Zierker See: Fischer fordern Entschlammung statt chemischer Keule
Zierker See: Fischer fordern Entschlammung (26.08.2026)

Die Neustrelitzer Fischer Marco und Rüdiger Glashagen fordern eine Entschlammung des Zierker Sees und sprechen sich gegen chemische Maßnahmen aus. Sie warnen vor möglichen Gesundheitsrisiken durch Aluminiumionen.

Hohe Selbstreinigung, aber Gefahr des Umkippens

Durch die biologische und chemische Zusammensetzung im Zierker See habe dieser ein hohes Selbstreinigungspotenzial, so die Fischer. Sie beobachten, dass wieder flächendeckend Kraut wächst und sich Schilfgürtel am Ufer entlangziehen. Aufgrund der Witterungsbedingungen und des natürlichen Lebenszyklus herrsche eine hohe Planktondichte im See.

Bei Nährstoffüberschuss kann das pflanzliche Plankton jedoch zu einem Umkippen des Seesystems führen. Schlamm setzt sich als Abbauprodukt von Plankton und Algen am Seegrund ab, verringert die Wassertiefe und behindert Boots- und Schifffahrt sowie den Tourismus.

Schilfgürtel schrumpft, Seerosen unter Schlamm

„Früher hat es im Zierker See 10 bis 12 Hektar Seerosen gegeben. Diese sind nun unter Schlamm begraben“, sagt Marco Glashagen. Der Schilfgürtel liege mittlerweile bei 40 Metern, früher waren es 100 Meter. Es habe zudem Schilfinseln mit einem Durchmesser von zwei bis drei Metern gegeben.

„Die Jauche, die zu DDR-Zeiten in den See verfrachtet wurde, ließ die Seepflanzen eingehen“, erklären die Fischer. Die Wurzeln von Schilf und Seerosen seien jedoch noch vorhanden. Der große Baumbestand rund um den See führe dazu, dass sich Phosphor bilde, wenn Blätter ins Wasser fallen.

Fischer fordern Schlammentnahme statt Chemie

Die Fischer plädieren für eine Unterschriftensammlung zur Entnahme des Schlammes. Der Schlamm könne nach dem Ausbaggern auf Acker oder Wiese als natürlicher Dünger genutzt werden. Gegen eine Fällung, also chemische Maßnahmen, sprechen sie sich aus. „Das wären nur weggeschmissene Steuergelder und eine Alibi-Aktion“, findet Rüdiger Glashagen.

Bei einer Fällung würde sich der pH-Wert des Sees verändern und es würden Aluminiumionen ausgeworfen, die beim Menschen zu Krebs und neuronalen Erkrankungen wie Alzheimer führen können. Der See sei bereits bei mehreren Untersuchungen gescannt worden.

Überlauf bei Starkregen und Sanierung bis 2027

Marco Glashagen bezeichnet den Graben, in dem Regen und Abwasser in einem Mischsystem zusammenkommen, als Kulturlandschaft. „Wächst der Auslauf zu, betrifft das auch die Bevölkerung“, warnt er. Bei Starkregen können die Rohre der Kläranlage die Wassermassen nicht bewältigen, der Überlauf springt an. Wenn dieser nicht gepflegt werde, flögen die Gullydeckel raus und die Straßen überfluten.

Die Sanierung des Sees soll bis 2027 über ein Maßnahmenbündel erreicht werden. Bereits 2021 hieß es von der Stadt Neustrelitz: „Derzeit sorgen Schlammaufwirbelungen für eine Herauslösung von Nährstoffen und verringern die Sichttiefe des Flachwassersees, dessen mittlere Tiefe bei 1,60 Metern liegt. Über zwei Pilotversuche sollen das Makrophytenwachstum gefördert und Muscheln kultiviert werden.“

Seit 2005 wird dem See gereinigtes Abwasser über eine Bodenpassage zugeführt. Am Hafen wurde ein Regenrückhaltebecken gebaut, die Kanalisation saniert. An zwei Zuläufen finden Phosphatfällungen statt. Zuletzt erfolgte die Abfischung von Silber- und Marmorkarpfen. Das jahrelang favorisierte Vorhaben der Teilentschlammung und notwendige ökologische Ausgleichsmaßnahmen fanden jedoch kein Einvernehmen bei den Behörden.