DDR-Kaserne in Dabel: Vom NVA-Standort zur Geflüchtetenunterkunft
DDR-Kaserne in Dabel: Vom NVA-Standort zur Unterkunft

Am Südrand von Dabel entstand Anfang der 1970er-Jahre eine neue Kaserne der Nationalen Volksarmee. Im September 1973 zog das Artillerieregiment 5 von Drögeheide dorthin um.

Vom Artillerieregiment zur Panzerjägerabteilung

Das Regiment erhielt am 1. März 1975 den Ehrennamen „Paul Sasnowski“. In der Kaserne waren außerdem die Panzerjägerabteilung 5 und später die Geschosswerferabteilung 5 untergebracht. Die Geschosswerferabteilung wurde Ende 1987 aufgestellt.

Das Artillerieregiment 5 war 1956 in Stallberg aufgestellt worden. 1962 zog es nach Drögeheide, bevor 1973 der Wechsel nach Dabel folgte. Die Einheit gehörte zum Militärbezirk V, dem NVA-Bereich für den Norden der DDR mit Führung in Neubrandenburg.

Für den Kriegs- oder Alarmfall sollte das Regiment vergrößert werden. Aus dem Artillerieregiment 5 wäre dann die 5. Artilleriebrigade entstanden. Dafür waren 90 gezogene Geschütze vorgesehen.

Ausrüstung und Wohnsiedlung

Zur Ausrüstung gehörten 72 Kanonen M-46 im Kaliber 130 Millimeter sowie 18 Kanonenhaubitzen D-20 im Kaliber 152 Millimeter. Die Geschütze waren nicht selbstfahrend, sondern wurden von schweren Lastwagen gezogen. Dafür kamen Fahrzeuge des tschechoslowakischen Herstellers Tatra zum Einsatz. Zunächst wurden Tatra 813 genutzt, ab 1986 zunehmend Tatra 815. Soldaten und Unteroffiziere führten Kalaschnikow-Sturmgewehre mit klappbarer Schulterstütze, zunächst AK-47, ab 1988 AK-74.

Mit der Kaserne entstand ein neues Wohngebiet. Es wurde „Dabel II“ oder „Dabel-Siedlung“ genannt und war für Berufssoldaten, Zivilbeschäftigte und deren Familien vorgesehen. Gebaut wurden sechs fünfgeschossige Wohnblöcke, darunter ein Ledigenheim. Zur Siedlung gehörten eine Kinderkrippe, ein Kindergarten, die Polytechnische Oberschule „Hans Beimler“ mit Turnhalle und eine Kaufhalle. Durch diese Neubauten verdoppelte sich die Einwohnerzahl von Dabel.

Die Siedlung war eng mit der Kaserne verbunden. Für Berufssoldaten und Zivilbeschäftigte gab es einen Fußweg zum Kasernengelände sowie ein Alarmtor. Gleichzeitig blieb das Neubaugebiet vom alten Dorf getrennt. Berufssoldaten galten wegen ihrer separaten und besseren Versorgung und Unterbringung während der DDR-Zeit im Dorf als „fremde Macht“.

Übungen und das Ende der NVA

Im August 1986 nahm eine Abteilung des Artillerieregiments 5 an der Übung „Drushba 86“ teil. Im April 1989 war das Regiment an der Übung „Zyklus-89“ beteiligt, die im Nordwesten der DDR stattfand. Erstmals waren bei „Zyklus-89“ NATO-Beobachter im Rahmen des KSZE-Prozesses zur militärischen Transparenz zwischen Ost und West anwesend.

Am 2. und 3. Januar 1990 traten Soldaten des Artillerieregiments und benachbarter kleinerer Einheiten in den Streik. Sie bildeten einen Soldatenrat. Der Dienstbetrieb wurde anschließend wieder aufgenommen. Am 2. Oktober 1990 wurde das Artillerieregiment 5 zusammen mit der Nationalen Volksarmee aufgelöst.

Bundeswehrzeit und Nachnutzung

Der frühere Bundeswehrangehörige Achim Moeller schildert in einem Zeitzeugenbericht, dass er von Oktober 1990 bis März 1991 in einer Unterstützungsgruppe des Bundeswehr-Kommandos Ost beim Artillerieregiment 5 eingesetzt war. Aufgabe der Gruppe war die Umstrukturierung zum späteren Panzerartilleriebataillon 405 in der Moltke-Kaserne. In diese Monate fiel die Abholung früherer NVA-Fahrzeuge im Zusammenhang mit den Operationen „Desert Shield“ und „Desert Storm“ während des Golfkriegs 1990/91. Fahrpersonal wurde mit CH-53-Transporthubschraubern eingeflogen, übernahm Fahrzeuge und brachte sie im Landmarsch nach Bremerhaven. Dort wurden sie auf Transportschiffe verladen.

1991 wurden die letzten 16 Kanonen M-46 mit der Bahn nach Doberlug-Kirchhain gebracht. Dort befand sich ein Bundeswehr-Sammellager für Artilleriewaffen der NVA. Die Kanonen wurden dort instandgesetzt und für eine weitere Nutzung vorbereitet. Die M-46-Kanonen gingen 1993 fast vollständig nach Finnland. Dort wurden sie in der Küstenverteidigung eingesetzt.

Der Standort erhielt nach der Wiedervereinigung den Namen Moltke-Kaserne. 1991 wurde dort das Panzerartilleriebataillon 405 aufgestellt. Der Personalbestand sank von etwa 1000 Soldaten vor 1989 auf rund 300 in der Bundeswehrzeit. 2004 wurde im Zuge der Bundeswehr-Neuordnung die geplante Schließung bekannt. Ende Dezember 2006 wurde die Moltke-Kaserne geschlossen.

Zurück blieb ein rund 41 Hektar großes Kasernengelände mit Gebäuden, Straßen, Sportanlagen und einem Standortübungsplatz. Bereits zwischen September 2005 und Juli 2006 hatten Gemeinde und Amt Sternberger Seelandschaften eine Konversionsplanung mit Machbarkeitsstudie erstellen lassen. Viele Gebäude galten als saniert oder langfristig nutzbar; der frühere Übungsplatz sollte forstwirtschaftlich genutzt werden.

Beim G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm wurde die ehemalige Moltke-Kaserne kurzfristig als Quartier für mehr als 1000 Bereitschaftspolizisten genutzt. Berichtet wurde von beengter Unterbringung in teils umgenutzten Räumen. Der geplante Verkauf des Areals wurde wegen des Einsatzes auf den Herbst 2007 verschoben.

Seit 2025 wird die frühere Kaserne als Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete genutzt. Im Dezember 2025 waren dort durchschnittlich 107 Menschen untergebracht, im Januar 2026 waren es 112. Die ausgewiesene Kapazität liegt bei 515 Plätzen.