Wenn sich am 12. August der Himmel vorzeitig verdunkelt, schauen nicht nur Astronomie-Fans gebannt nach oben. Auch Forscher weltweit sind fasziniert – und wichtige Daten kommen aus Neustrelitz. Das Institut für Solar-Terrestrische Physik, das zum Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) gehört, plant Messkampagnen entlang des Pfades der Sonnenfinsternis.
Natürliches Experiment in der Ionosphäre
Der Pfad bezeichnet das Gebiet, in dem der Schatten des Mondes auf die Erdoberfläche fällt. Bei der Sonnenfinsternis am 12. August verläuft der Kernschattenpfad von der Arktis über Teile von Grönland, Island und Spanien bis zu den Balearen. In Deutschland wird eine Verdunkelung von etwa 85 Prozent erwartet.
Für die Forscher ist das Ereignis ein „außergewöhnliches natürliches Experiment“. Sie untersuchen, wie die Ionosphäre – die sich in 60 bis 1000 Kilometern Höhe erstreckt und Funkwellen sowie Satellitennavigation beeinflusst – auf den plötzlichen Wegfall der Sonneneinstrahlung reagiert. Die Erkenntnisse sollen helfen, technologische Systeme robuster zu machen.
Internationale Zusammenarbeit mit Neustrelitz
Das Neustrelitzer Institut beteiligt sich an internationalen Messkampagnen mit Radarsystemen, Satellitennavigations-Empfängern und Niedrigfrequenz-Signalbeobachtungen in der Arktis und im Nordatlantik. Geplant sind Echtzeit-Messungen von Elektronendichte, Temperatur und Bewegungen des ionosphärischen Plasmas.
Zudem werden beim interkontinentalen Empfang von Signalen Veränderungen der unteren Ionosphäre entlang der Ausbreitungsstrecke analysiert. Die Ergebnisse fließen in das Ziel ein, die Schifffahrtsnavigation im Ostseeraum sicherer zu gestalten.
Institut für Weltraumwetter
Das 2021 gegründete Institut für Solar-Terrestrische Physik erforscht vor allem das Weltraumwetter, das sich etwa durch Sonnenstürme auf Satelliten auswirken kann. Für die Mitarbeiter entsteht derzeit am Kalkhorstweg ein neues Labor- und Bürogebäude, das voraussichtlich 2027 fertig wird.