Eine Neubrandenburger Familie, die im Babywald hinter dem Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum drei Lebensbäume für ihre Enkel gepflanzt hat, findet ihre Bäume im hohen Gras kaum wieder. „Fühlt sich überhaupt noch jemand dafür zuständig?“, fragt die Familie und kritisiert den Zustand der Fläche. Ein Besuch Ende Juli zeigt jedoch: Der Babywald ist nicht vergessen.
Ein Wald mit Erinnerungen
Ein Schild am Klinikgebäude weist den Weg, hinter dem Klinikum steht am Eingang der mit Schnullern behängte Schnullerbaum. Drei große Tafeln erinnern mit Namen und Geburtsdaten an die Kinder, für die hier einst Bäume gepflanzt wurden – darunter auch Luca, Lian und Nils. „Inzwischen ist aus dem Babywald ein ‚Urwald‘ geworden und die Natur ist dabei, sich die Fläche vollends zurückzuholen“, schrieb die Familie dem Nordkurier. Die Kinder seien damals stolz gewesen, ihre Bäumchen zu pflanzen, doch heute überrage Gras und Unkraut so manches Bäumchen.
Der Babywald entstand ab 2008 als Gemeinschaftsprojekt des Nordkurier, der Stadt, des Klinikums und weiterer Partner. Bei zehn Pflanzfesten setzten Eltern, Großeltern und andere Angehörige nach Angaben von Stadtförster Carsten Düde insgesamt rund 450 Lebensbäume. Nachdem die Fläche nahezu gefüllt war, endeten die Pflanzfeste 2014. Danach kamen bei zwei Schulprojekten weitere Bäume hinzu, und im November 2019 pflanzten Kinder der Neuwoba-Kindergenossenschaft weitere 100 Rotbuchen.
Pflege und Entwicklung
Vor allem in den ersten Jahren machte der Babywald viel Arbeit, erinnert sich Carsten Düde. Weil die Fläche erhöht liegt und Wind und Sonne ausgesetzt ist, mussten die jungen Bäume intensiv gewässert werden. Die Stadtförsterei mähte regelmäßig zwischen den Setzlingen und ersetzte einen Großteil der ausgefallenen Bäume. Heute sei das nicht mehr nötig, erklärt Düde, da die Kronen dichter werden und weniger Licht auf den Boden fällt. Die Wege würden weiterhin ein- bis zweimal jährlich freigeschnitten, um den Schnullerbaum kümmere sich das Klinikum.
Einzelne Flächen sehen wilder aus als früher – das gehört zum ursprünglichen Ziel. Künftig soll die Fläche in die reguläre Pflege des Stadtwalds aufgenommen werden. Auch der Zaun, der die jungen Bäume vor Wildverbiss schützte, soll mit zunehmender Größe des Bestandes verschwinden. Ganz problemlos entwickelte sich der Wald jedoch nicht: Der Untergrund ist stellenweise durch frühere Bauarbeiten gestört, und einige Eichen wurden wegen des Baus des benachbarten Hubschrauberlandeplatzes umgesetzt.
Keine dauerhafte Zuordnung
Eine dauerhafte Kennzeichnung jedes einzelnen Lebensbaumes war aus forstlicher Sicht nie vorgesehen, so der Stadtförster. Es sollte vermieden werden, dass ein bestimmter Baum auf Jahrzehnte verbindlich einem Kind zugeordnet wird, da Setzlinge eingehen, ersetzt oder umgesetzt werden können. Als Kompromiss erhielten die Familien damals Namensschilder aus Papier, die mit der Zeit verwittern sollten. Dauerhaft erhalten blieben die Namen und Geburtsdaten auf den großen Tafeln – der Name des Kindes bleibt mit dem Babywald verbunden, der genaue Baum lässt sich jedoch oft nicht mehr feststellen.
Wer weitere Fragen hat, könne sich direkt an den Stadtförster wenden, sagt Carsten Düde. Mit der Entwicklung des Babywaldes ist er zufrieden: Trotz der Trockenheit der vergangenen Jahre seien die meisten Bäume vergleichsweise vital. „Wir haben die Fläche als Wald gut etabliert“, sagt Düde: „Das wird ein schöner Mischwald.“