Unbekanntes Virus bei Rindern: Fieber und sinkende Milchleistung
Fieber und Durchfall: Unbekanntes Virus bei Rindern

Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) haben bei Rindern in Baden-Württemberg ein bislang unbekanntes Virus aus der Simbu-Serogruppe nachgewiesen. Betroffene Tiere zeigten Fieber und Durchfall, Milchkühe lieferten weniger Milch. Übertragen wird der Erreger durch blutsaugende Gnitzen.

Vier Proben aus Baden-Württemberg untersucht

Das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit bei Greifswald untersuchte vier Proben aus dem Südwesten. Demnach handelt es sich um ein bislang nicht näher charakterisiertes Orthobunyavirus. Viren dieser Gruppe kommen vor allem in Afrika, Asien und Australien vor.

Das neue Virus gehört zur gleichen Gruppe wie das Schmallenberg-Virus, das 2011 nach Deutschland gelangte und vor allem bei Schafen Fehlgeburten und Missbildungen auslöste. Mehr als 2.000 Höfe waren damals betroffen. Infiziert werden überwiegend Wiederkäuer – Rinder, Schafe und Ziegen. Antikörper wurden auch bei Alpaka, Bison sowie Reh-, Rot-, Dam- und Muffelwild nachgewiesen.

Kein relevantes Risiko für Menschen?

Das Schmallenberg-Virus ist nicht auf den Menschen übertragbar. Auch das neue Virus stelle „nach bisherigem Kenntnisstand kein relevantes Infektionsrisiko für den Menschen dar“, teilte das Institut mit. Dies müsse nun genauer untersucht werden.

Bei erwachsenen Tieren führen Infektionen mit Viren dieser Gruppe laut FLI in der Regel nur zu milden bis moderaten klinischen Erscheinungen. „Von besonderer Bedeutung ist jedoch die mögliche Übertragung auf den Fetus während der Trächtigkeit. Abhängig vom Zeitpunkt der Infektion können Aborte, Totgeburten und schwere angeborene Fehlbildungen auftreten.“

Weitere Ausbreitung möglich

Ob solche Folgen auch bei dem neuen Virus auftreten, müsse noch untersucht werden. Da die übertragenden Gnitzen bis November aktiv sind, sei mit einer weiteren und möglicherweise schnellen Ausbreitung zu rechnen.

„Wir wissen noch nicht genau, welches Potenzial das Virus in sich trägt“, sagte eine FLI-Sprecherin. Möglicherweise gehe es darum, jetzt schnell einen Impfstoff zu entwickeln.

Fälle in mehreren Ländern

Erkrankte Rinder waren in der Schweiz, in Frankreich und im Juli auch in zahlreichen Beständen in Süddeutschland, insbesondere in Baden-Württemberg, aufgefallen. Die Symptome entsprachen zunächst dem Schmallenberg-Virus, Tests auf bekannte Erreger verliefen jedoch negativ. Das FLI wies schließlich eine große genetische Übereinstimmung mit Shamonda-Viren nach und bezeichnet das Virus daher als „Shamonda-like“.

Nach 2011 sei nun erneut ein exotisches Orthobunyavirus eingeschleppt worden, erklärte Martin Beer, Vizepräsident des FLI: „Die Untersuchungen der kommenden Wochen werden zeigen, wie rasch es sich ausbreitet, welche Tierarten besonders betroffen sind und mit welchen klinischen Folgen zu rechnen ist.“