Vierzig Besucher verfolgten in der Demminer Hanse-Bibliothek die Präsentation des Buches „Zucker aus Vorpommern - Geschichte der Demminer Zuckerfabrik“. Autor David Krüger hat das Archiv der ehemaligen Produktionsstätte ausgewertet und umfangreiche Texte, technische Beschreibungen und Fotos zusammengetragen.
Ein wichtiges Kapitel der Heimatgeschichte
„Ich habe ein kleines Buch mitgebracht, es umfasst 372 Seiten und etliche schwarz-weiß Fotos“, erklärte David Krüger. „Nach der Stilllegung der Fabrik 1991 wurde das Archiv sichergestellt, so dass wir ein wichtiges Kapitel der Heimatgeschichte aufarbeiten konnten.“ Krüger dankte Dr. Kathrin Werner und Dr. Axel Wendelberger für ihre Unterstützung.
Viele Besucher der Lesung hatten selbst in der Zuckerfabrik gearbeitet oder waren durch das Leben von Freunden und Verwandten, die in den Kampagnen tätig waren, hauptsächlich an der Entwicklung und Arbeitsweise zu DDR-Zeiten interessiert. Doch gerade diese Epoche konnte wegen fehlender Archivunterlagen noch nicht aufgearbeitet werden.
Archiv reicht nur bis 1964
„Vom heutigen Anklamer Eigentümer wurde uns nur das vollständige Archiv das bis 1964, als Demmin ein Bestandteil des damaligen VEB Zuckerüben Fritz Reuter Anklam wurde, überreicht“, erklärte David Krüger. In seiner Lesung gelang es ihm, die Zuhörer trotzdem mitzunehmen.
Anschaulich gab der Autor einen Rückblick auf die Anfangszeit, als Demminer Kaufleute die Aktiengesellschaft gründeten und sie in kurzer Zeit zu einer rentablen Produktionsstätte machten. Nach der Inbetriebnahme im Oktober 1884 spielten der Schiffsanleger am Gelände eine wichtige Rolle, ebenso der Baufortschritt bei den Produktionsräumen und den Nebengebäuden, wie der Direktorenvilla, der Eisenbahnanschluss, eine Verkaufsboutique und die Plumpsklos.
Von der Industrieoase bis zur Stilllegung
Die Demminer Zuckerfabrik entwickelte sich im ländlich geprägten Raum zu einer echten Industrieoase. Der Großbrand im Januar 1911 richtete erheblichen Schaden an, doch in Rekordzeit erfolgte der Wiederaufbau. Einzelheiten sind im Buch ausführlich beschrieben. Ein Fischsterben im Herbst 1913 durch in die Peene geleitetes Abwasser wurde ernst genommen und im Zusammenwirken mit den Fischereien bekämpft.
Tragisch ist das Kapitel, das auf die Zeit im Zweiten Weltkrieg eingeht. Damals mussten Kriegsgefangene für die Aufrechterhaltung der Zuckerproduktion sorgen. Das Fabrikgelände blieb während des Krieges weitgehend unversehrt und wurde nach Kriegsende unter treuhänderische Verwaltung gestellt, was das Ende der Aktiengesellschaft bedeutete.
Im März 1947 wurde die Zuckerfabrik ein landeseigener Betrieb und nach Gründung der DDR zum Volkseigenen Betrieb (VEB). 1964 erfolgte die Übernahme in den Großbetrieb VEB Fritz Reuter Anklam. Im Herbst und Winter der Jahre 1990 und 1991 lief die letzte Kampagne, und am 31. Mai 1991 wurde die traditionsreiche und stets rentable Produktionsstätte stillgelegt.
Über damalige Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) wurden die Maschinen demontiert und die Gebäude abgerissen. Dank David Krüger und der Mitglieder des Heimaltvereins bleibt die Erinnerung an Zeiten, in denen Fleiß, Arbeitswille und persönlicher Einsatz noch gefragt waren, erhalten. Die Geschichte der Zuckerfabrik verbirgt viele Geheimnisse, Erfolge und Geschehnisse, die absolut lesenswert sind. Das Buch ist demnächst beim Heimatverein erhältlich.