Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat ihre Zwischenstatistik zu tödlichen Badeunfällen vorgelegt: In diesem Jahr gab es bundesweit mindestens 261 Ertrunkene – 15 Todesfälle mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Allein im Juni starben mehr als 100 Menschen in Gewässern, so viele wie seit mehr als 20 Jahren nicht mehr in diesem Monat.
Schleswig-Holstein: Deutlicher Anstieg der Todesfälle
Im Norden sind die Entwicklungen unterschiedlich: Schleswig-Holstein verzeichnet als einziges Bundesland einen deutlichen Anstieg. Bis Ende Juli sind 16 Menschen ertrunken, im Vorjahreszeitraum waren es neun. Allein im Juni kamen vier Menschen ums Leben, im Juli sechs weitere. Die meisten Unglücke ereigneten sich im Meer. Auffällig ist das vergleichsweise junge Alter vieler Opfer: Neun der 16 Verunglückten waren zwischen 11 und 40 Jahre alt.
Rettungsschwimmer: Kinder am Strand suchen
Alexander Kolb, Wachführer der DLRG in Grömitz (Kreis Ostholstein), beobachtet, dass viele Menschen unvorsichtig ins Wasser gehen. „Manche springen bei der Hitze direkt vom Boot ins Wasser, ohne sich vorher abzukühlen“, so der ehrenamtliche Rettungsschwimmer. Das könne zu Kreislaufschwierigkeiten führen. „Auch die Ablenkung der Eltern durch Multimediageräte ist schlimm, wir müssen jeden Tag Kinder am Strand suchen“, so Kolb. Zudem betont er: „Immer weniger Kinder unter zehn Jahren können sicher schwimmen, weil die Ausbildungsmöglichkeiten durch Bäderschließungen fehlen.“
Hamburg: Viele junge Männer betroffen
In Hamburg registrierte die DLRG bis Ende Juli sechs tödliche Unglücke – im Vorjahr waren es acht. Alle Todesopfer waren männlich, mindestens drei gehörten zur Altersgruppe der 11- bis 30-Jährigen. Zum Alter der übrigen Opfer liegen laut DLRG keine Angaben vor. Damit bestätigt sich der bundesweite Trend, dass Männer überdurchschnittlich oft bei Badeunfällen ums Leben kommen.
Niedersachsen: Ältere Menschen besonders gefährdet
In Niedersachsen kamen bis Ende Juli 23 Menschen ums Leben – ein Todesfall weniger als im Vorjahr. Besonders viele Unglücke gab es im Juni mit neun Todesfällen, im Juli starben vier weitere. 16 der Verunglückten waren älter als 61 Jahre, außerdem ein Kind bis zehn Jahre und zwei Jugendliche zwischen 11 und 20 Jahren. Auch hier waren die meisten Todesopfer männlich.
Mecklenburg-Vorpommern: Todesfälle in der Ostsee
In Mecklenburg-Vorpommern zählte die DLRG bis Ende Juli 16 Todesfälle – im Vorjahr waren es 18. Sechs Menschen ertranken im Juni, fünf im Juli. Die meisten Unglücke ereigneten sich in der Ostsee (sieben Todesfälle), vier in Flüssen. In Flüssen hatte die DLRG im Vorjahreszeitraum keinen einzigen tödlichen Unfall registriert. Auch hier waren vor allem ältere Menschen betroffen: Neun der 16 Opfer waren älter als 61 Jahre, 14 davon männlich.
Hitzewelle und Leichtsinn als Ursachen
Nach Einschätzung der DLRG trug die Hitzewelle Ende Juni maßgeblich zum Anstieg bei. „Betrachten wir nur die bisherigen drei Bademonate, gab es über 30 Todesfälle mehr als vor einem Jahr“, erklärte DLRG-Präsidentin Ute Vogt. Rund 90 Prozent aller tödlichen Badeunfälle ereignen sich an frei zugänglichen Gewässern im Binnenland, also in Seen, Flüssen oder Teichen – dort, wo meist keine Rettungskräfte vor Ort sind.
Forderung nach mehr Schwimmunterricht
Die beste Vorbeugung sei sicheres Schwimmen können, so Vogt. Besorgniserregend ist der Anstieg bei jungen Menschen: Bundesweit kamen bis Ende Juli 75 Menschen im Alter zwischen 11 und 30 Jahren ums Leben – 26 mehr als im Vorjahr. Fast alle waren männlich. „Infolge von leichtsinnigem Verhalten – oft in Verbindung mit Alkohol und anderen Drogen – kommt es unter Jungen und jungen Männern immer wieder zu Badeunfällen“, erklärte die DLRG-Präsidentin. „Es gibt im Badesee keinen Preis zu gewinnen, aber das Leben zu verlieren“, so Vogt. Die DLRG fordert deshalb mehr Investitionen in Schwimmbäder und den schulischen Schwimmunterricht, da viele Kinder die Grundschule verlassen, ohne sicher schwimmen zu können.