Jägerbrück liegt seit knapp 75 Jahren im Sperrgebiet auf dem Truppenübungsplatz bei Torgelow-Drögeheide. Von dem Dorf in der Ueckermünder Heide sind nur noch ein Stück gepflasterte Straße, Grundmauern einiger Häuser und ein Grab übrig. Die Bundeswehr hat zur Erinnerung Orts- und Hinweisschilder aufgestellt.
Ein Zeitzeuge besucht seine Vergangenheit
Joachim Hartfiel, Jahrgang 1930, kennt Jägerbrück aus seiner Kindheit. Der ehemalige Geschichtslehrer hat dem Dorf ein Kapitel in seinem Buch „Zur Geschichte der Region des ehemaligen Landkreises Ueckermünde“ gewidmet. Auf Einladung des Kommandeurs des Truppenübungsplatzes, Oberstleutnant Markus Ludwig, konnte er sich nach rund 80 Jahren das einstige Dorf ansehen.
Der Weg durch das Sperrgebiet
Die Fahrt führte zunächst über eine rund sechs Kilometer lange und bis zu zwei Kilometer breite Schießbahn. Quer über die größte Schießbahn verläuft der Karpiner Damm, der einst von Eggesin nach Jägerbrück führte. Der Truppenübungsplatz hat insgesamt eine Ausdehnung von rund 16 Kilometern.
Spuren der Vergangenheit
Erster Halt war die ehemalige Schule, von der nur noch Grundmauern und Keller übrig sind. Laut einer Chronik, die Markus Ludwig mitgebracht hatte, mussten die Bewohner das Dorf 1952 auf Beschluss des Ministeriums des Innern der DDR aufgeben. In der Schule wurde die erste Kommandantur eingerichtet, der Dorfkrug zur ersten Gemeinschaftsküche umfunktioniert. Im Sommer 1952 begann die Aussiedlung. Die Bauern erhielten nur geringe Entschädigungen. Der Schulbetrieb war bereits zum Ende des Schuljahres 1951/52 eingestellt worden.
Von den meisten Gebäuden ist nichts mehr übrig. Vom Gutshaus sind noch Grundmauern und Keller erhalten. Die Bundeswehr hat kleine Schilder aus Edelstahl mit den Namen der letzten Bewohner und eine Tafel mit einer Übersicht der Gebäude aufgestellt. In den 60er-Jahren wurde die Kommandantur nach Drögeheide verlegt, anschließend wurden die Gebäude abgerissen oder dem Zerfall überlassen.
Weiter ging es am Dorfkrug vorbei zur Randowbrücke. Die Jäger haben sie ursprünglich benutzt, um von einem Waldstück ins andere zu gelangen. Bereits seit dem 16. Jahrhundert lebten hier Menschen. Mitte des 19. Jahrhunderts war Jägerbrück ein kleines abgelegenes Dorf mit einem kleinen Gutshof, einem Dorfkrug, einer Revierförsterei und ein paar Wald- und Landarbeiterhäusern.
Ein Grab mitten im Wald
Ein Schild wies auf den Friedhof hin. Noch Anfang der 1950er-Jahre wurde dort ein Friedhof angelegt. Auf dem Friedhof findet sich ein einziges Grab. Auf dem Stein stehen die Namen Maria und Ernst Witt. Die Grabanlage wirkte gepflegt.
Joachim Hartfiel berichtete, dass im Dorf schwierige Arbeits- und Lebensbedingungen geherrscht hätten. Selbst elektrischen Strom gab es nicht. Trotzdem gab es gesellschaftliches Leben mit FDJ- und FDGB-Ortsgruppe sowie einer gemeinsamen Handballmannschaft. Auch Kinderfeste wurden in der Nachkriegszeit durchgeführt.
Joachim Hartfiel sorgt mit seiner Arbeit dafür, dass das Dorf nicht komplett in Vergessenheit gerät. Oberstleutnant Markus Ludwig ermöglichte den Zugang zum vergessenen Dorf. Auf dem Truppenübungsplatz befinden sich neben Jägerbrück noch einige andere vergessene Wohnplätze.