Sonnenfinsternis als Sinnbild: Pastor Goeritz über Licht und Schatten
Sonnenfinsternis: Pastor Goeritz über Licht und Schatten

Die partielle Sonnenfinsternis am Mittwoch hat viele Menschen vor die Türen gelockt. Auch Pastor Jens-Uwe Goeritz von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Gnoiener Land hat das Himmelsschauspiel beobachtet und sich gefragt, woher die Faszination dafür kommt. In seinem „Wort zum Sonntag“ zieht er Parallelen zu unserer Zeit.

Faszination angesichts der Finsternis

Goeritz fragt sich, ob es die Einmaligkeit oder Unwiederbringlichkeit ist, die diese Zeitspanne wertvoll macht. Oder ob darin die Erkenntnis von der Unendlichkeit des Alls steckt, in dem wir ein Staubkorn sind. Vielleicht sei es auch das ungläubige Erstaunen darüber, dass etwas verschwindet, das sonst immer und verlässlich da ist.

Das astronomische Ereignis tauge auch als Sinnbild für unsere Zeit und unser Land, so der Pastor. In Mecklenburg-Vorpommern sei allen immer klar gewesen, dass wir in Frieden leben, dass die Umwelt auch morgen noch lebenswert sein wird und dass wir in einem demokratischen Land zu Hause sind, dessen Mehrparteiensystem für Abwechslung, Veränderung und Stabilität sorgt.

Wandel und biblische Orientierung

Doch Zeiten ändern sich, alles ist im Wandel. Das Licht aus Frieden, Wohlstand und Stabilität habe an Strahlkraft und Anziehung verloren. Stattdessen gerieten die Schattenseiten der Zeit in das Zentrum der Wahrnehmung. Vieles werfe Fragen auf und schüre Ängste.

Goeritz erinnert an eine biblische Erzählung: Im zweiten Mosebuch Kapitel 13 bricht das in Ägypten versklavte Volk Gottes in die Freiheit auf. Es muss Tage und Nächte durchwandern, geführt von Gott – bei Tag durch eine Wolkensäule und bei Nacht durch eine Feuersäule. Das Volk sieht: Auch in der Nacht gibt es Orientierung. Schatten und Finsternis müssen uns keine Angst machen. Der Weg geht weiter.

Licht in dunklen Zeiten

Etliche Kapitel später ist das Volk immer noch unterwegs. Vierzig Jahre werden es zuletzt sein. Darin liegen weitere Erfahrungen: Schatten und Feinde des Lebens sind absolut ernst zu nehmen. Doch lebensfeindliche Mächte hätten niemals das letzte Wort, weil Gott ein Gott der Freiheit ist. Menschen täten gut daran, sich auf ihn und seine Orientierungshilfen (auch: 10 Gebote) zu verlassen.

Dieser Glaube sei nichts für Schwarzseher, aber etwas für Menschen, die in ihrer Zeit, an ihrem Ort wach und für andere mit Wort und Tat da sein wollen. „Suchet der Stadt Bestes!“ (Jer 29,7) werde der Prophet Jeremia Jahrhunderte später in der nächsten Phase der Versklavung den Seinen raten.

Es lohne sich zu wirklich allen Zeiten, nach Licht Ausschau zu halten. Es ist da. Und es kommt. Immer wieder. Selten so schnell wie nach einer Sonnenfinsternis. Aber es kommt. Darauf können wir uns verlassen und mutig darauf zugehen. Gemeinsam. Gerade jetzt.