Helge Gerhardt aus Blumenhagen bei Jatznick fertigt Messer, Dolche und Schwerter – darunter ein Schwert für die Störtebeker Festspiele. Der 64-Jährige betreibt seine Schmiede seit 1999 in Jatznick und gibt sein Wissen in Kursen weiter.
Vom Landmaschinenschlosser zum Schmied
Gerhardt erlernte zu DDR-Zeiten den Beruf des Landmaschinenschlossers. In seiner Ausbildung in Malchin prägte ihn ein Schmiedemeister, der damals bereits über 70 Jahre alt war. „In meiner Ausbildung in Malchin hatten wir einen Schmiedemeister. Der war schon weit über 70 Jahre alt, aber ein super Schmied“, erinnert sich Gerhardt. In einem achtwöchigen Lehrgang lernte er von ihm, und nachmittags nach der Schule arbeiteten sie gemeinsam an Kunstschmiede-Arbeiten.
1984 baute Gerhardt mit seinem Vater die erste eigene Schmiede auf. Für die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) richteten sie Pflugscharen, Harken und Eggenzinken her. Nach der Wende war er von 1990 bis 1994 Bürgermeister in Blumenhagen, bevor er sich 1994 als Schmied und Metallbauer selbstständig machte. 1999 zog er in die Schmiede bei Jatznick um, die er bis heute nutzt.
Die „Bibel“ und das Damast-Schmieden
2001 erhielt Gerhardt ein Buch über Hieb- und Stichwaffen Europas, das er als seine persönliche „Bibel“ bezeichnet. Es enthält Entstehungsgeschichten und Anleitungen mit Maßen für Schmiede. Bei Schmiedetreffen in Tschechien, der Niederlande, Luxemburg und Belgien tauschte er sich mit Gleichgesinnten aus. „Wir haben viel voneinander gelernt, Wissen ausgetauscht“, sagt er.
Seit 2011 widmet er sich besonders dem Damast-Schmieden. Damaszener-Klingen zeichnen sich durch eine wellenförmige Musterung und die Kombination gegensätzlicher Stahleigenschaften aus. Die verschiedenen Stahl-Lagen werden immer wieder gefaltet und bearbeitet. „Das Schwert für die Störtebeker-Festspiele besteht zum Beispiel aus 56 Schichten pro Seite“, erklärt Gerhardt.
Kurse und Märkte
Seit einigen Jahren bietet Gerhardt seine Meisterstücke auf Mittelaltermärkten in Burg Stargard und Torgelow an. In dreitägigen Kursen bringt er Interessierten bei, ihre eigenen Damast-Messer zu schmieden. Der 64-Jährige steht weiterhin an den Flammen seiner Schmiede, denn: „An das Aufhören denke ich so schnell noch nicht“, sagt er.