Die Bilanz des ersten Storchenhalbjahres in Güstrow und Umland ist durchwachsen: 20 Vögel starben, 34 Junge flogen aus. Reinhard Schaugstat, Beauftragter der Landesarbeitsgruppe Weißstorchschutz, berichtet von Dramen und Glücksmomenten.
Hitze setzt den Vögeln zu
Die ungewöhnliche Hitze von bis zu 38 Grad machte den Störchen schwer zu schaffen. „38 Grad, sowas hatten wir ja noch nie“, sagt Schaugstat. „Etwa 20 Vögel starben, lagen tot unter den Masten, verdursteten, verhungerten, verbrannten regelrecht auf den Horsten. Sie fielen dann einfach um, haben Anwohner beobachtet.“
Manche Tiere fielen auch Raben und Uhus zum Opfer. Ein schlechtes Ergebnis im Vergleich zu den Vorjahren, so der Experte.
Nestkriege und Nachwuchs
Das Storchenjahr begann früh: Am 13. Februar kehrte der Güstrower Storchenmann zurück. Bis März waren elf Horstpaare vereint, die letzten trafen am 5. Mai in Kobrow und Kuhs ein. Wanderstörche suchten noch nach Nahrung und Nistplätzen – zehn in Güstrow, 22 bei Goritz. Dabei kam es zu blutigen Nestkriegen und Partnerwechseln. „28 Horstpaare blieben – so viele wie zuletzt 2015“, teilt der Ornithologe mit.
Nur 14 Paare waren erfolgreich, 34 Junge flogen aus. „Balz, Hochzeit, Brutzeit, Schlupf – in fast allen Nestern war Leben, rührte sich etwas“, beobachtete der Experte.
Menschliche Hilfe und tierische Dramen
Die 16-jährige Luna aus Wattmannshagen versorgte vier junge Störche mit Wasser und 120 Kilo Fisch. Im Güstrower Wildpark zog das Storchenpaar „Glatze“ und Frau Störchin zwei Junge groß. „90 Tage begleitete ich sie federnah“, erzählt Schaugstat.
In Groß Schwiesow retteten die neunjährige Bella und ihre Freunde Kinderstörche vor elf Rotmilanen. Am Tierarztzentrum „Alte Mühle“ wurde der 2011 gestellte Nistmast erstmals bewohnt, doch die Brut wurde aufgegeben.
Ein Storch in Polizeigewahrsam
Der verletzte Storchenmann aus der Schweriner Vorstadt wird noch in der Tierklinik Rostock behandelt. Frau Störchin versorgte die drei Halbwaisen allein, doch ein Junges starb, ein anderes flog mit Altvögeln fort. Das dritte landete erschöpft auf der Straße und kam in Polizeigewahrsam – „der erste inhaftierte Storch der Güstrower Polizei. Das gab's noch nie.“
Bereits jetzt sammeln sich die Störche für den Zug. Das leere Nest in der Schweriner Vorstadt dient ihnen als Rastplatz.