Die beiden markanten Getreidesilos direkt am Rostocker Stadthafen stehen vor einem Verkauf. Das bestätigt der Insolvenzverwalter des Unternehmens Eno Energy, das die Bauwerke besitzt. Bereits jetzt laufen Gespräche mit potenziellen Käufern.
Jahrzehntelange Geschichte der Silos
Das große Silo am Kempowski-Ufer prägt seit über 90 Jahren die Silhouette der Stadt. Es wurde 1935 fertiggestellt und ist mit einem Greif-Motiv sowie der Jahreszahl in der Backstein-Fassade verziert. Entworfen wurde der über 40 Meter hohe Bau von den Architekten Paul Bonatz und Paul Schmitthenner.
Die Bauwerke überstanden die Zeit des Nationalsozialismus, die DDR und die Wende. Täglich passieren mehr als 40.000 Autofahrer die Speicher an der Straße Am Strande. Bei der Hanse Sail werden zusätzlich Hunderttausende Besucher erwartet.
Insolvenzverfahren als Auslöser
Der Verkauf erfolgt im Rahmen des Insolvenzverfahrens der Windkraftfirma Eno Energy. Der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Christoph Morgen von der Kanzlei Brinkmann & Partner ist als Insolvenzverwalter bestellt. Er erklärt: „Wir sind derzeit dabei, beide Silo-Gebäude zu verkaufen. Das soll zeitnah geschehen. Wir sind bereits mit Interessenten in Gesprächen.“
Morgen war zuvor bereits als Insolvenzverwalter der MV Werften Gruppe tätig.
Bauprojekt gestoppt
Vor gut drei Jahren hatte Eno Energy ein Bauprojekt zur Rekonstruktion, zum Umbau und zur Erweiterung von Silo 1 angekündigt. Geplant war ein Büro- und Geschäftshaus. Mit der Insolvenz kamen die Arbeiten zum Erliegen. Zuletzt waren dennoch Handwerker auf dem Gelände aktiv, allerdings wurden nur Baugerüste abgebaut. „Weil von unserer Seite kein Plan besteht, diesen Bau weiterzuführen“, so Morgen.
Baugenehmigung bleibt gültig
Trotz der ruhigen Lage liegt weiterhin eine Baugenehmigung vor. Das städtische Bauamt bestätigte: „Zu der Baustelle am Speicher Kempowski-Ufer 2/Am Strande 2d besteht eine gültige Baugenehmigung, der Baubeginn wurde am 09.02.2023 angezeigt.“ Genehmigt wurden die Rekonstruktion, der Umbau und die Erweiterung von Silo 1 sowie der Neubau einer ebenerdigen Parkplatzanlage.
Der Abbau der Baugerüste könnte helfen, die Genehmigung zu erhalten. Denn wenn die Bauausführung länger als ein Jahr unterbrochen ist, erlischt die Baugenehmigung. Das Bauamt hat darauf hingewiesen, dass aber „der Abbau eines Baugerüstes auch als Aktivität auf der Baustelle zählen“ könne. Nach Kenntnis der Verwaltung sind die Arbeiten noch nicht länger als ein Jahr unterbrochen.
Denkmalgeschützte Bedeutung
Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege beschreibt das Silo als „eine der herausragenden neuzeitlichen Dominanten im Stadtbild Rostocks“. Es sei der Prototyp für viele nachfolgende Silobauten, darunter die sogenannten Reichstypenspeicher. Das Bauwerk dokumentiere „den hohen Rang der Nahrungsmittelbevorratung als Teil der nationalsozialistischen Kriegsvorbereitung“.
Historische Fotografien von Karl Eschenburg aus dem Jahr 1937, die im Universitätsarchiv Rostock aufbewahrt werden, zeigen den Silo mit dem Dampfer „Richard Schröder“ am Kai. Mehr als 90 Jahre nach dem Bau beginnt nun ein neues Kapitel für das Wahrzeichen.