren Anlagen.“
Investitionen und neue Toilettengebäude
Nach Angaben der Autobahngesellschaft sind bundesweit eine halbe Milliarde Euro erforderlich, um den Zustand der Autobahn-Rastplätze zu verbessern. Neue Toilettengebäude sollen künftig standardisiert gebaut werden. Für Neubauten und Sanierungen komme ein modularer Gebäudetyp zum Einsatz. Die Vorteile: geschlossene Kabinenbauweise, Dämmung sowie eine pflegeleichte Innenausstattung, hieß es von der Autobahngesellschaft.