Tierschützer zeigt gequälte Kühe an: Staatsanwaltschaft ermittelt in Leizen
Tierschützer zeigt gequälte Kühe in Leizen an

In einem Milchviehbetrieb in Leizen nahe Röbel sollen Rinder gequält worden sein, bis sie starben. Der Tierschutzaktivist Philipp Hörmann und sein Team haben dem Nordkurier Videos und Fotos aus Ställen und vom Außengelände des Unternehmens übergeben, die diesen Verdacht stützen. Die Aufnahmen zeigen, wie Milchkühe mit spitzen Gegenständen geschlagen und gestochen werden und offenbar kranke Kühe mit einem Gabelstapler aus dem Stall ins Freie geschleppt werden, wo sie tagelang liegen bleiben, bis Krähen auf sie einhacken. Zunächst hatte die ARD-Sendung „Report Mainz“ über die Vorwürfe berichtet.

Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg

Der Tierschutzaktivist aus Bayern berichtet von „tagelangen Todeskämpfen festliegender Rinder ohne Trinkwasser sowie dem mutmaßlichen Einsatz spitzer Gegenstände und Schlagwerkzeuge“. Er hat die GbR von der Müritz bei der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg angezeigt und auch das zuständige Veterinäramt des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte informiert.

Die Kreisverwaltung teilte auf Anfrage mit, dass der Betrieb bereits in der Vergangenheit auffällig war, aber zumeist keine gravierenden Verstöße festgestellt worden seien. „Die letzte Kontrolle am 16. Juli war nicht beanstandungsfrei, da die Anzahl der vorgefundenen Tränken unzureichend war und somit ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorlag“, sagte Landkreis-Sprecher Nils Henke.

Bauernverband kritisiert verdeckte Aktion

„In den vergangenen fünf Jahren gab es zwei Beanstandungen: 2024 wurden hochtragende Rinder geschlachtet, woraufhin ein Bußgeldverfahren eingeleitet wurde. 2021 waren nicht genug Tränkeplätze vorhanden.“ Das mutmaßliche Schlagen von und Einstechen auf Tiere sei „kritisch zu bewerten“, so Henke. Wer einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufüge, handele dem Tierschutzgesetz zuwider.

Der Landkreis begrüßt Aufnahmen dieser Art ausdrücklich, da sich Zustände dieser Art bei Kontrollen vor Ort kaum bis gar nicht erfassen lassen. Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern hingegen sieht das heimliche Eindringen kritisch. „Das heimliche Eindringen in landwirtschaftliche Betriebe ist nicht hinnehmbar. Es verletzt Eigentums- und Persönlichkeitsrechte und kann die Tiergesundheit sowie die Biosicherheit gefährden“, erklärte Verbandssprecherin Bettina Schipke.

Ermittlungen laufen

Unabhängig davon nehme der Bauernverband die veröffentlichten Aufnahmen ernst. „Für uns ist klar: Wo es Hinweise auf Verstöße gegen das Tierschutzrecht gibt, müssen diese konsequent und unabhängig aufgeklärt werden.“ Das Veterinäramt erklärt, Kühe ließen sich in der Regel durch akustische Reize antreiben, üblich seien auch Paddel aus weichem Kunststoff.

„Aktuell ist der Sachverhalt Bestand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen“, so Nils Henke. „Stellt die Staatsanwaltschaft lediglich eine Ordnungswidrigkeit und keine Straftat fest, könnte der Landkreis ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eröffnen.“ Die Gesellschafter des Betriebs mit rund 1200 Rindern waren nicht erreichbar. Gegenüber „Report Mainz“ erklärten sie: „Aufgrund des Tiergewichts war es ausgeschlossen, es ohne die eingesetzten technischen Hilfsmittel zu drehen.“ Veterinärdirektor Dr. Kai Braunmiller sprach von „erheblichen Schmerzen“ und einem Straftatbestand.