Das erste Halbjahr des Storchenjahres in Güstrow und Umland war geprägt von Dramen, Trauer, aber auch Familienglück. Der Beauftragte der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz, Reinhard Schaugstat, hat viele Geschichten gesammelt, die von blutigen Nestkriegen bis zu herzerwärmenden Rettungsaktionen reichen.
Blutige Nestkriege und Partnerwechsel
Die ersten Störche trafen bereits am 13. Februar ein, als der Güstrower Storchenmann im sonnenhellen Winternest stand. Bis März waren elf Horstpaare vereint, die letzten Kobrower und Kuhser Vögel kamen am 5. Mai. Zu dieser Zeit suchten noch Wanderstörche nach Nahrung und Niststätten – zehn in Güstrow und 22 bei Goritz. Dabei kam es zu blutigen Nestkriegen, Partnerwechseln und Vertreibungen.
„28 Horstpaare blieben – so viele wie zuletzt 2015“, teilt der Ornithologe mit. „Balz, Hochzeit, Brutzeit, Schlupf – in fast allen Nestern war Leben, rührte sich etwas“, beobachtete er. Doch nur 14 Paare waren erfolgreich, 34 Junge flogen aus.
Hitze fordert Opfer
Die große, ungewöhnliche Hitze machte den Vögeln schwer zu schaffen. „38 Grad, sowas hatten wir ja noch nie“, sagt Reinhard Schaugstat. „Etwa 20 Vögel starben, lagen tot unter den Masten, verdursteten, verhungerten, verbrannten regelrecht auf den Horsten. Sie fielen dann einfach um, haben Anwohner beobachtet.“ Manche wurden auch Beute von Raben und Uhus. Ein sehr schlechtes Resultat zu den Vorjahren.
Wasser und Fisch für unterversorgte Vögel
Die 16-jährige Luna vom Kloth-Hof aus Wattmannshagen versorgte vier junge Klapperer an heißen Tagen mit Bade- und Trinkwasser. Mit ihrem Opa verfütterte sie 120 Kilo Fisch an die Störche.
Im Güstrower Wildpark begleitete Schaugstat den 48-jährigen „Opa“ Glatze und seine Störchin mit zwei Jungen 90 Tage lang. „Dichtes Gedränge und Kinderfragen. Wir wollen Glatze und die Babys sehen. Sind das Deine Filzbälle?“
Aus Groß Schwiesow berichtet er von der neunjährigen Bella, die mit Freunden die Kinderstörche vor elf Rotmilanen bewahrte, indem sie klatschten und die Raubvögel vertrieben.
Erster „inhaftierter“ Storch in Güstrow
Der verletzte, flugunfähige Storchenmann aus der Schweriner Vorstadt befindet sich noch in der Tierklinik Rostock. Seine Partnerin musste die drei Halbwaisen alleine versorgen, ist aber nun „erlöst“. Ein Junges starb, ein anderes flog mit Altvögeln fort, das dritte landete erschöpft auf der Straße und wurde von der Polizei aufgenommen – „Der erste inhaftierte Storch der Güstrower Polizei. Das gab's noch nie.“
Mittlerweile sammeln sich die Störche für den Zug. Das leere Nest in der Schweriner Vorstadt dient ihnen als Rastplatz.