Beim traditionellen Königsschießen an der historischen Stadtmauer in Wittenburg hat Claudia Plock den hölzernen Adler von seinem Sockel geschossen. Damit ist sie die neue Schützenkönigin der Wittenburger Schützenzunft. Sie löst Bürgervorsteher Marcel Schulz ab, der im vergangenen Jahr den Titel errungen hatte. Bürgermeister Christian Greger ist als Patron der Schützengilde dabei.
König wird, wer den Adler abschießt
„König wird, wer beim Königsschießen den Adler runterholt, unabhängig von allen Ämtern, die er sonst noch hat“, erklärte Greger im Vorfeld des 37. Stadt- und Schützenfestes. Die Königswürde könne man aber auch ablehnen, denn der Schützenkönig müsse unter anderem einen Königsball ausrichten und repräsentative Aufgaben übernehmen. „Das liegt nicht jedem, und es kostet natürlich auch viel Zeit“, so Greger.
Für Claudia Plock ist das alles nicht neu, denn ihr Mann Andreas bekleidet aktuell das Amt des Schützenkaisers. Die Amtsperiode dauert fünf Jahre, und den Kaisertitel können nur ehemalige Schützenkönige erhalten. In Wittenburg wurde 2024 ein Kaiserschießen abgehalten, bei dem Andreas Plock den Kaiserschuss gelang.
Familie repräsentiert die Zunft
Nun wird die Wittenburger Schützenzunft insbesondere bei Schützentreffen und -festen befreundeter Vereine von einer Familie repräsentiert. „Ich finde das richtig gut“, freut sich Schütze Mathias Hiebl und spricht damit für den gesamten Verein. Der Verein blickt in Wittenburg auf eine lange Tradition zurück, obwohl das Schützenwesen nach dem Zweiten Weltkrieg und in der DDR-Zeit verboten war. Schützenvereine galten als Organisationen mit „preußisch-militärischen Zwecken“.
Während sich die Schützenzunft in den West-Bundesländern weiterentwickelte, mussten die Schützen im Osten auf Traditionen wie Königsschuss und Kaiserball verzichten. Dennoch lebte die Schützentradition in der Region Wittenburg bereits 1989 wieder auf. Mittlerweile ist die 1514 erstmals erwähnte Schützengilde ein moderner Verein, in dem sportliches Schießen mit Bogen, Pistole oder Gewehr gefördert wird.
Stadt und Schützen feiern gemeinsam
Der Verein sieht sich nach Angaben des 1. Vorsitzenden Michael Luchs auch zum Bewahren und Wiederbeleben historischer Traditionen verpflichtet. Die neue Schützenkönigin erhielt daher neben der aktuellen auch eine historische Schützenkette, die der Wittenburger Schützenzunft im Jahr 1710 vom Forstmeister Jacob Efers gestiftet wurde. Um die Schützentradition in der Öffentlichkeit zu präsentieren, feiern Schützen und Einwohner das gemeinsame Stadt- und Schützenfest.