Ex-Hotelchefs starten in Groß Upahl durch und werden überrannt
Ex-Hotelchefs starten in Groß Upahl durch

Nach ihrer Kündigung im Luxushotel Burg Schlitz haben René Henze und Patrick Martin in Groß Upahl bei Güstrow ein neues Konzept gestartet. Ferienwohnungen und Gartencafé sind bis Weihnachten ausgebucht, die Gäste kommen aus der ganzen Region.

Neuanfang nach Kündigung

Patrick Martin und René Henze ist ein Neuanfang gelungen – fast schneller als ihnen lieb war. Nachdem den beiden ehemaligen Direktoren des Luxus-Hotelschlosses Burg Schlitz in der Mecklenburgischen Schweiz nach nur einem Jahr gekündigt worden war, haben sie sich nun in Groß Upahl bei Güstrow einen anderen Luxus aufgebaut: Den der unternehmerischen Unabhängigkeit in Sachen Gästebetrieb in paradiesischer Abgeschiedenheit – ebenfalls inmitten faszinierender Natur.

„Trotz allem – es konnte uns wohl nichts Besseres passieren“, konstatiert René Henze. Der „Laden“ in Groß Upahl läuft. Seine Kündigungsschutzklage gegen das Schlosshotel Burg Schlitz sei in einem Vergleich abgeschlossen worden, demzufolge nicht mehr über die Vorgänge geredet werden dürfe.

Gäste überrannt

„Wir haben die Reset-Taste gedrückt und jetzt endlich wieder Zeit und Gelegenheit sich mit eigener Energie um uns zu kümmern.“ Also nun ganz nach Groß Upahl. Eigentlich sei alles viel zu schnell gegangen. Bis in den Herbst hinein und auch schon Weihnachten seien ihre Ferienwohnungen im Gästegutshaus bereits ausgebucht. Vielmehr: „Seit dem Sommerstart unseres Gartencafés wurden wir von Besuchern förmlich überrannt, und wir mussten noch Stühle dazu kaufen“, berichtet das Herrenpaar erfreut. Die Gäste kommen sowohl aus Güstrow, als auch aus der Umgebung wie vom Lohmener Campingplatz bis aus Rostock, Berlin und vor allem Hamburg.

Die Torten backt Patrick Martin selbst, angeboten werden Überraschungsmenüs aus Fisch, Fleisch und vegan, freitags ist Königsberger-Klops-Tag. Mittwochs wird eingekauft, donnerstags gebacken und vorbereitet, freitags eingedeckt. Bis zu 60 Leute können hier essen und feiern. Beide füllen somit eine Lücke, schließlich haben etliche Landgasthöfe ringsum in den letzten Jahrzehnten dicht gemacht.

Dorfleben und Events

Gäste von 5 bis 99 Jahren werden bei Events rund ums Jahr eingebunden, erzählen die Gastgeber dieses neuen ländlichen Hotspots bei Güstrow: Ob bei Tanz in den Mai mit Spanferkel von der Feuerwehr, geplantem Oktoberfest, Halloween, Adventsmarkt, Floristenworkshops, Küchenpartys bis wieder hin zum Ostereiersammeln.

Die Türen für die Groß Upahler selbst seien immer offen, möchten beide. Besonders die Kinder freue es, wenn sie durch den Garten laufen dürfen – hin zur Eis- und Kuchenklappe. Denn wenn sie die Glocke läuten, gibt's Süßes, auch wenn die Münzen mal nicht reichen. „Die Menschen im Dorf sind sehr emotional mit diesem Haus verbunden. Sie haben hier den Kindergarten besucht, haben hier geheiratet“, wissen Henze und Martin. Seit Dezember ist Groß Upahl auch Standesamt und Hochzeitslocation.

Vom Dornröschenschlaf zur geordneten Pracht

„Dabei haben uns alle ‚gewarnt‛: ‚O Gott, wer kommt denn nach Groß Upahl?‛“ Aber es ist, als hätte sich Gott mit der Modellierung dieses Fleckchens Erde besonders viel Mühe gemacht. Und so treffen Henze und Martin einen Nerv der Zeit: Landleben pur zum Anfassen am gefühlten Ende der Welt für lärmgeplagte Großstädter. Zudem ist man schnell am Meer. Besonders entzückt sind die Gäste, wenn alte englische Haustierrassen, die es schon um 19. Jahrhundert hier auf dem Gut gelebt haben, quer durch den Park schnattern und auf der unmittelbar angrenzenden Koppel blöken.

„Mit einer kleinen Ferienwohnung nach dem Kauf des hübschen, einst zum Kloster Dobbertin gehörigen Domänenpächterhauses 2023 haben wir angefangen, erstmal um zu gucken wie es läuft“, erzählt René Henze. Alles weitgehend ohne Personal, eine gelernte Viehwirtin mit eigener Wohnung im Gutshaus schaut nach dem Rechten. Damals sei das wild wuchernde Grün in einem Maschendrahtzaun gepfercht gewesen. 30 Jahre lagen Haus und Park im Dornröschenschlaf. Aber Patrick Martin ist Landschaftsgärtner, Wege und Beete wurden angelegt. Unglaublich, diese geordnete Pracht nach nur drei Jahren.

Sukzessive wollen die beiden das Gutshaus wieder denkmalgerecht herstellen, nachdem manches in den 1990ern noch allzu lax gehandhabt worden sei, wie René Henze berichtet: Flügeltüren und Parkettboden seien herausgerissen, zersägt und teilweise verheizt worden. Eine charmante Kombination aus neuen und alten Möbeln und Wandschmuck wie echte japanische Seidenbanner lenken den Blick weg von Raufaser und Teppichböden. „Trotzdem sind wir froh, dass wir nicht, wie manche Gutshausretter, in eine Baustelle mit Löchern in den Decken kamen.“ Der Deckenstuck ist glücklicherweise erhalten.

Perspektivisch geht es immer weiter: Den alten Speicher haben Henze und Martin kürzlich dazu gekauft, um eventuell weitere Ferienzimmer einzurichten und ihn als Veranstaltungsraum zu nutzen. Wasserspiele sollen im Garten erfreuen und ein Country Club etabliert werden.