Vom Herrenhaus im Sperrgebiet zum Luxushotel an der Ostsee
Vom Herrenhaus im Sperrgebiet zum Luxushotel an der Ostsee

Das Herrenhaus in Groß Schwansee wurde 1745 von Freiherr Wilhelm Ludwig Hartwig von Both errichtet. Es entstand im spätbarocken Stil und wurde später klassizistisch umgebaut. Seit 2004 wird das Anwesen als Hotel und Tagungszentrum genutzt – zuvor diente es als Flüchtlingsunterkunft, Schule und Internat.

Nur 300 Meter trennen das Schlossgut vom Ostseestrand. Eine Lindenallee führt vom Herrenhaus direkt zum Wasser. Diese Nähe zur Küste prägte die Geschichte des Hauses: erst als Sitz eines Gutsherrn, später als Teil des DDR-Sperrgebiets und heute als Hotel.

Architektur mit Vorbild

Als Vorbild diente vermutlich Schloss Bothmer in Klütz. Das Herrenhaus ist elf Fenster breit, zweigeschossig und von einem großen Walmdach gedeckt. Anfangs war die Fassade unverputzt, sodass die Ziegel sichtbar blieben; den weißen Putz erhielt das Gebäude erst später. Über dem Eingang sind ein Wappen und eine lateinische Inschrift mit dem Baujahr 1745 zu sehen.

Bis heute ist die Grundform der Anlage erhalten: Hof, Herrenhaus und der Weg zur Ostsee liegen auf einer Achse.

Wechselvolle Eigentümergeschichte

1780 ging das Gut an die Grafen von Brockdorff. Um 1800 gehörte es Gottlieb von Haeseler, danach weiteren Angehörigen der Familie. 1850 erwarb der Hamburger Kaufmann Johann Heinrich Schröder das Anwesen. Die Familie von Schröder blieb bis 1945 Eigentümerin von Groß Schwansee und Klein Schwansee. Der Besitz umfasste zusammen 778 Hektar und wurde vor allem mit Schafhaltung bewirtschaftet. Zum Gutshof gehörten neben dem Herrenhaus Stallungen, Verwalterhaus, Schmiede, Schule, Kutscherhaus und weitere Wirtschaftsgebäude.

Enteignung und neue Nutzung nach 1945

Mit der Bodenreform wurde das Gut 1945 enteignet und die Gutswirtschaft aufgelöst. Teile des Inventars verschwanden: Eine Bildsammlung ging verloren, Geschirr und Besteck kamen später im Schulinternat zum Einsatz. Eine Münzsammlung wurde erst Jahre danach wiederentdeckt.

Das Herrenhaus diente zunächst als Unterkunft für Flüchtlinge, danach zogen eine Schule und ein Internat ein. Zeitzeugen berichten außerdem von einem Laden, einem Gemeindebüro, einer Sparkasse und Feiern im Haus.

Lage im Sperrgebiet der DDR

Wegen der Grenze an der Lübecker Bucht war die Lage zu DDR-Zeiten besonders bedeutsam. Das Gut lag im Sperrgebiet, hinter dem Dünengürtel verlief ein Kolonnenweg zur Überwachung des Küstenstreifens. Die Lindenallee führte zwar weiter zum Strand, doch der Bereich gehörte zu einem kontrollierten Grenzraum.

Nach der Schließung der Schule 1987 stand das Gebäude leer. Es verfiel, wurde zum Lost Place und war Vandalismus ausgesetzt.

Sanierung und Eröffnung als Hotel

1999 übernahm die Silvius Dornier GmbH & Co. KG den Komplex und begann mit der Sanierung von Herrenhaus und Nebengebäuden. 2002 eröffnete das Schlossgut als Hotel, seit 2004 werden Herrenhaus und Tagungszentrum genutzt. Auch der ehemalige Pferdestall wurde umgebaut und beherbergt heute Gastronomie und weitere Nutzungsflächen. Das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützte den Umbau mit einem Investitionszuschuss.

Von den früheren Wirtschaftsgebäuden war nur das Reithaus erhalten. 2008 begann nebenan der Bau eines zweigeschossigen Parkgebäudes, das 2009 fertiggestellt wurde und die historische Anlage auf der gegenüberliegenden Hofseite ergänzt.

Heutiges Angebot und Auszeichnungen

Heute verfügt das Schlossgut über 63 Zimmer: zehn im Herrenhaus und 53 im Parkgebäude. Dazu kommen das Schlossrestaurant „1745“, die Brasserie im ehemaligen Pferdestall, Bibliothek, Kaminzimmer, Spa-Bereich und Parkanlagen. Auch Trauungen werden angeboten.

Das Restaurant wurde mehrfach ausgezeichnet; der Schlemmer Atlas vergab 2010 zwei Kochlöffel. 2005 war das Schlossgut Drehort für den Kinderfilm „Paulas Geheimnis“. Bei der Bundesgartenschau 2009 diente Groß Schwansee als einer von drei Außenstandorten im Kreis Nordwestmecklenburg. 2026 erreichte das Haus im Ranking des Connoisseur Circle Platz 3 in der Kategorie der besten Schlosshotels Deutschlands.