Grundschule Süd platzt aus allen Nähten: 140 Anmeldungen, Neubau braucht Zeit
Grundschule Süd: 140 Anmeldungen, Neubau dauert

Wenn am 24. August das neue Schuljahr beginnt, reicht der Platz an der Grundschule Süd erneut nicht für alle Kinder aus der Nachbarschaft. Das Gebäude in der Seelenbinderstraße bietet Platz für lediglich zwölf Klassen, zugleich ist es baulich in die Jahre gekommen: Es genügt nur mithilfe nachträglich angebrachter Außentreppen den Brandschutzanforderungen und ist nicht barrierefrei.

Planverfahren bis Ende 2027

Diese Probleme lösen soll ein Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Betonwerks Süd. Doch der Weg dahin ist noch weit: Das Planverfahren soll Ende 2027 abgeschlossen werden, heißt es in einer Antwort von Oberbürgermeister Nico Klose auf eine Anfrage des CDU-Ratsherrn Steven Giermann. Den Grundsatzbeschluss fasste die Stadtvertretung bereits 2022, zwei Jahre später bestimmte sie das ehemalige Betonwerk ohne Gegenstimme als Standort.

Wie dringend die Südstadt mehr Schulplätze benötigt, zeigen die Anmeldungen für das neue Schuljahr. Bis zum 20. Mai waren insgesamt 140 Kinder angemeldet. Etwa die Hälfte von ihnen wird nach Angaben der Stadt an andere Grundschulen eingeschult – teilweise selbst dann, wenn sie unmittelbar neben der Grundschule Süd wohnen. Auch wenn die Schülerzahlen wie erwartet sinken, werde die Schule ihre Kapazitätsgrenze nicht unterschreiten, erklärt die Stadt.

Gelände liegt seit 30 Jahren brach

Auch deshalb wurde ein Campus mit vierzügiger Grundschule, Hort, Zweifeld-Sporthalle und Sportplatz für rund 500 Kinder geplant. Die Fläche an der Ecke John-Schehr- und Bergstraße liegt seit rund 30 Jahren brach und wird derzeit als Parkplatz genutzt. Bis die ersten Bagger rollen, sind zahlreiche Untersuchungen und Fachplanungen nötig.

Zauneidechsen wurden auf dem Gelände bereits nachgewiesen. Bis September wird untersucht, welche weiteren geschützten Arten dort vorkommen. Wegen zweier Waldflächen könnten außerdem Umwandlungen nötig werden. Auch unter der Erde gibt es offene Fragen: Wegen der früheren Nutzung als Betonwerk gilt der Boden als altlastenverdächtig, Bohrungen und Schürfungen sollen klären, ob Schadstoffe vorhanden sind. Die Ergebnisse der Untersuchungen sollen Ende Oktober vorliegen.

Bürgermeinungen zum Bebauungsplan

Hinzu kommen alte Fundamente, Betonreste, aufgeschütteter Boden und unbekannte Leitungen im Untergrund. Flächen der Neubrandenburger Stadtwerke im Plangebiet stehen nicht zur Verfügung, zudem kann Regenwasser nicht ohne Weiteres in das öffentliche Netz abgeleitet werden. Deshalb fehlen unter anderem noch Verkehrs-, Lärmschutz- und hydrologische Gutachten sowie ein Entwässerungskonzept. Anfang September sollen sich erstmals auch die Bürger zum Bebauungsplan äußern können.

Das ehemalige Betonwerk steht damit für ein grundsätzliches Dilemma: Wer alte Gewerbebrachen neu nutzt, schont unbebaute Flächen – handelt sich aber oft aufwendige Planungen ein. Wann erstmals Kinder in der neuen Grundschule lernen können, lässt sich deshalb aktuell nicht seriös sagen.

Zudem gibt es auch bei den Finanzen Fragezeichen. Im Investitionsplan des städtischen Immobilienmanagements waren im Herbst 2024 vorläufig 30 Millionen Euro vorgesehen – unter dem Vorbehalt einer gesicherten Gesamtfinanzierung. Eine aktuelle Kostenschätzung gibt es nicht. Angesichts der für die kommenden Jahre erwarteten Millionendefizite in der Stadt ist offen, ob die Stadt ihren Anteil an einem solchen Großprojekt noch aus eigener Kraft stemmen kann.