Im Prozess um den Mord an dem sechsjährigen Fabian aus Güstrow hat eine Zeugin die Angeklagte schwer belastet. Die 52-jährige Rentnerin aus Krakow am See sagte am 13. Prozesstag vor dem Landgericht Rostock aus, sie glaube, von der Angeklagten als Alibi benutzt worden zu sein. Die Aussage musste zeitweise unterbrochen werden, weil die Zeugin in Tränen ausbrach.
Angeklagte will sich nun doch äußern
Die Verteidigung hat für den 6. August eine Einlassung der Angeklagten angekündigt. Damit reagierte Anwalt Thomas Löcker auf eine Forderung von Oberstaatsanwalt Harald Nowack, der am letzten Prozesstag „Klarheit für die Hinterbliebenen“ verlangt hatte. Richter Holger Schütt erklärte am Donnerstag (18. Juni), dass für die Aussage der 30-jährigen Pferdesportlerin aus Reimershagen voraussichtlich der Vormittag des 6. August eingeplant wird – der erste Verhandlungstag nach der Prozesspause im Juli.
Zum Umfang der Erklärungen machte Anwalt Löcker noch keine konkreten Angaben. Man wolle sich „an der Anklageschrift langhangeln“. Die Angeklagte, die bisher im Prozess geschwiegen hat, bestreitet, mit dem Mord etwas zu tun zu haben.
Zeugin berichtet von Fahrt zum Leichenfundort
Die Zeugin, die mit der Angeklagten befreundet war, schilderte, wie sie am Morgen des 14. Oktober mit der Angeklagten zum Fundort der Kinderleiche bei Klein Upahl gefahren war – bevor die Polizei davon wusste. „Sie hat mich morgens angerufen und gesagt: ‚Wir haben Fabian gefunden, er ist tot‘“, erzählte die 52-Jährige. Die Angeklagte habe gesagt, man müsse nochmal dorthin gehen, weil sie ja nicht sagen dürfe, dass sie mit den „Jungs“ vorher schon da war.
Die Angeklagte sei allein mit den Hunden zu dem Wasserloch gegangen, weil die Zeugin nicht so weit laufen konnte. „Und ich wollte das auch nicht sehen“, erklärte sie. Als die 30-Jährige zurückkam, habe sie grausige Details von Wildfraß an dem Toten berichten wollen, „das wollte ich nicht hören“. Erst danach rief die Angeklagte die Polizei an, verschwieg aber, dass sie schon vorher nachts mit zwei Männern an dem Fundort gewesen war.
Verhältnis zwischen Angeklagter und Ex-Freund
Die Zeugin beschrieb das Verhältnis zwischen der Angeklagten und ihrem Ex-Freund, Fabians Vater, als „harmonisch bis Eskalation“. Die Angeklagte habe Fabian zuerst gern zu Gast gehabt. Später sei es ihr aber so vorgekommen, dass Fabian von seiner leiblichen Mutter „am Wochenende nach Krakow zu ihr abgeschoben wird“. Zumal Fabians Vater kaum da war, da er immer zusätzlich arbeitete. Es habe oft Streit gegeben: „Sie konnten nicht miteinander, sie konnten auch nicht ohne einander.“ Für die Angeklagte kamen immer die Pferde „an erster Stelle“.
Fabian war am 10. Oktober aus der Wohnung seiner Mutter in Güstrow verschwunden, wurde erstochen und seine Leiche später an dem Tümpel bei Klein Upahl angezündet. Die Angeklagte war bereits am 13. Oktober zweimal mit Bekannten an dem Tümpel, verschwieg das aber der Polizei zunächst. Die Staatsanwaltschaft sieht als Motiv, dass die angeklagte Frau ihre jahrelange Beziehung mit Fabians Vater doch noch retten wollte. Der Mann glaubt immer noch an ihre Unschuld und versorgt weiter die Pferde und Ponys der 30-Jährigen. Eine Tatwaffe wurde nicht gefunden.