Am kommenden Wochenende verwandelt sich der Amtsberg in Wittenburg erneut in einen Lagerplatz für Ritter, Handwerker, Musiker und Marktleute. Das Burgmannenlager beginnt am Sonnabend, 15. August, um 11 Uhr und endet am Sonntag, 16. August, um 17 Uhr. Geboten werden Kampfvorführungen, altes Handwerk, Bogenschießen, mittelalterliche Marktmusik und ein neues Versorgerkonzept.
Eintritt und Anreise
Der Eintritt kostet 5 Euro, das Wochenendticket 8 Euro. Für Kinder werden 3 beziehungsweise 5 Euro fällig, Kinder bis sechs Jahre haben freien Eintritt. Parkplätze stehen an der Mehrzweckhalle in der Lindenstraße 14A bereit. Im Jahr des 800. Stadtjubiläums bekommt das Fest einen passenden Rahmen: Es findet am Amtsbergturm und im Amtsbergpark statt.
Ein Ort mit langer Geschichte
Der Amtsberg ist mehr als eine stimmige Kulisse. Wer dort am Wochenende zwischen Zelten, Ständen und Schaukämpfen unterwegs ist, steht an einem der ältesten Orte der Stadt. Hier lagen Befestigungen, hier wurde Herrschaft gesichert, hier begann Wittenburgs Entwicklung zur Stadt.
Die Vorgeschichte reicht weiter zurück als das Jubiläumsjahr 1226. In der Gegend lebten einst Polaben, ein slawischer Teilstamm der Abodriten. Eine frühe Burganlage wird im sumpfigen Bereich der Motelniederung vermutet – schwer zugänglich, gut zu verteidigen und geeignet, Wege zu kontrollieren.
Von der Burg zur Stadt
Das 800. Stadtjubiläum hat einen wichtigen Bezugspunkt, aber keine einfache Gründungsurkunde. 1226 wurde Wittenburg im Zusammenhang mit dem freien Handelsverkehr zwischen Lübeck, Hamburg, Schwerin und Ratzeburg genannt. Schon 1194 tauchte der Ort als „provincie“ auf, 1230 dann als „civitas“, also als Stadt.
Die frühe Geschichte ist von Machtwechseln geprägt. Im 12. Jahrhundert lag die Region zwischen slawischer Herrschaft, sächsischer Expansion und kirchlicher Neuordnung. Heinrich der Löwe belehnte 1142 Heinrich von Badewide mit dem Land der Polaben. 1158 wurde die deutsche Ansiedlung bei Wittenburg von einem abodritischen Aufgebot niedergebrannt. Nach 1160 entstand die Burg neu.
Am Fuß der Burg siedelten sich Handwerker und Händler an. Aus dem militärischen Stützpunkt wurde nach und nach ein städtischer Ort. 1201 ergab sich die Burg nach der Schlacht bei Waschow kampflos. Kurz darauf kamen Land und Stadt an die Grafschaft Schwerin. Um 1240 begann der Bau der Stadtkirche St. Bartholomäus.
1282 wurde Wittenburg Hauptstadt einer eigenen Grafschaft, die von der Elbe bei Boizenburg bis hinter Crivitz reichte. Rund 70 Jahre dauerte diese wirtschaftlich wichtige Phase, auch wegen der Handelsbeziehungen nach Lübeck. 1358 endete die Eigenständigkeit: Wittenburg wurde durch Kauf mecklenburgisch. Die Burganlage diente später als Notlager, Nebenresidenz und zeitweise als Wohnsitz fürstlicher Witwen.
Der Turm zeigt mehrere Zeiten
Der Amtsbergturm erinnert heute an diese befestigte Vergangenheit. Der spätmittelalterliche Turm, auch Burgtorturm genannt, steht unter Denkmalschutz. Unten Feldstein, darüber Backstein: Schon das Mauerwerk zeigt, dass hier über längere Zeit gebaut, verändert und weitergenutzt wurde.
Von der alten Befestigung ist nur wenig geblieben. Das Mühlentor wurde 1850 abgerissen, das Steintor 1869. Auch der Amtsbergturm ist kein unveränderter Rest aus dem Mittelalter. 1998 wurden seine Reste saniert und rekonstruiert, dabei entstand auch eine verglaste Aussichtsebene.
Handwerk, Kämpfe und Marktmusik
Das Burgmannenlager knüpft an diese Umgebung an. Zu sehen sind Schaukämpfe, Bogenschießen, Lagerleben und altes Handwerk. Schon im vergangenen Jahr zog die Veranstaltung viele Besucher an. Mittelalterfreunde präsentierten Waffen, Werkzeuge, Alltagsgegenstände und Handarbeiten nach historischen Vorbildern.
Für Wittenburg passt das Burgmannenlager im Jubiläumsjahr besonders gut. Der Amtsberg bündelt zentrale Linien der Stadtgeschichte: slawische Besiedlung, Burgenbau, Handel und spätere Umbauten. Wer am Wochenende kommt, erlebt also nicht nur ein Mittelalterfest, sondern auch einen Ort, an dem sich die mittelalterliche Stadtgeschichte noch ablesen lässt.